Warez, Filme und Co.

Von DarkNet bis Usenet - Illegalen Downloads auf der Spur

Kaum wird ein Angebot für illegale Downloads im Internet geschlossen, sprießen Dutzende neue aus dem Boden. Wir geben einen Überblick über die Warez-Szene - vom DarkNet über One-Click-Hoster bis zum Usenet.

TOR - The Onion Router

© Tashatuvango / Shutterstock

Raubkopierer werden nicht nur im Web, sondern vor allem im Usenet fündig.

Das vergangene Jahr endete mit großen Schlägen gegen die Warez-Szene: In Deutschland wurden Anfang November 2014 insgesamt 121 Wohnungen in 14 Bundesländern durchsucht; Ziel waren mutmaßliche Betreiber des legendären Warez-Forums Boerse.bz. Der Vorwurf: Gewerbsmäßige Verbreitung urheberrechtlich geschützter Filme, Games, E-Books und Musik. Nur einen Tag später vermeldete das FBI die Verhaftung von Blake Benthall, dem mutmaßlichen Betreiber von Silk Road 2.0, einer in den Tiefen des Darknets operierenden Online-Plattform, auf der in erster Linie harte Drogen verkauft wurden.

Folgen hat dies für die weltweite Gemeinde der Raubkopierer allerdings keine, da für jedes geschlossene Illegal-Angebot Dutzende neue Anlaufstellen ihre Pforten öffnen. Darüber hinaus werden Raubkopierer aber nicht nur im Web, sondern vor allem im Usenet fündig. Und Kunden von Silk Road 2.0 kaufen zukünftig ganz einfach beim Nachfolger Silk Road 3.0.

Wie teilt sich die Szene für Warez und illegale Downloads auf? Wir geben einen Überblick:

Silkroad Login

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Kaum hat das FBI die Macher des Online-Drogenhandels Silk Road 2.0 verhaftet, steht schon der Nachfolger in den Startlöchern.

Darknet: Paradies für Kriminelle

Waffen, gefälschte Ausweise und jede Menge Drogen - im Darknet sind illegale Aktivitäten Alltag. Hauptgrund dafür ist das hohe Maß an Anonymität, das die zugrundeliegende Architektur verspricht. Denn der Zugang ins Darknet erfolgt weder über Google und Konsorten, noch durch die Eingabe einprägsamer URLs. Um zu verhindern, dass die Identität der Nutzer ermittelt werden kann, basiert das Netzwerk auf Tor. Weltweit bekannt wurde das Darknet 2013, als das FBI den Betreiber der Drogen-Handelsplattform Silk Road verhaftete.

Wer sich selbst in den Tiefen des Darknets umsehen möchte, muss dazu zunächst einmal das auf Mozilla basierende Tor Browser Bundle installieren und die im normalen Web gehostete Version des Hidden Wiki besuchen. Gleich auf der Startseite sind zahlreiche Links zu Suchmaschinen wie DuckDuckGo und Portalen, darunter die unzensierte Version des Hidden Wiki, aufgeführt. Die Gemeinsamkeit dieser Seiten, die allesamt innerhalb des Tor-Netzwerkes gehostet werden, ist die Endung .onion.

Ein Blick auf das unzensierte, aber leicht zu findende Hidden Wiki offenbart, dass im Darknet scheinbar alles erlaubt ist. Angefangen bei gestohlenen Kreditkarten und gehackten PayPal-Accounts über weiche und harte Drogen bis hin zu Raubkopien jeglicher Art und Waffen - es gibt nichts, was im Darknet nicht angeboten wird. Bezahlt wird in den meisten Fällen mit Bitcoins, da die digitale Währung maximale Anonymität verspricht.

Viele Downloader wissen nicht, dass es auch im Tor-Netzwerk möglich ist, die Identität eines Nutzers aufzudecken. Zum einen hat Tor mit Sicherheitslücken zu kämpfen, zum anderen ist es bekannt, dass US-Strafverfolgungsbehörden im Darknet sogenannte Honeypots betreiben, um User zu illegalen Aktivitäten anzustiften.

Boerse Forum

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Die Börse ist tot, es lebe die Börse: Es hat nicht lange gedauert, bis nach dem Aus von Boerse.bz ein neues Illegal-Angebot aufgetaucht ist.

One-Click-Hoster im Trend

Boerse.bz, das hierzulande bei Raubkopierern extrem beliebte Warez-Forum, hat seine Pforten für immer geschlossen. Dies bedeutet aber nicht, dass die Versorgung mit illegal kopierten PC-Spielen, Software und E-Books unterbrochen ist. Ganz im Gegenteil. Zum einen sind andere gut besuchte Foren nach wie vor aktiv, unter anderem MyGully, zum anderen dauert es erfahrungsgemäß nicht lange, bis sich neue Angebote in der Szene einen Namen machen, zum Beispiel Boerse.sx.

Die große Gemeinsamkeit solcher Warez- Foren: Die Uploader stellen die Dateien auf den Servern von One-Click-Hostern zur Verfügung. Und diese Anbieter arbeiten nach dem Pay-for-Speed-Prinzip. Im Klartext bedeutet dies: Downloader, die kein Geld in einen Premium-Account investieren, müssen mit Übertragungsraten im einstelligen Kbit/s-Bereich leben.

Was beim Herunterladen von Apps für Smartphones und Tablets sowie E-Books noch zu verschmerzen ist, stellt für HD-Filme ein absolutes K.o.-Kriterium dar. Also investieren Downloader zehn Euro, um einen Monat lang mit High-Speed saugen zu können. Für die einschlägig bekannten One-Click-Hoster stellt dies ein offensichtlich rentables Geschäftsmodell dar.

JDownloader 2

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Wer regelmäßig Dateien von One-Click-Hostern herunterlädt, kommt nicht um JDownloader 2 herum.

Ein unumgängliches Hilfsmittel ist in diesem Zusammenhang das kostenlos angebotene Tool JDownloader 2. Der legendäre Download-Manager erkennt in Webseiten eingebundene Links automatisch, was gerade bei Downloads, die aus mehreren Dateien bestehen - sogenannte Multipart-Downloads -, eine sehr große Hilfe darstellt.

Zudem ist das Tool in der Lage, heruntergeladene Archive automatisch zu entpacken und die RAR-Dateien anschließend wieder von der Festplatte zu löschen. Darüber hinaus kümmert sich JDownloader 2 auch um die Verwaltung der One-Click-Hoster-Zugangsdaten, sodass sich das Herunterladen illegaler Inhalte auf wenige Mausklicks beschränkt.

JDownloader 2 Workshop - So einfach geht das Downloaden

  1. Eingabe der ZugangsdatenNach dem Start von JDownloader 2, bei dem das Programm automatisch nach Aktualisierungen sucht, bringt der Anwender das Register Einstellungen nach vorne und klickt links auf Accountverwaltung. Dann klickt er auf Hinzufügen, um die Zugangsdaten des One-Click-Hoster-Accounts einzugeben.
  2. Downloadlink einfügenNun sucht er auf den Webseiten nach Links zu Dateien, die bei One-Click-Hostern gespeichert sind. Wird er fündig, klickt er im entsprechenden Posting auf den Downloadlink. In vielen Fällen landet er erst auf einer Captcha-Seite, dann auf einer Zwischenseite, auf der die Links zu den einzelnen Dateien aufgeführt sind. Er markiert die URL dieser Seite und kopiert sie in die Zwischenablage. Die JDownloader-2-Funktion Linksammler erkennt, dass eine URL in der Zwischenablage liegt, und übernimmt die Links automatisch.
  3. Laden und entpackenUm die Downloads zu starten, klickt der Anwender auf Herunterladen. JDownloader 2 zieht dann alle Dateien der Reihe nach herunter, überprüft, ob die einzelnen Archive in Ordnung sind und entpackt sie auch gleich. Sind Archive mittels Passwort geschützt, lässt sich das Kennwort im Bereich Archivpasswort eintippen.

Google findet Raubkopien

Nutzer, die in den Weiten des Internets nach kostenlosen Musikstücken Ausschau halten, müssen nicht viel Zeit investieren, um das Gesuchte zu finden. Eine einfache Google-Suche genügt in den meisten Fällen, um von anderen Usern bei One-Click-Hostern hochgeladene Songs zu finden - sofern Titel und/oder Interpret im Dateinamen enthalten sind.

Besonders großer Beliebtheit erfreut sich bei der Suche nach MP3-Dateien der File-Hoster Zippyshare, da die Download-Geschwindigkeit zufriedenstellend ist. Wie beliebt diese Kombination ist, erkennt man allein schon daran, dass Google die Erweiterung zippy bei der Eingabe eines Musiktitels oftmals automatisch vorschlägt.

Eine weitere Möglichkeit, um Google zur Suche nach Musikstücken zu missbrauchen, besteht darin, die Indexdateien von Servern zu durchforsten. Dazu genügt es, index of mp3 einzugeben. Der Suchbegriff lässt sich um zusätzliche Parameter erweitern, unter anderem charts, 2014 oder den Namen des Interpreten.

Google-Suche

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Eine einfache Google- Suche reicht aus, um MP3s, E-Books oder - wie im Beispiel - Android- Apps zu finden.

Soll die Suche auf HTM/HTML-Dateien eingeschränkt werden, in deren URL index of mp3 aufgeführt ist, lautet der Suchstring: -inurl:htm -inurl:html intitle: index of mp3. Auf diesem Wege lassen sich aber auch Android- und iOS-Apps (Dateiendungen: APK und IPA), E-Books (EPUB oder MOBI) und Comics (CBZ/CBR) finden. Ist der Suchende auf diese Weise auf einem Server gelandet, kann er die gewünschten Dateien ganz einfach herunterladen und in den anderen freigegebenen Verzeichnissen stöbern.

Aber auch spezielle Suchdienste, die die Inhalte öffentlich zugänglicher FTP-Server indexieren, liefern brauchbare Ergebnisse. An erster Stelle der Beliebtheitsskale steht hier Napalm. Die Handhabung ist denkbar einfach: Nach der Eingabe des Suchbegriffs, der sich bei Musikstücken idealerweise aus Titel und Interpret zusammensetzt, listet Napalm alle Fundstellen auf. Ein Klick auf den entsprechenden Treffer öffnet eine neue Seite, auf der der Link im Klartext aufgeführt ist. Sollte sich die Datei mit dem Browser nicht herunterladen lassen, etwa weil der Zugriff über Port 80 deaktiviert ist, muss ein FTP-Client wie Filezilla verwendet werden.

Im Usenet geht's rund

Nach wie vor stark im Trend liegen Usenet-Downloads. Pikanterweise sind Raubkopierer, die ansonsten alles umsonst haben wollen, sogar bereit, Geld für die Nutzung eines Usenet-Servers auszugeben, da die von Unternehmen und Bildungseinrichtungen betriebenen Server keine alt.binaries.* Newsgroups unterstützen oder generell den Upload von Binärdateien untersagen. Bei der Auswahl des passenden Usenet-Anbieters ist zu beachten, dass die Vorhaltedauer (Retention) der Dateien ausreichend groß ist. Da inzwischen aber viele Services eine kostenlose Testphase anbieten, fällt es nicht schwer, den passenden Dienst zu finden.

Weitere Kosten fallen für die Nutzung eines Newsreaders an. Zwar ist der Zugang zu den Newsgroups auch mit Freeware, etwa Microplanet Gravity, Pan oder Grab It möglich. Richtig Spaß macht das Ganze aber nur mit einem Client, der über eine integrierte Suchfunktion verfügt, RAR-Dateien in einem Rutsch entpackt und Inhalte automatisch herunterlädt. Erste Wahl ist in Raubkopiererkreisen nach wie vor die All-in-One-Lösung Newsleecher.

Newsleecher

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Newsleecher erfreut sich unter Raubkopierern großer Beliebtheit, da das Tool das Saugen aus dem Usenet zum Kinderspiel macht.

Bei der Suche nach interessanten Inhalten ist zwischen zwei Anwendungsszenarien zu unterscheiden. Nutzer, die mit einem Newsreader ohne Suchroutine auf das Usenet zugreifen, haben kaum eine Chance, spezielle Inhalte zu finden. Zwar sind nahezu alle News-Clients mit einer Suchfunktion ausgestattet, doch diese Funktion beschränkt sich auf die Suche innerhalb der bereits auf Festplatte geladenen Header. In der Praxis muss der User also täglich seine abonnierten Newsgroups scannen, bevor er die Suchfunktion nutzen kann. Das ist unkomfortabel und verursacht unnötigen Traffic.

Alternativ dazu informieren sich Raubkopierer auf speziellen Webseiten wie NZB Search  und NZB Index oder in geschlossenen Communities wie Usenet Revolution über neue Postings und laden die entsprechenden NZB-Dateien auf die Festplatte. Hierbei handelt es sich um Textdateien, die dem Newsreader mitteilen, in welchen Gruppen und mit welcher ID die Inhalte hochgeladen wurden. Raubkopierer, die ausschließlich per NZB-Dateien aus dem Usenet saugen, pfeifen auf die herkömmlichen Newsreader und vertrauen lieber auf reine Download-Tools wie NZBGet und SABnzbd.

UseNeXT: Ihr Zugang ins Usenet

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