Farben des Films

Corporate Identity

Individuellen Look einstellen

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© PC Magazin

Bronze-Zeit: Der 30-minütige Spielfilm "Hazal" dreht sich um einen jungen Mann, der nach seiner großen Liebe in Istanbul sucht. Passend zu dieser perfekt umgesetzten Liebesgeschichte hat der Film einen Look "warme Farben mit einem Hauch Bronze" erhalten.

Fernsehserien, Werbespots und auch Kinofilme zeichnen sich immer durch einen individuellen Look aus, eine Farb-CI (Corporate Identity). Eine Kernaufgabe des Color Grading ist es, für diesen in sich stimmigen, individuellen Look zu sorgen.

Natürlich ist es immer besser, wenn bereits bei den Aufnahmen Regisseur und Kameramann mit mechanischen Mitteln für diesen Look sorgen: Ein extremes Beispiel ist der dänische Regisseur Lars von Trier. Im Kinomagazin bereichtete von Trier im Interview mit Peter Kremski: "Für den Film ,The Element of Crime' haben wir gelbe Natriumlampen benutzt, die überhaupt nicht fürs Filmemachen entwickelt worden waren. (...)

Wir mussten spezielle Lampen für sie anfertigen. Sie hatten den Fehler, dass sie, wenn sie mit Wasser in Berührung kamen, sofort explodierten. Und gerade in dem Film kommt die ganze Zeit hindurch eine Menge Wasser vor."

Generell lässt sich sagen: Krimis erscheinen in Blau- und Grün-Tönen. Liebesfilme weisen viele gelb-rötliche Farben auf. Typisch für Bollywood-Filme ist der deutliche Wechsel zwischen gelb-rötlichen Tönen zu blau-gelblichen in Konfliktszenen.

Western- oder Historienfilme kennzeichnen eher entsättigte, bräunliche Farben, ein Dokumentarfilm über Rosen oder Orchideen erstrahlt im Zweifel mit kräftigen Farben. Ein spannendes Element ist das gezielte Einfärben eines Teilbereichs vor ansonsten schwarzweißen Bildern.

Auch Schwarzweißfilme (eigentlich: Graustufenfilme) können ein Stilmittel sein: Ein besonders gelungenes Beispiel ist "Das weiße Band" - jenes Meisterwerk des Regisseurs Peter Haneke, ruhig und gespenstisch präzise aufgezeichnet von Kameramann Christian Berger.

Der Thriller spielt in einem norddeutschen Dorf kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, gedreht wurde auf Farbfilm - doch gerade die Schwarzweiß-Wiedergabe wird dem Drama gerecht.

Für Fernsehserien ist der Wiedererkennungswert enorm wichtig. Die Zuschauer müssen beim Umschalten von einem anderen Programm auf den ersten Blick erkennen, um welches Programm es sich gerade handelt, noch bevor sie die ersten Schauspieler erkennen. Das Mittel der Wahl ist die genau festgelegte Farbstimmung.

Es wäre fatal, etwa eine Folge des bayerischen Films "Dahoam is Dahoam" rotstichig, die nächste Folge in kühle Farben zu tauchen. Colorist Andreas Brückl warnt: "Der Zuschauer wüsste wahrscheinlich nicht, was ihm nicht gefällt. Aber er würde es definitiv merken und im schlimmsten Fall das Programm wechseln."

Wichtige Elemente anpassen

Um bildwichtige Elemente gesondert hervorzuheben, bieten sich ähnlich wie in der Bildbearbeitung Masken an. Dieser Arbeitsschritt erfolgt nach dem grundlegenden Anpassen der Farben.

Häufig sind Gesichter oder Teile von ihnen (dunkle Augenpartien) aufzuhellen. Um in Werbefilmen den Blick stärker auf das beworbene Produkt zu lenken, erstrahlt es in satteren, helleren Farben als der Hintergrund. Durch gezielt gesetzte Helligkeitsabstufungen können Sie sonst recht flach wirkenden Aufnahmen räumliche Tiefe geben.

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Lichtmeister: Für diese Szene aus dem Musikvideo "Big Mama" hat der Colorist unter anderem die Kontraste verstärkt, die Haare eingefärbt und die Ecken via Vignette abgedunkelt.

Masken sind auch nötig, wenn ein(e) Schauspieler(in) eine fahle, blasse Haut, der andere dank Bluthochdruck (oder Oktoberfestbesuch) eine dunkelrote, an Purpur grenzende Hautfarbe hat. Würden Sie nun die Magenta-Anteile im Ganzen herunterregeln, würde der blasse Teint sofort einen ungesunden Grünstich erhalten.

Da das Bearbeiten Einzelbild für Einzelbild viel zu lange dauern würde - bei einem Kinofilm wären 24 Bilder pro Sekunde, bei einem PAL-Film 25 Bilder/Sekunde zu korrigieren - und vor allem die Gefahr von Abweichungen von Bild zu Bild besteht, müssen sich diese Masken den Bildinhalten anpassen. Das gilt fast immer, nur nicht in Ausnahmefällen wie Vignettierungen, die Masken bleiben hier ausnahmsweise fest.

Um Masken über mehrere Bilder hinweg zu erzeugen, sind präzise Keyer zwingend nötig. Diese lassen sich auf Helligkeits- und/oder Farbwerte einstellen.

Shots angleichen

Wenn Sie Aufnahmen nicht direkt hintereinander drehen, lassen sich unterschiedliche Lichtstimmungen selten vermeiden. Doch bereits bei Dreharbeiten anlässlich einer Hochzeit bei Tageslicht werden Sie häufig feststellen, dass einige Clips blau-andere orangestichig ausfallen. Diese Schwankungen lassen sich nachträglich ausgleichen.

Dazu bestimmen Sie üblicherweise einen Referenzclip, an dessen Werten Sie sich orientieren. Auch bei ungenauem Weiß- und Schwarzabgleich ist eine nachträgliche Angleichung angezeigt.

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