Hosting der Zukunft

Webauftritt in der Cloud - Anbieter, Vorteile, Nachteile & Co. im Ratgeber

Die Cloud entwickelt sich zur neuen Hosting-Alternative. Wir zeigen Ihnen, welche Vor- und Nachteile dieser Ansatz hat und wie Sie selbst einen solchen Server einsetzen.

In unserem Ratgeber erfahren Sie alles zum Cloud-Hosting.

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In unserem Ratgeber erfahren Sie alles zum Cloud-Hosting.

Die größte Flexibilität und (meist auch) die höchste Leistungsfähigkeit für die eigene Website bieten dedizierte Server eines Hosting-Anbieters. Deren Nutzung erfordert zwar etwas mehr Sachverstand und Aufwand bei der Konfiguration, dafür landen indes nur die Programme auf dem Server, die tatsächlich benötigt werden.

Anpassungen an Einstellungsdateien etwa für PHP sind ohne Probleme möglich, weil nicht auf andere Nutzer Rücksicht genommen werden muss. Diese Vorteile versuchen nun reine Cloud-Server ebenfalls anzubieten, ohne die Nachteile, die die Buchung eines dedizierten Servers mit sich bringt.

Vorteil Cloud-Server?

Wer bei seinem Hosting-Anbieter einen dedizierten Server bucht, bindet sich üblicherweise für einen längeren Zeitraum. Zwar winken die Hoster mit immer kürzeren Vertragslaufzeiten und flexiblen Kündigungsfristen, in der Praxis spielen diese aber eher eine untergeordnete Rolle. Denn wer seinen Server und das CMS konfiguriert und Inhalte auf das System übertragen hat, dürfte sich kaum die gleiche Arbeit im Monatstakt erneut machen.

Der Vertrag selbst umfasst dann immer die bei Vertragsabschluss gebuchte Maschine, in exakt der technischen Ausstattung, die vereinbart wurde. Ein Wechsel auf eine schnellere CPU oder die Nutzung von mehr Arbeitsspeicher ist somit nicht ohne Probleme möglich. Mehr Flexibilität versprechen virtuelle Root-Server: Werden plötzlich mehr Leistungsreserven benötigt, weil die Website stark frequentiert wird, genügt es, im Backend der Installation entsprechend mehr CPU-Kerne auszuwählen oder mehr RAM zuzuweisen. Diese können dann ab sofort genutzt werden. Diese Skalierbarkeit und damit größere Flexibilität führen die Cloud-Anbieter als einen ihrer größten Vorteile ins Feld.

Vergleichstest: Die besten Cloud-Dienste

Diese Vielseitigkeit setzt sich auch in Sachen Preismodell fort. Bei einem klassischen Angebot wird eine Monatspauschale für die eingesetzte Hardware fällig. Darin enthalten ist üblicherweise auch eine Pauschale für den Traffic, der durch den Server entsteht. Cloud-Anbieter setzen hier auf andere Parameter, wie etwa die Anzahl der eingesetzten CPUs, den genutzten Speicherplatz und die RAM-Reserven. Da diese flexibel geändert werden können, ergeben sich dadurch auch schwankende Preise, weil üblicherweise tageweise abgerechnet wird.

Schließlich spielt auch der Aspekt des Komforts eine wichtige Rolle. Da der Server nur virtuell vorhanden ist, lässt sich im Bedarfsfall mit einem Mausklick aus einem Backup ein vorheriger Zustand wiederherstellen. In der Software- und Webentwicklung offerieren die Cloud-Angebote damit viele Chancen. Denn binnen weniger Minuten können Server aufgebaut und dann zu Testzwecken genutzt werden.

Nachteile inklusive

Wird der Server kommerziell betrieben, klingen die Vorteile zwar sehr verlockend. Aber bevor eine solche Maschine aufgesetzt wird, sollte sehr genau geprüft werden, welche Systeme im Hintergrund eingesetzt werden. So setzt der deutsche Gesetzgeber doch sehr enge Grenzen in Hinblick auf die Verarbeitung personenbezogener Daten. Und dies betrifft gerade die Speicherung und Verarbeitung solcher Informationen im Ausland. Kurzum: Liegt die virtuelle Festplatte im Ausland, sollte auf den Einsatz als Produktivsystem verzichtet werden. Dies gilt natürlich nur für den Fall, dass Sie personenbezogene Informationen verarbeiten. Bei einem einfachen Internetauftritt, der lediglich informiert oder redaktionelle Inhalte anbietet, spielt dieser Gesichtspunkt keine Rolle.

Zu den größten technischen Nachteilen gehört ohne Zweifel die Abhängigkeit von großen Rechenzentren. So sind Störungen an der Infrastruktur von Amazon zwar selten, aber eben nicht ausgeschlossen, wie die vergangenen Monate immer mal wieder gezeigt haben. Hier gilt das gleiche wie auch im privaten Umfeld: Die Cloud ist praktisch und bequem, wenn sie funktioniert. Diese Abhängigkeit sollte vor dem Gang in die Cloud insbesondere vor dem Hintergrund der Datensicherheit genau betrachtet werden. Denn hier wird zwischen der dauerhaften Speicherung (Persistenz) bei Servern und seinen lokalen Daten unterschieden.

Kommt es im Host zu einem Problem, das die virtuelle Instanz des Servers stoppt, lässt sich der Server schnell wieder starten. Im schlimmsten Fall sind aber die lokal in der Instanz gespeicherten Informationen verloren. Hier hilft nur ein Blick in das Kleingedruckte der Bedingungen und der Zusicherung, was denn eigentlich im Zweifel gesichert wird.

Noch etwas gesucht: das Angebot

Derzeit springen Anbieter noch etwas zögerlich auf den Zug der virtuellen Cloud-Server auf. Entsprechend gesucht ist dabei auch das Angebot. Schon längere Zeit dabei ist Amazon, das im Rahmen seiner Web-Services mit der Elastic Compute Cloud (EC2) eine Infrastruktur als Service anbietet. Wer bereits bei Amazon Kunde ist, kann die dafür anfallenden Kosten direkt über den hinterlegten Zahlungsweg begleichen lassen.

Das Anlegen einer virtuellen Maschine erfolgt in der AWS-Konsole. Zwar sind alle Schritte gut dokumentiert, allerdings erfordert die richtige Zusammenstellung der Komponenten etwas Sachverstand. Der Service gibt sich an dieser Stelle selbst etwas spröde.

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Bitnami begleitet den Anwender vorbildlich durch die einzelnen Schritte der Einrichtung eines virtuellen Hosts.

Deutlich einfacher lässt sich ein Server mitsamt Applikationen über den Service von Bitnami einrichten, der zwar die gleiche Infrastruktur nutzt, dieser aber deutlich zugänglicher macht. Jiffybox ist das Cloud-Angebot des Hosters Domainfactory. Es gibt derzeit keinen anderen Service, der sich so schnell und leicht ausprobieren lässt. Die Angabe von Telefonnummer und E-Mail-Adresse genügt, um bereits fünf Minuten später den ersten Server aufsetzen zu können, der dann 24 Stunden kostenlos getestet werden kann.

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Das Backend von Jiffybox ist aufgeräumt. Interessant ist hier die integrierte Webkonsole, mit der sich alle Arbeiten an der Kommandozeile erledigen lassen.

Das grafische Backend gestattet die wichtigsten Konfigurationsarbeiten, wie etwa die nachträgliche Änderung der Linux-Partitionen. Wer aber Softwarepakete zum Laufen bekommen will, benötigt zumindest gute Basiskenntnisse, wie sich solche Arbeiten auf einer Root-Konsole erledigen lassen. Hier wäre sicherlich noch Potenzial für Verbesserung in Hinblick auf Einsteiger. Rackspace ist ein zumindest in den USA sehr populärer Hosting-Anbieter, der ebenfalls Cloud-Server unterhält. Hier gilt sinngemäß die gleiche Einschränkung wie bei der Jiffybox. Ist der Server eingerichtet, sind Kenntnisse über die Installation und Modifikation von Anwendungen notwendig.

Der Anbieter Cloudsigma stammt aus der Schweiz und unterhält dort auch eines seiner Rechenzentren. Das macht den Dienst genauso wie Jiffybox für alle Unternehmen interessant, die dem Bundesdatenschutzgesetz unterliegen und deswegen hinsichtlich der Speicherung personenbezogener Daten eingeschränkt sind. Genau wie bei Bitnami hat der Nutzer über ein grafisches Backend die Möglichkeit, aus einem Pool an Online-Anwendungen seine Wahl zu treffen und diese schnell und unkompliziert zu installieren.

Preise und Bedienbarkeit vergleichen

Wenn Sie sich für die Nutzung eines Cloud-Servers interessieren, sollten Sie die verschiedenen Preise mit dem sprichwörtlich spitzen Bleistift vergleichen. Welchen Grundpreis berechnet Ihnen der Anbieter? Welche Gebühr wird dann für die Nutzung des Angebots pro Stunde berechnet? Gehen Sie hier bei einem Produktivsystem von der 24 Stunden Nutzung aus und rechnen Sie sich die Kosten für einen Monat aus. Suchen Sie in den Angebotstexten nach einer Option, den Server einfrieren zu können. Damit bleiben Ihre Einstellungen erhalten, der Server verbraucht aber in diesem Sinne lediglich Speicherplatz beim Anbieter und sollte damit weniger kosten.

Praxis: Cloud Hosting als günstige Alternative

Insbesondere für die Softwareentwicklung ein interessanter Ansatz. Da die meisten Angebote auch die Möglichkeit einer Testphase oder eines Gratis-Accounts anbieten, machen Sie von dieser Option bei dem Service gebrauch, der Ihnen von den Kosten her zusagt. Denn schließlich wollen Sie Ihren neuen Server ja auch möglichst leicht bedienen können.

Beispiel aus der Praxis

Das Unternehmen Bitnami dürfte eher nur Spezialisten bekannt sein. Seit einigen Jahren veröffentlichen die Entwickler die so genannten Bitnami-Stacks, die es dem Nutzer erlauben, auf seinem Computer (Windows, Mac, Linux) eine Serverlösung lokal zu betreiben.

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Generell sollte bei der Installation des Betriebssystems Linux darauf geachtet werden, dass der Provider Versionen mit längerem Support anbietet, damit Sicherheitspatches für einen möglichst langen Zeitraum angeboten werden.

Ob Wordpress, Joomla, Magento oder Bugtracking-System -- mittels eines einfachen Setups werden alle notwendigen Komponenten auf dem lokalen System installiert und mit einem Mausklick gestartet. Binnen weniger Minuten steht so ein vollwertiger Webserver mit Anwendungen lokal zur Verfügung. Diesen Ansatz verlagert Bitnami nun mit seinem Angebot in die Cloud. Genutzt wird dabei die Infrastruktur von Amazons Elastic Cloud Computing. Für Entwickler sicherlich interessant ist das Angebot, eine sogenannte Mikro-Instanz kostenlos nutzen zu können. Hier sind sowohl der Speicherplatz als auch die zur Verfügung stehende Bandbreite limitiert. Für die Entwicklung von Applikationen oder zu Testzwecken dürfte dieser Server aber in den meisten Fällen ausreichen.

Um Bitnamis Angebot nutzen zu können, sind zwei Benutzerkonten erforderlich. Zum einen ein Zugang zu Amazons Web Services. Dieser ist notwendig, um die bezogenen Leistungen bei Amazon abrechnen zu können, und um die Verknüpfung zwischen Bitnami und dem Amazon Server herzustellen. Zum anderen ein Konto bei Bitnamis Cloud-Angebot selbst. Die gut dokumentierte Hilfe begleitet Sie durch die Schritte zur Einrichtung beider Accounts. Nachdem Sie sich bei Bitnami angemeldet haben, beginnen Sie unmittelbar mit einem Klick auf Create Server mit der Einrichtung der virtuellen Maschine. Alle wesentlichen Optionen sind unmittelbar auf einer Seite zusammengefasst.

Vergeben Sie einen Namen, der gleichzeitig als Prefix für die Domain dient. Soll ein öffentlicher Auftritt gehostet werden, müssen Sie in den Optionen bei Ihrem Zugangsprovider in den DNS-Einstellungen noch einen MX-Record einfügen, der auf den Bitnami-Server umleitet. Passen Sie unbedingt die Parameter unter Application Options an. Hier hinterlegen Sie Benutzernamen und Passwort, um sich in die Installation einzuloggen.

Für Anwendungen, die Mails versenden (wie Wikis oder Blogs), hinterlegen Sie dort auch die Informationen für den Mailversand. Unter Development Options lassen sich Module, die Sie benötigen, aktivieren. Etwa ein Wechsel von MySQL auf PostgreSQL. Mit einem Klick auf Add New Application öffnen Sie das Angebot an Webanwendungen, die Sie mit einem Mausklick installieren können. Dabei sind auch mehrere Installationen möglich.

Die Rubrik Server dient dem Feintuning der Serverumgebung. Dort ändern Sie etwa das installierte Betriebssystem oder weisen mehr Speicherplatz zu. Auf der rechten Seite des Bildschirms erhalten Sie eine Übersicht der Kosten, die von Amazon berechnet werden. Der Abschnitt Cloud erlaubt den Zugriff auf Optionen rund um die Amazon Cloud.

Dazu zählt die bevorzugte Server-Region beziehungsweise auch der Wechsel zwischen mehreren AWS-Konten. Mit einem Klick auf Build and Launch setzen Sie den Server auf. Dieser eigentliche Build-Vorgang kann ein paar Minuten dauern. Den Vorgang dürfen Sie aber direkt im Bitnami-Backend live verfolgen.

Fazit

Cloud-Server sind inzwischen eine interessante Alternative zu den klassischen Root-Servern vieler Provider, eignen sich aber nicht für jeden Einsatzzweck. Insbesondere die Nutzung als Produktivsystem erfordert etwas mehr Planung und eine Strategie hinsichtlich der Datensicherung, damit aus dem Umzug in die Cloud keine Nachteile erwachsen. Andererseits gibt es derzeit keinen schnelleren und zugleich preiswerten Weg, um sich einen eigenen Entwicklungs-Server zu leisten oder den Datenaustausch in einem Team umzusetzen.

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