Ratgeber: Cloud-Computing

Dropbox & Co.: Sieben Cloud-Dienste im Test

Neue Cloud-basierte Synchronisationsdienste versprechen den problemlosen Datenabgleich, doch nur die wenigsten können wirklich überzeugen. Wer hat im Test die Nase vorn?

Cloud-Dienste im Vergleich

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Cloud-Dienste im Vergleich

Seit einiger Zeit gibt es Konkurrenz zur Dropbox, und zwar einmal von Cloud-Speichern, die um ein Sync-Tool erweitert wurden wie Skydrive, Google Drive oder SafeSync

(ehemals Humyo). Diese ähneln der Dropbox, da sie als kleiner Dienst arbeiten und keine vollständige Anwendung installieren. Anders bei SugarSync, Wuala oder Teamdrive, bei denen es sich um Anwendungen mit leicht unterschiedlichen Ausrichtungen handelt. Die Datensynchronisation bildet aber eine der Kernfunktionen.

Im Test wollten wir feststellen, ob sich eines dieser Programme als Alternative zur Dropbox fest etablieren kann und ob es intelligente Neuansätze gibt. Das Fazit vorweg: Dropbox bleibt Testsieger, es ist in seinen Sync-Funktionen sehr durchdacht, sowohl was die im Hintergrund liegende Technik anbelangt als auch bei der Benutzerfreundlichkeit. In speziellen Anwendungsbereichen eigenen sich aber andere Dienste durchaus.

Testverfahren: Geschwindigkeit

Gemessen haben wir die Geschwindigkeit der Synchronisation mit 50 und 500 MByte großen Testdateien. Dabei ging es um den Upload vom Rechner in die Cloud und den Download von der Cloud auf einen zweiten Rechner. Der Wert Latenz gibt an, wie viele Minuten zwischen Ende des Uploads und Start des Downloads lagen. Bei 10 Minuten brachen wir das Warten ab, was nur bei SkyDrive der Fall war.

Download: Tabelle

Testverfahren: Änderungen

Geprüft haben wir ferner, ob die Dienste nur Änderungen hin und her schieben oder komplette Dateien. Dazu überschrieben wir in einer hoch verdichteten Datei (Truecypt-Container) mit dem Hex-Editor MX nur wenige Bytes. Der Upload durfte dann nur wenige Sekunden betragen. Es hat sich gezeigt, dass nur die Dropbox und SafeSync so vorgehen, alle anderen luden die kompletten 500 MByte noch einmal hoch. Gerade Anwender, die aus Sicherheitsgründen einen verschlüsselten TrueCrypt-Container synchronisieren, werden diese Funktion schätzen.

Testverfahren: Hash-Werte

Ferner interessierte uns, ob die Dienste mit Hash-Werten arbeiten und somit auch Änderungen an den Meta-Daten erkennen. Wenn der Anwender bei einem Bild zum Beispiel mit IrfanView oder Picasa Kommentare eingibt, so ändern die Programme das ursprüngliche Speicherdatum nicht. Nur SafeSync versagte bei diesem Test und synchronisierte die geänderten Daten nicht.

Für ein Backup von Fotos in die Cloud ist das fatal. Im Zusammenhang mit Hashwerten ist es ferner sinnvoll, wenn die Tools am PC schon einmal hochgeladene Dateien erkennen, selbst wenn sie einen anderen Namen haben. Das gelang im Test Dropbox, Wuala und SugerSync.

Testverfahren: Handhabung

Eine wichtige Funktion eines modernen Sync-Dienstes ist das Teilen mit anderen Anwendern, per Weblink und als Tauschordner mit befreundeten Nutzern desselben Dienstes. Schön ist es ferner, wenn sich mehrere Ordner syncen lassen. Viele Dienste heben inzwischen ältere Versionen von geänderten oder gelöschten Dateien auf.

Das dient wie ein Backup der Sicherheit, füllt aber auch das Freivolumen schneller. Deswegen sollte es hierfür eine Anzeige und eine Löschstrategie geben. Bei der Bedienung gefiel uns gut, wenn das Programm mit grünen Häkchen anzeigt, ob Dateien aktuell sind. Unverzichtbar ist ferner eine Verlaufsanzeige, die angibt, wie weit ein Down- oder Upload ist.

Der Testsieger: Dropbox 1.4.7

software, tools, cloud

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Die meisten Tools speichern ältere Versionen einer Datei, sodass der Anwender Änderungen wieder zurücksetzen kann.

Dropbox bietet die ausgereiftesten Sync-Funktionen, überträgt nur geänderte Datensplitter einer Datei, erkennt Änderungen über Hash-Werte und lädt gleiche Dateien, auch mit geändertem Namen, nicht zweimal durch die Cloud hindurch. Die Latenz geht gegen Null, was im Workflow zwischen mehreren Rechnern angenehm ist. Ein Limit der Dateigröße gibt es nicht, nur der Web-Upload ist auf 300-MByte-Dateien beschränkt.

Sehr gut hat uns die Bedienung gefallen: Ein Doppelklick auf das Logo in der Taskleiste öffnet den Sync-Ordner, grüne Häkchen zeigen den Aktualitätsstatus an und Dropbox ist mit wichtigen Funktionen im Kontext-Menü integriert. Über die Fortschrittsanzeige verfolgt der Anwender, wie viele MByte sich noch im Datentransfer befinden.

Sehr schön sind auch die Tauschfunktionen. Der Anwender gibt Ordner für andere Dropbox-Nutzer frei und auch diese Ordner halten sich zwischen den Anwendern synchron. Für Fremde gibt es einen Download-Link im Public-Ordner.

Das größte Manko ist die Geschwindigkeit, denn Dropbox zählt nicht zu den schnellsten Diensten. Außerdem fehlt die Möglichkeit, mehrere Ordner zu synchronisieren. Immerhin kann der Anwender einzelne Unterverzeichnisse im Dropbox-Ordner zum Abgleich auswählen. Die zwei GByte Download-Volumen sind zudem auch etwas knapp bemessen im Vergleich mit Konkurrenten.

Wuala PC 401

software, tools, cloud

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Mit dem Verlaufsbalken und dem blauen Statuslogo zeigt Wuala dem Anwender sehr deutlich, wie der Stand seiner Synchronisation ist.

Der Tausch-Dienst Wuala (sprich Voila) bietet seit einiger Zeit auch sehr ausgereifte Synchronisationsfunktionen. Der Anwender kann verschiedene Ordner über mehrere Rechner hinweg miteinander verknüpfen. Besonders ausgereift ist das Tauschen von Daten mit anderen Wuala-Nutzern und auch Fremden lässt sich ein öffentlicher Link zu Daten in der Cloud schicken. Bei Bedarf ist dieser über ein Passwort geschützt.

Wuala hat von Anbeginn ab ein starkes Sicherheitskonzept verfolgt, das Daten noch am PC stark verschlüsselt, bevor es sie in die Cloud schiebt. Die meisten anderen Programme, bis auf SafeSync und Teamdrive, schützen zwar die Verbindung selbst per SSL, verschlüsseln die Daten aber erst auf den Servern. So hat also die Firma selbst (und im schlimmsten Fall Hacker) Zugriff auf die Dateien.

Wuala ist insgesamt etwas langsamer und überträgt Dateien immer komplett, auch wenn sich nur einzelne Bytes geändert haben. Das Tool basiert auf Java, so dass ein Online-Zugriff nur möglich ist, wenn Java installiert ist. Die Bedienung erfolgt wie bei Dropbox, nur dass der Anwender nicht mit einem Sync-Ordner arbeitet, sondern mit der Anwendungsoberfläche, die allerdings ähnlich anmutet. Als Anwendung ist es insgesamt etwas schwerfälliger. Das Freivolumen beträgt 5 GByte, die Dateigröße ist auf 14 GByte beschränkt.

SafeSync 5

Der Sicherheitshersteller Trend Micro hat vor Monaten den Online-Speicher Humyo übernommen und daraus nun den sicheren Sync-Dienst SafeSync entwickelt.

Wenn eine Datei an zwei Orten geändert wird, so weiß das Programm nicht, welche der Anwender behalten will. Alle anderen Programme belassen deshalb beide Dateien und benennen sie um. Zweitens legt SafeSync keine Hashwerte an, sodass geänderte Tags in Bildern oder Musikdateien nicht zu einer neuen Synchronisation führen. Das kann bei privaten Backups fatale Folgen haben.

Positiv: Ebenso wie Wuala verschlüsselt das Tool am PC die Daten, bevor sie in die Cloud gehen. Und SafeSync ist sehr schnell: Beim 50-MByte-Download war es im Test sogar am schnellsten. Die Bedienung ist ähnlich gut wie die von der Dropbox, 2 GByte Freivolumen sind jedoch ebenso etwas knapp.

SugarSync 1.9.57

Die Anwendung SugarSync ist ein Zwischending zwischen Dropbox und Wuala. Einerseits dient sie nur dem Syncen, andererseits ist sie eine komplette Anwendung und daher etwas schwerfälliger in der Bedienung. Als Sync-Ordner ist der Magische Aktenkoffer voreingestellt, der sich auch unter den Favoriten im Windows-Explorer findet.

Es lassen sich weitere Ordner zufügen. Die Synchronisation erfolgt sauber, jedoch langsam: Bei der 500-MByte-Datei mussten wir fast eine halbe Stunde warten (im Gegensatz zu den 6 Minuten von Google). Das war umso ärgerlicher, da es keine Fortschrittsanzeige gibt. SugarSync überträgt auch keine Änderungen in Dateien, sondern diese immer als Ganzes. Bei Truecrypt-Volumen ist das ärgerlich. Kostenlos gibt es immerhin 5 GByte.

TeamDrive 2.4.161

Der Dienst TeamDrive ist, wie der Name schon sagt, auf den Einsatz in der Arbeitsgruppe ausgelegt. Hier bietet es die meisten Vorteile, als reines privates Sync-Tool ist es etwas sperrig. Um einen Datenabgleich zu starten, muss der Anwender zuvor einen Space anlegen, eine Arbeitsoberfläche. Es gibt keine Fortschrittsanzeige und auch keinen Zugriff auf die Daten über das Web.

Besonderheit: Die Anwender können den Tausch über den eigenen Webspace bei einem Provider mit WebDAV abwickeln. Deswegen ist der Online-Speicher bei TeamDrive immer auf 2 GByte begrenzt. Im kostenlosen Tarif gibt es noch eine Transfervolumengrenze von 20 GByte. Die Dateigröße ist ferner auf 4,5 GByte begrenzt.

Die Sicherheit ist bei Teamdrive vorbildlich: Es verschlüsselt die Daten wie bei Wuala und SafeSync am PC, bevor sie online gehen, und die Anwendung kann das Deutsche Datenschutzsiegel vom ULD Schleswig-Holstein vorweisen.

SkyDrive 16.4.3347

Der Online-Speicher von Microsoft bietet üppige 7 GByte Freivolumen, für Altkunden sind es sogar 25 GByte. Allerdings sollten Altkunden sich in nächster Zeit einmal einloggen, um sich de 25 GByte zu erhalten, denn das Upgrade funktioniert nur eine begrenzte Zeit. Als Sync-Dienst ist SkyDrive nicht sonderlich attraktiv, denn es fehlen wichtige Funktionen. So ist die Dateigröße auf 2 GByte limitiert, außerdem überträgt SkyDrive auch bei geringen Änderungen immer die volle Datei.

Schließlich fehlen Funktionen zur Synchronisation von mehreren Ordnern, das Speichern älterer Versionen und eine Integration ins Windows-Kontext-Menü. Sehr ärgerlich ist auch die Latenzzeit bei der Übertragung zwischen verschiedenen Rechnern: Nach 10 Minuten haben wir den Versuch (mehrfach) abgebrochen und SkyDrive neu gestartet. Dann erfolgte die Synchronisation sofort. Sehr schön sind hingegen die Bearbeitungsmöglichkeiten im Web, denn hier steht dem Anwender das Online-Office von Microsoft zur Verfügung, um Dokumente oder Tabellen zu bearbeiten und weiterzuleiten.

Google Drive 1.0.2975

Die Online-Festplatte von Google ist ein Neuling und eher wie eine Beta-Version zu betrachten. Zwei Dinge fallen aber positiv auf: Geschwindigkeit und Bearbeitungsmöglichkeiten im Web. Google Drive ist der Rennsieger. Die Übertragung von 500 GByte in 6 Minuten ist spitze. Und ähnlich wie bei SkyDrive bietet sich dem Anwender im Web das Google-Office an, um Dokumente und Tabellen zu betrachten und bearbeiten. Das Freivolumen beträgt manierliche 5 GByte, die Dateigröße ist hingegen auf 10 GByte limitiert.

Außerdem überträgt Google Drive keine Änderungen in Dateien, sondern diese komplett, was aber durch die hohe Geschwindigkeit insgesamt etwas wettgemacht wird. Am schlechtesten schneidet Google Drive bei der Bedienung ab. Ein Doppelklick auf das Logo in der Taskleiste öffnet nicht den Sync-Ordner, außerdem gibt es keine Symbole für den Aktualitätsstatus, keine Kontextmenüs und keine Fortschrittsanzeige. Somit erreicht Google nur zehn Prozent der Punkte und ist weit abgeschlagen.

Fazit

Wer einen simplen Dienst nur zum effektiven Synchronisieren von Daten zwischen verschiedenen Rechnern und Plattformen sucht, ist mit Testsieger Dropbox am besten beraten. An besten Daten schützen lassen sich mit SafeSync, Wuala oder TeamDrive. Die besten Tausch- und Community-Funktionen bietet Wuala, wobei auch die geteilten Ordner der Dropbox sehr clever sind. Google schlägt alle anderen nur in punkto Geschwindigkeit, bietet aber zusammen mit Microsofts SkyDrive immerhin die Möglichkeit, Office-Daten im Web zu bearbeiten - das ist zukunftsweisend.

Download: Tabelle

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