Behütete Geheimnisse

CI-Plus als Problem für den Videomarkt

  1. HD-plus- und Pay-TV-Recording
  2. CI-Plus als Problem für den Videomarkt
  3. Aufnehmen mit HD+Receivern

Problemfall CI-Plus

"Als hätte die Bezeichnung HD-Plus noch nicht für eine Verbrauchertäuschung gereicht, bekam auch noch das Common Interface ein ,Plus' mit in den Namen, obwohl es ein eindeutiges Minus verdient hat," sagt Michael Gundall, Referent für Telekommunikation & Medien bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

CI-Plus entwickelt sich derzeit zum Problem für den Videorekordermarkt. Der neue Standard für Entschlüsselungsmodule und Karteneinschübe wurde zwar von vielen Herstellern gemeinsam entwickelt, den Pay-TV-Anbietern und Plattformbetreibern ist er aber offenbar nicht sicher genug. Oder er bietet die falschen Funktionen.

Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei der Mediengruppe RTL, moniert etwa, dass CIPlus einen zu undifferenzierten Kopierschutz hat - man könne über die Module Aufnahmen nur pauschal erlauben oder verbieten.

"Unser Ansatz ist ein anderer", sagt er: "Wir lassen Aufzeichnungen unserer HD-Programme dann zu, wenn bei der zeitversetzten Wiedergabe Werbung, mit der wir unsere Inhalte finanzieren, nicht umgangen werden kann". Und eben das sei via CI-Plus nicht drin.

Drin ist CI-Plus aber in immer mehr hochwertigen Aufnahmegeräten wie in Panasonics Blu-ray-HDTV-Rekordern, in HD-tauglichen Flat-TVs mit Festplatte von Loewe und in vielen neuen Set-Top-Boxen mit Festplatte. Die Hauptfunktion dieser Geräte - HDTV-Sender aufnehmen - fehlt aber für die per CI-Plus-Modul entschlüsselten Sender.

Der Markt hilft sich selbst

So verkümmert etwa das knapp 1.000 Euro teure Flaggschiff unter den HDTV-Rekordern - der DMR-BST800 von Panasonic - vom digitalen Schweizer Taschenmesser aus der Werbung des Herstellers zur besseren Zapping-Box, wenn man auf ihm RTL HD via CI-Plus-Modul anschaut. Doch niemand kauft ein Gerät dieser Klasse, um nur die öffentlich-rechtlichen HDTV-Sender mitzuschneiden.

Lösungen für das Problem gibt es im Internet zuhauf: CA-Module, die alle Smartcards und Verschlüsselungssprachen kennen und jedes Programm in CI- und CI-Plus-Geräten freischalten.

Ganze Forengruppen tauschen sich dort kryptisch über die neuesten "Erhellungen" mit diesem oder jenem programmierbaren Modul aus. Der Laie staunt und klickt weiter, denn Kartenleser, um Sky oder die privaten HDTV-Sender inklusive ungehinderter Aufnahme freizuschalten, gibt es auch beim Fachhändler um die Ecke.

In mehreren Geschäften fragten wir nach - und bekamen immer wieder das Unicam-Modul angeboten, das in einer Vorführung im Handel gut mit unseren HD-Plus- und Sky-Karten funktionierte. Auch dieses Kartenlesermodul lässt sich programmieren - etwa mit inoffiziellen Versionen der Systeme Nagravision (HD-Plus) und NDS (Sky).

Das Unicam-Modul gilt unter Insidern als besonders vielseitig, da es alle in Deutschland gängigen Systeme in einem Gerät kombiniert. Mit einer Software entschlüssele es, so ein Händler, die Sender von HD-Plus und Sky via Satellit, letztere auch in allen gängigen Kabelnetzen.

Voraussetzung: Die HD-Plus-, Sky- oder Kabel-Smartcard muss freigeschaltet und bezahlt sein. Der Händler verkauft das Modul offiziell gegen Rechnung. Legal ist der Betrieb solcher Module mit der universellen Entschlüsselungs-Software aber nicht.

Verbraucherschützer Michael Gundall etwa möchte sich nicht zum Einsatz solcher Module äußern und verweist auf das Urheberrechtsgesetz, das die Umgehung von Schutzmaßnahmen gegen Raubkopien unter Strafe stellt.

Aber: Wird mit dem Modul das Urheberrecht tatsächlich verletzt? Es umgeht zwar einen Schutz, aber die Programme, für die der Kunde bezahlt hat, lassen sich ja mit anderen Geräten legal und unbeschränkt aufzeichnen. Bei Sky klappt das sogar in HDTV-Auflösung, im Fall der privaten TV-Sender lassen sich die SD-Kanäle beliebig aufzeichnen und weiterkopieren. Die Frage bleibt ungeklärt.

Gundall gibt andererseits zu bedenken, dass die Sperre der Vorspulfunktion in HD-Plus-Receivern eine "Kardinalfunktion von HD-Rekordern" blockiere - und damit rechtlich kritisch zu sehen sei. Folgt man seiner Argumentation, dann wäre die komplette Sperre der Aufzeichnung, wie sie mit offiziellen Modulen in CI-Plus-Geräten betrieben wird, erst recht bedenklich.

HD-Plus und die angeschlossenen Funkhäuser sind in ihrer Einschätzung zu Unicam & Co. kompromisslos: "Laut Zugangskontrolldiensteschutz-Gesetz - kurz: ZKDSG - ist die Nutzung eines Unicam-Moduls in Verbindung mit einer Umgehungs-Software eine Ordnungswidrigkeit", die bis zu 50.000 Euro Bußgeld koste, sagt HDPlus-Pressesprecher Dirk Heerdegen.

Der Vertrieb der Modul-Software könne sogar Freiheitsstrafen nach sich ziehen, so Heerdegen. Andre Prahl sagt, man strebe auf jeden Fall an, dass die Karten, die in solchen Modulen betrieben werden, ausnahmslos gesperrt werden.

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