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Rückblick

CES 2017: QLED vs. OLED, MPEG-H vs Atmos und mehr

Wir blicken zurück auf die CES 2017. Zu den Highlights gehörten Dolby Vision und Dolby Atmos, neue OLED- und QLED-TVs und einiges mehr.

  1. CES 2017: QLED vs. OLED, MPEG-H vs Atmos und mehr
  2. CES 2017 Rückblick: Dolby, DTS und MPEG-H
Samsung QLED Technik

© WEKA Media Publishing GmbH / Andreas Stumptner

Mit der QLED-Technik will Samsung LG Marktanteile abknöpfen.

Evolution statt Revolution, lautete die große Überschrift für die großen globalen Herstellermarken, die ihre neuen Fernseher, Heimkino- und Klanglösungen gleich nach dem Jahreswechsel auf der CES 2017 in Las Vegas vorstellten. In der Wüste von Nevada wurden zwar keine völlig neuen Technologien präsentiert, dafür aber äußerst spannende und hochkarätige Weiterentwicklungen.​

Die gute Nachricht: Im Vordergrund stand und steht zunächst die weitere Verbesserung der Bildqualität, vor allem mithilfe des erhöhten Farb- und Kontrastumfangs High Dynamic Range (HDR). Das mittlerweile in allen HDR-fähigen Fernsehern eingesetzte Verfahren HDR 10 bekommt Konkurrenz. Der Haken: Mit mehreren, parallel existierenden Formaten lässt sich bekanntermaßen auch eine wachsende Verwirrung bei Händlern und Käufern selten vermeiden.​

Doch der Reihe nach: Auf den Plan trat in Las Vegas vor allem Dolby Vision, das künftig von mehreren Herstellern eingesetzt wird. Worin liegt der Unterschied zu HDR 10​? Kurz und knapp: Das von Dolby entwickelte Verfahren arbeitet mit 12 Bit Farbtiefe statt der namensgebenden 10 Bit von HDR 10. Beide Verfahren nutzen die neue Gammakurve PQ-EOTF, doch Dolby arbeitet mit rückwärtskompatiblen Filmdaten und einem HDR-Zusatzlayer. HDR 10 ist fester Bestandteil der Ultra-HD Blu-ray​, die vor einem Jahr in Vegas Premiere feierte, DolbyVision optional.​

Erfolg für Dolby 

Der größte Vorteil für Dolby Vision: Es lässt sich in der Bildbearbeitung eines Films von Szene zu Szene anpassen, weshalb es auch als dynamisches HDR bezeichnet wird, während bei HDR 10 nur eine statische Einstellung möglich ist. Letzteres führt etwa dazu, dass manche Szenen trotz hoher Dynamik zu dunkel oder farblos daher kommen. Auch TV-Weltmarktführer Samsung will ein dynamisches HDR an den Start bringen, allerdings geht es hier um eine ganz eigene Lösung. Doch wer bringt nun Geräte mit Dolby​ Vision auf den Markt? LG Electronics hatte schon im Vorjahr seine OLED-Fernseher sowie Linien der LCD-basierten Super-UHD-TVs mit „erweiterten“ HDR namens Dolby Vision ausgestattet. 

Inhalte gab es damals nur wenige. Doch das soll sich bald ändern: Die Hollywoodstudios Warner Bros, Universal Pictures und Lionsgate verkündeten in Las Vegas, 2017 erste Ultra-HD Blu-rays mit Dolby Vision veröffentlichen zu wollen. Der Schatz an DV-fähigen Titeln aus der Kinoauswertung sei bereits riesig, er müsse nun lediglich gehoben werden. Auch der Streamingdienst Netflix, der bereits 2016 erste Serienstaffeln In Dolby Vision ins Netz stellte, will in den nächsten Monaten daran anknüpfen​.

Daher halten nicht nur die Koreaner von LG bei ihrer 2017er-Range an Dolby Vision fest. Sowohl das Flaggschiff, der tapetenflache OLED-TV W7, alle weiteren OLEDs​ der 7er-Serie als auch die neuen Super-UHDs haben das dynamische HDR-Verfahren intus. Und auch Sony, die in Las Vegas mit der A1-Reihe unter großem Applaus ebenfalls erste OLED-Geräte zeigten, sind ab sofort auf Dolby-Vision-Kurs. Sowohl die OLED-TVs der Japaner als auch die neuen LCD-basierten 4K-HDR-Modelle namens XE93 und XE94 unterstützen das Format. Der chinesische Anbieter TCL verkündete im Rahmen der Vegas-Show, dass auch seine TV-Produkte der Reihen C und P über Dolby Vision verfügen werden. Und last but not least werden die 4K-UHD-Fernseher von Philips mit Dolby Vision ausgestattet. Doch Vorsicht: Letzteres gilt nur für die USA.

LG W7 Wallpaper OLED Fernseher

© WEKA Media Publishing GmbH / Andreas Stumptner

Der größte Eye-Catcher der CES: der W7 Wallpaper-OLED-Fernseher von LG.

Dort wird die Marke „Philips“ von Funai produziert und hat nichts mit den Philips-Geräten zu tun, die es in Europa zu kaufen gibt. Diese werden von TP Vision hergestellt. Und von dort gab es bislang keine Signale​ in Richtung Dolby Vision. Letzteres gilt übrigens auf für Ultra-HD Blu-ray-Player. In den USA gab es schon 2016 ein Philips-Gerät, nun wird es ein weiteres geben, den BDP7502 4K, der ein Software-Update im Lauf des Jahres Dolby Vision implementieren wird. Eine Aussage, die wir bereits von Oppo kennen, die ihren seit Dezember im Markt befindlichen UHD-Spieler UDP-203 ebenfalls in Kürze nachrüsten wollen. So auch LG. Die Koreaner zauberten noch während der Messetage in Las Vegas ein eigenes Mock-Up eines UHD-Players auf den Messestand und kündigten den Release des UP970 für das laufende Jahr an sowie auch das besagte DV-Softwareupdate. Sony ließ sich an dieser Stelle nicht auf eine Zusage ein. Für den UBP-X800, ihren UHD-Erstling, der im Frühjahr für 400 Euro auf den Markt kommen soll, ließen die Japaner bisher keine Dolby-Vision-Unterstützung verlautbaren.​

Gleiches gilt übrigens für die japanischen Kollegen von Panasonic. Der UHD-Pionier, der für 2017 auf der CES mit den Modellen UB300 und UB400 zwei weitere Einsteigermodelle zeigte, bleibt ebenso DV-frei, auch bei seinen neuen Fernsehern. Und was macht Samsung? Die großen Koreaner werden sich ebenfalls weiterhin der Zahlung von Lizenzgebühren an Dolby verweigern und lieber ihr eigenentwickeltes, dynamisches HDR in den neuen Ultra-HD-Player, den M9500 integrieren.​

QLED statt SUHD 

Doch zurück zu den Fernsehern, zur Königsklasse der Technik. Mit Spannung war erwartet worden, wie Samsung in Las Vegas der schon seit der IFA 2016 stark gewachsenen Aufmerksamkeit für die OLED-Technologie Herr würde. Samsung will nach wie vor keinen eigenen OLED-Fernseher auf den Markt bringen und hatte es auf der CES nicht leicht, zumal auch die Kritik am Umgang mit dem Galaxy-Note-7-Desaster im letzten Jahr längst nicht verklungen war. So übten sich die ansonsten erfolgsverwöhnten Koreaner in Las Vegas in erster Linie in der Kunst des eleganten Weglassens. Es gab keine relevanten neuen Galaxy-gebrandeten Produkte zu bestaunen, geschweige denn, dass der Name am Stand eine Rolle spielte.

Samsung QLED Technik

© WEKA Media Publishing GmbH / Andreas Stumptner

Großes Q, neues Glück: Mit der QLED-Technik will Samsung über OLED triumphieren.

Ihr großes TV-Marketingschlagwort der letzten Jahre, SUHD, war ebenso aus dem Samsung-Wortschatz verschwunden. Und das andernorts auf der Messe vielzitierte Dolby Vision tauchte, wie schon erwähnt, beim Samsung-Auftritt erst gar nicht auf. Dafür stand bei den Asiaten in diesem Jahr vielmehr der Buchstabe Q im Mittelpunkt, und damit der neue geschaffene Begriff Q-LED. Während das „S“ in SUHD nie jemand so recht definieren konnte, war in diesem Fall zumindest schnell klar, wofür das Q stehen soll: Nanopartikel namens Quantum Dots sollen ein LCD-Panel so hell und bunt zum Leuchten bringen, dass es jegliche OLED-Farbspektakel vergessen macht. Ob und wie gut dies mit den neuen 2017er-Modellen von Samsung funktionieren wird, wird sich in Kürze im video-Testlabor zeigen. 

Als Spitzenluminanz kündigte Samsung bis zu 2000 Nits an. Immerhin schon eine echte Ansage. Dazu setzt der Branchengigant nebst innovativem Design einmal mehr auf eine verbesserte Benutzerfreundlichkeit. Der SmartHub, also die vernetzte Smart-TV-Plattform, wurde weiter verbessert und lässt sich künftig stärker personalisieren. Ein neues Feature wird dabei der Premiumdienst „TV Plus“ sein, ein werbebasiertes Video-on-Demand-Angebot (AVOD), das Samsung für den deutschen Markt gemeinsam mit der Funke-Mediengruppe launchen will. Und die SmartView-Fernbedienungsapp für die 17er-Modelle soll alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen.

Das OLED-Momentum 

Soviel Vorfreude die ausgestellten Samsung-TVs bei vielen Experten auch auslösen mochten: Das Momentum lag auf der CES 2017 zweifelsohne einmal mehr bei OLED. In Sachen Verkaufszahlen ist die Technologie LCD zwar bisweilen gnadenlos unterlegen. Auch in der Produktion ist OLED nach wie vor deutlich kostspieliger. Doch die Möglichkeiten, die OLED gemeinsam mit 4K UHD und HDR in puncto Farbtiefe, Schwärze und Kontrastreichtum zu liefern vermag, begeistert die Fachwelt nachhaltig. Und ganz wichtig: Seit der IFA letzten Jahres ist LG nicht mehr einziger Verfechter der organischen Leuchtdioden. Damals stießen mit Loewe, Metz, oder Philips noch vor allem regionale, europäische TV-Marken dazu. Doch mit Sonys Premiere und Panasonics zweitem Aufschlag in Las Vegas bekam die globale OLED-Front einen wichtigen neuen Schub. Die Panels liefert freilich einzig und allein LG Display, eine Schwesterfirma von TV-Hersteller LG Electronics. Doch was im kompletten TV-Setup daraus wird, ist jedem Hersteller selbst überlassen.

Panasonic EZ1000 OLED

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Panasonic setzt mit EZ1000 OLED-Flagsschiff einmal mehr auf beste Prozessor-Performance.

Panasonic dürfte mit dem EZ1000 sein Stammpublikum wieder mehr als zufriedenstellen. In dem 4K-TV steckt der HCX2 Studio Colour Prozessor, der nach eigenen Aussagen bislang beste Videoprozessor des Herstellers. Und er hat schon jetzt wieder sein „Ultra HD Premium“-Label sicher, da er alle Qualitätsmerkmale des Standards erfüllt. Er unterstützt das neue Hybrid Log Gamma HDR Format und ist damit schon kompatibel zu der neuen Generation an HDR-TV-Programmen, die 2017 starten sollen. Die Japaner halten indes an ihrer Strategie der letzten Jahre fest und arbeiten eng mit Hollywood zusammen, um - wie sie betonen - dem Bild am nächsten zu kommen, das die Regisseure und Filmemacher wirklich zeigen wollten. Bei der Enthüllung des neuen Flaggschiff-TVs war daher Hollywood-Kolorist Dado Valentic​ vor Ort. Er kolorierte etwa Blockbuster wie „Sherlock Holmes“ und „Total Recall“ oder zuletzt die zweite Staffel der Netflix-Serie „Marco Polo“. Dado erklärte, der EZ1000 sei der erste große TV, den er bei seiner Arbeit als Studiomonitor einsetzen könne.

Auf solch prominente Unterstützung musste Sony zwar verzichten. Dafür sorgte der Panasonic-Konkurrent mit seinem OLED A1 nicht nur aus Designgründen für einen besonderen Hingucker: das brandneue sogenannte Acoustic Surface. Zu Deutsch: Der Ton kommt bei diesem Fernseher direkt aus dem Display. Auf der Rückseite sind die Lautsprecher installiert und beschallen so direkt an der Stelle, an der der Ton vom Zuschauer erwartet wird. Ein durchaus beeindruckendes Erlebnis, wie wir in der ersten Vorführung hinter verschlossenen Türen feststellen durften.

Beweisen muss das Gerät in unserem Testlabor, welche Auswirkungen die Vibrationen des Tons auf das Display haben werden. Die Technik wurde von LG Display entwickelt. Sony griff als erster OLED-Hersteller zu. LG Electronics hingegen verzichtete auf das Acoustic Surface, hatte dafür aber seinerseits eines der TV-Highlights schlechthin mit nach Las Vegas gebracht: den 65W7, den ersten sogenannten Wallpaper-TV, also einen tapetenflachen Fernseher, der sich per Magnet an der Wand befestigen lässt. Superschlank edel und direkt im Kombipaket mit integrierter Dolby-Atmos-Soundbar. Mit einem Preis von 8000 US-Dollar (der Europreis steht noch nicht fest) eher High-End, aber damit auch das neue Aushängeschild für die LG Signature Collection.

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