CeBIT-Trends

ERP im dynamischen Wandel

Als Begleiter des rasanten technologischen Fortschritts sind auch ERP-Systeme einem dynamischen Wandel unterworfen.

Cloud,Big Data,CeBIT

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Cloud,Big Data,CeBIT

Monolithische Software wird ersetzt durch flexibel einsetzbare Business-Lösungen, die den Anforderungen der modernen Geschäftswelt gerecht werden. Mobilität, Big Data, Social Media und Cloud Computing dürfen auch fürs ERP-System keine Fremdworte mehr sein.

Die Anforderungen an die Business-IT im Allgemeinen und ERPLösungen im Speziellen steigen enorm. Die Gründe sind vielfältig: Die Innovationszyklen werden kürzer, die Flexibilisierung der handelnden Akteure steigt ebenso wie die Individualisierung der Angebote. ERP-Systeme müssen komplexer werdende Prozesse kontrollieren, die vorhandenen Ressourcen für den betrieblichen Ablauf möglichst effizient einsetzen und die Steuerung von Geschäftsprozessen optimieren.

Michael Mors

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Der Aurot: Michael Mors, Managing Director bei der UNIT4 Business Software GmbH

Gleichzeitig soll das ERP-System auch dem Anspruch der Mitarbeiter an das Handling gerecht werden. Die großen IT-Trends der letzten Jahre hatten häufig den Endanwender im Fokus, was dessen Erwartungen an die Bereitstellung von IT im Unternehmen spürbar geprägt hat. Schon 2013 war von einer Phase des Umbruchs geprägt und 2014 werden die viel diskutierten SMAC-Themen (Social, Mobility, Analytics und Cloud) in der ERP-Welt für viel Dynamik sorgen. Vor diesem Hintergrund kristallisieren sich sechs wesentliche ERP-Trends heraus, die im Folgenden vorgestellt werden.

Die Cloud krempelt den Markt um

Cloud Computing hat sich inzwischen vom Hype-Thema zum ernst zu nehmenden Business-Modell gemausert. Der Anteil der deutschen Unternehmen, die Cloud Computing nutzen oder planen, hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Aus dem aktuellen Cloud-Monitor von Bitkom geht hervor, dass bereits zwei Drittel der deutschen Unternehmen Cloud-Computing-Lösungen im Einsatz haben oder dies planen.

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Und auch in diesem Jahr werden Cloud-basierte Technologien weiter an Fahrt gewinnen. Dennoch: Nicht alle Unternehmer sind von Cloud Computing überzeugt. Vor allem Public-Cloud-Modellen stehen viele Firmen noch immer kritisch gegenüber.

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Für ERP-Anbieter ist es entscheidend, ihre Lösung sowohl in der Private als auch in der Public Cloud anzubieten und den kombinierten Einsatz von Cloud- und On-Premise-Lösungen so-D wie den Weg zurück aus der Cloud zu ermöglichen. Mit dieser Wahlfreiheit können Unternehmen individuell festlegen, wo und wie sie ihre Daten speichern wollen.

Spezialisierte Anbiete auf dem Vormarsch

Bei der Auswahl eines ERP-Systems spielen nicht nur der Funktionsumfang oder die Kosten der Software eine große Rolle. Gerade in Branchen mit hohem Veränderungspotenzial brauchen die Mitarbeiter jederzeit leistungsfähige Software und das Management erwartet entsprechendes Branchen-Know-how.

Vom ERP-Anbieter werden also heute nicht mehr nur die Bereitstellung und das Funktionieren der Software vorausgesetzt, sondern ein partnerschaftliches Verhältnis und eine kontinuierliche Unterstützung bei der Optimierung branchenspezifischer Geschäftsprozesse.

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Eval-Source zeigt, dass lange bewährte ERP-Anbieter diesen heutigen Anforderungen oft nicht mehr genügen. Jahrelang haben wenige Global Player mit Allround-Lösungen die Branche beherrscht. Künftig werden Unternehmen auf moderne Systeme setzen, die sich schnell und ohne komplexe Code-Änderungen an veränderte Marktsituationen anpassen lassen, und sich so von veralteten Systemen verabschieden.

Flexibler Standard ist gefragt

Viele IT-Systeme sind bereits seit zwanzig Jahren und mehr im Einsatz. Sie wurden zwar schrittweise erweitert, doch funktionell können die alten Lösungen die Anforderungen komplexer und gleichzeitig agiler Organisationen nicht mehr erfüllen. Über die Jahre ist ein Flickenteppich entstanden und das Problem eskaliert spätestens dann, wenn der Anbieter-Support für das jeweilige Produkt ausläuft.

Für viele Unternehmen wird es also höchste Zeit, ihr vorhandenes System durch ein modernes zu ersetzen. Bei der Auswahl eines ERP-Systems vertrauen Unternehmen zunehmend auf kostengünstige Standardlösungen. Insbesondere in Shared-Service-Umgebungen, die unterschiedliche Anforderungen diverser Interessengruppen abbilden müssen, sind standardisierte Systeme gefragt.

Wichtig wird sein, dass Anpassungen keinen großen Aufwand verursachen und durch einfache Änderungen vorgenommen werden können. Unternehmen setzen zudem auf umfassende Lösungen, die Vorteile hinsichtlich Effizienz und Stabilität bringen, da der zum Teil erhebliche Aufwand für die Einrichtung der Schnittstellen und Datenübernahmen entfällt.

Flexibilität bedeutet für Unternehmen auch Selbstbestimmung in Bezug darauf, was genau sie von einem ERPProdukt nutzen wollen. Anstelle riesiger Upgrades, die unerwünschte Extrakosten mit sich bringen und Betriebsunterbrechungen verursachen, werden "Experience Packs" immer gefragter.

Diese geben den Kunden die Freiheit, selbst zu entscheiden, welchen Teil eines Produkt-Upgrades sie tatsächlich in Anspruch nehmen wollen. Das führt zu geringeren Risiken und Kosten und ermöglicht den Kunden, einen maximalen Nutzen aus ihrer Investition zu ziehen.

All-in-One - Analyse inklusive

Der Big-Data-Begriff vernebelt eine Diskussion, deren Kern längst real ist: Die tägliche Verarbeitung von Terabytes an Daten gehört heute zum Alltag von Unternehmen. Sie müssen sich deshalb umorientieren: Statt sich auf das Beschaffen von Daten zu fokussieren, richten Unternehmensverantwortliche ihr Augenmerk immer stärker auf dieintelligente Vorhaltung und den Versuch der gezielten Verarbeitung und Analyse.

Da aber meist weder die Ressourcen verfügbar noch geeignete Verfahren zur Analyse etabliert sind, stehen viele Firmen vor der Frage, wie sie vorhandene Systeme nutzen können, um große Datenmengen wirklich sinnvoll auszuwerten. Sie entscheiden sich zunehmend dafür, Business-Intelligencebeziehungsweise Business-Analytics-Funktionen in ihr ERP-System zu integrieren.

Denn mit Lösungen, die große Datenmengen und -quellen in einer integrierten Form nutzen, verarbeiten und analysieren können, erhalten Unternehmen schneller detaillierte Informationen und können in Echtzeit bessere Entscheidungen treffen. Ein Ende der leidigen Diskussion um Schnittstellen zwischen ERP und BI ist damit auch absehbar.

ERP macht mobil

Mobility ist eines der wenigen Themen, das in der Liste der großen ITTrends den Hype um Big Data noch überholt hat. Die Analysten von IDC gehen davon aus, dass das Smartphone in den kommenden Jahren den PC als wichtigstes Gerät für den Internetzugang ablösen wird. Diese Entwicklung wird unser Arbeitsleben enorm beeinflussen.

Die sogenannten Digital Natives - die heutigen Berufseinsteiger und Arbeitnehmervon morgen - sind von klein auf mit Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen und sind es gewohnt, jederzeit mit Freunden und Kollegen im Kontakt zu sein - egal, wo sie gerade sind. Ein fester Arbeitsplatz mit einem Rechner und einem Festnetzanschluss passt nicht zu deren Weltbild. Sie wollen flexibel und ortsunabhängig arbeiten - im Home-Office, im Zug, im Wartezimmer beim Arzt oder am Flughafen.

Das Arbeitsleben verliert damit immer mehr an Starrheit, Prozesse werden flexibler und somit Entscheidungen auch unterwegs getroffen. Das Post-PCZeitalter hat längst begonnen und die Zeiten sind vorbei, in denen die Unternehmens-IT in erster Linie Desktop-PCs bereitstellen musste.

Mobiles ERP auf dem Vormarsch

Mit diesem Wandel wachsen auch die Anforderungen an die ERP-Systeme. Wenn der Geschäftsführer beispielsweise auf Reisen ist und strategisch wichtige Entscheidungen treffen will, muss er in Echtzeit auf die Business-Software zugreifen können. Moderne ERP-Systeme fungieren auch als zentraler Datenspeicher. Operative Prozesse lassen sichso komplett über mobile Endgeräte analysieren und abwickeln.

Gleichzeitig reduzieren Unternehmen die Gesamtkosten für die technische Verwaltung. So ist eine konsistente Sicht auf die Unternehmensdaten vorhanden und das Management hat jederzeit Zugriff auf aggregierte Reports. Inzwischen haben einige Anbieter von ERP-Lösungen diesen Wandel erkannt, passen ihre Technologien dem mobilen Alltag an und bieten Applikationen, die dem Display mobiler Geräte entsprechen.

Follow - Share - Act: ERP wird sozial

Anfangs hat man Social-Collaboration-Tools in der Business-Welt wenig Seriosität zugesprochen. Inzwischen hat sich das Social Business etabliert und auch moderne ERP-Systeme müssen für die schnellen, agilen Arbeitsweisen im "sozialen Zeitalter" und die veränderten Anwendererfahrungen zugeschnitten sein.

Ratgeber: ERP: Der Mensch im Mittelpunkt

ERP-Anbieter erkennen zunehmend das Potenzial engagierter Communities zur Vernetzung von Projektteams, Arbeitsgruppen und grenzüberschreitenden Communities - bestehend aus Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Partnern. Mitarbeiter wünschen sich eine intuitive Benutzeroberfläche, die die Navigation und die Kommunikation einfachermacht. Das Zusammenspiel von sozialen Netzwerken, Werkzeugen und Anwendungen, das durch eine moderne Oberfläche forciert werden kann, verändert das individuelle Arbeitsverhalten und setzt einzelne Arbeitsschritte in einen größeren Kontext.

Fazit

Moderne ERP-Lösungen sind ein stetiger Begleiter des technologischen Fortschritts, der sich durch all unsere Lebensbereiche zieht. Alte Systeme reichen oft nicht mehr aus, um am Markt bestehen zu können. Mobility, Big Data und Cloud Computing haben Unternehmensprozesse und die Art und Weise, wie wir arbeiten, längst revolutioniert. Intelligente, schnelle und agile ERP-Systeme werden für den unternehmerischen Erfolg deshalb immer wichtiger.

Um den Anforderungen der modernen Geschäftswelt gerecht zu werden, müssen Unternehmen deshalb jetzt den Wandel von monolithischen ERP-Lösungen zu modernen Werkzeugen vollziehen. Denn entwickelt sich das ERP-System nicht entsprechend mit, kann das Potenzial des Fortschritts auch nicht ausgereizt werden.

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