SLR-Kamera

Canon EOS 7D MkII in der Praxis

Wir durchleuchten die Funktionalität der Canon EOS 7D Mark II. und helfen Ihnen, die Bedienung und Bildqualität zu optimieren.

Canon EOS 7D MkII

© Canon

Canon EOS 7D MkII

Aktuelle Systemkameras bieten Funktionen und Einstellmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Aber haben Sie sich schon mal die Mühe gemacht, das Bedienhandbuch Ihrer Kamera von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen? Die meisten Kamerahersteller bieten neben einer gedruckten Bedienungsanleitung in Kurzform eine ausführliche als PDF, die man meistens erst dann zu Rate zieht, wenn die Kamera nicht tut, was sie soll.

Eigentlich schade, denn so manche hilfreiche Funktion oder Einstellung bleibt dabei unentdeckt und ungenutzt. Mit dieser Serie zu ausgewählten Kameramodellen werden wir das ändern. Außerdem liefert nicht jede Kamera in der Basiseinstellung das mögliche Optimum an Bildqualität - die Canon EOS 7D Mark II ist dafür ein gutes Beispiel.

Warum Tests mit JPEGs?

Testergebnisse müssen vergleichbar sein. Aus diesem Grund basieren die standardisierten Kameratests bei ColorFoto auf JPEGs, wie sie bei Werkseinstellung direkt aus der Kamera kommen. Verarbeitet man dagegen RAW-Dateien aus der Kamera extern in einem RAW-Konverter, hängt die tatsächlich erreichbare Bildqualität von den individuellen Einstellungen, zum Teil auch von der Wahl des RAW-Konverters ab. Der Qualitätsvergleich zwischen verschiedenen Modellen wird damit schwierig. So ließen bisherige RAW-Tests etwa die Tendenz erkennen, dass Fujifilm-Kameras mit X-Trans-Sensor nicht ohne Weiteres mit Standard-RAW-Konvertern wie Adobe Lightroom harmonieren.

Kontrast- Reihe

© Karl Stechl

Die Bildreihe zeigt den Einfluss der Kontrasteinstellung auf die Feinzeichnung. Ausgangspunkt ist wieder der Bildstil "Standard", Bild 1. Nimmt man den Kontrast zurück, verbessert sich kurioserweise die Feinzeichnung. Bild 2: Kontrast -2 Stufen; Bild 3: Kontrast -4 Stufen (Bild insgesamt zu weich).

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass der Hersteller die kamerainterne Bildverarbeitung so abgleicht, dass ein optimales JPEG das Ergebnis ist. Bei der Definition dieses Optimums gibt es aber offenbar Interpretationsspielraum. In den letzten Jahren zeigt die Bildverarbeitung vieler Kameras einen Trend zu überzogenen Kontrasten und überschärften Kanten, zu einer betont knackigen und weniger "ehrlichen" Wiedergabe.

Auch die EOS 7D MkII gehört in diese Kategorie, wobei als zusätzliches Charakteristikum die ungewöhnliche Breite der Kurvenspitzen in der Kantenprofil-Grafik auffällt. Das ist wohl der Grund dafür, dass die Canon trotz 20 Megapixel Nennauflösung vergleichsweise bescheidene Laborwerte für die Grenzauflösung von maximal 1600 LP/BH erreicht. Mit dieser Erkenntnis muss man sich aber nicht zufriedengeben.

Bildstile und Parameter

Die Suche nach dem potenziellen Maximum an Bildqualität beginnt im Aufnahmemenü bei den Bildstilen und zugehörigen Parametern (Schärfe, Kontrast, Farbsättigung, Farbton). Dabei stellt man fest, dass der Parameter "Schärfe" in den Voreinstellungen variiert. Bei "Auto" und "Standard" ist die Schärfe ab Werk auf Stufe 3 eingestellt, bei "Porträt" auf 2 reduziert, bei "Landschaft" auf 4 angehoben.

Bildstile

© Karl Stechl

Den verschiedenen Bildstilen der EOS liegen unterschiedliche Einstellungen der Schärfung zugrunde 1. Bild 3 wurde mit Bildstil "Standard" aufgenommen; die Schärfe ist ab Werk auf Stufe 3 eingestellt 2; die Feinzeichnung entspricht nicht unbedingt dem, was man von einer 20-Megapixel-Kamera bei ISO 100 erwarten würde. Bild 5 wurde mit Bildstil "Neutral" fotografiert; die Schärfung steht auf null 4 - das Ergebnis befriedigt noch weniger.

Maximal ließe sich die Schärfe um weitere drei Stufen anheben, was man aber lieber bleiben lässt. Zudem unterscheiden sich die Bildstile zum Teil in der Farbabstimmung - so werden etwa bei "Landschaft" Grün- und Blautöne verstärkt. Bei "Porträt" wirkt das Bild etwas weicher, und Rottöne kommen intensiver, wobei man die Wiedergabe von Hauttönen mit dem Parameter "Farbton" feinjustieren kann.

Interessant ist, dass die Kamera aber auch zwei Bildstile ("Neutral" und "Natürlich") anbietet, bei denen die Schärfung ab Werk auf null steht. Die mit diesen Bildstilen entstandenen Fotos unterscheiden sich ziemlich deutlich von jenen, die mit "Standard" oder "Landschaft" entstehen. Sie sind aber wiederum zu weich, Details wirken in 100-Prozent-Ansicht am Bildschirm schwammig.

Stellt man im Bildstil "Standard" die Schärfe auf null, kommt man zu vergleichbaren Ergebnissen, die in beiden Fällen nicht sonderlich befriedigen. Empfehlung für JPEGs aus der Kamera: Bildstil "Standard" bei Grundeinstellung (Schärfe auf 3) belassen oder die Schärfe um eine Stufe reduzieren. Senkt man gleichzeitig den Kontrast ab (z.B. von 0 auf -2) verbessert sich kurioserweise die Detailzeichnung.

RAW für optimale Bilder

Der Königsweg für mehr Bildqualität führt bei der EOS 7D MkII aber eindeutig über den RAW-Modus. Die Testmotive wurden mit der Einstellung "RAW + JPEG", zum Teil mit drei ISO-Einstellungen (100, 400 und 1600) fotografiert. Bei der RAW-Bearbeitung in Lightroom 5 wurden zunächst die Tonwerte optimiert - mit leicht abweichenden Einstellungen bei den verschiedenen ISO-Stufen, was wohl dem unterschiedlichen Dynamikverhalten der Kamera bei niedrigen und höheren ISOEinstellungen zuzuschreiben ist.

Die Profilkorrektur wurde für das verwendete Objektiv (Canon EF-S 3,5-5,6/18- 135 mm) aktiviert, anschließend eine moderate bis mittlere Schärfung eingestellt (Betrag 40 bis 75, Radius 1,0, Details 25). Zur Rauschreduzierung wurde der Luminanz-Wert auf 15 (ISO 100/400) bis 25 (ISO 1600) gesetzt.

RAW kontra JPEG

© Karl Stechl

RAW kontra JPEG: Der ISO-Vergleich zeigt den eindrucksvollen Gewinn an Auflösung.

Die bessere Detailauflösung ist in den Testmotiven klar erkennbar; in dunklen Partien zeigt sich zwar etwas mehr Rauschen, die Bildwirkung ist aber insgesamt wesentlich angenehmer. Zudem lässt sich bei der RAW-Bearbeitung deutlich mehr Zeichnung in die Schattenpartien holen. Wenn objektivbedingte Schwächen wie die chromatische Aberration (Farbquerfehler) sichtbar werden, aktivieren Sie in Lightroom unter Objektivkorrekturen-Farbe "Chromatische Aberration". In Lightroom 5 finden Sie zudem eine Pipette, mit der Sie den Farbwert der lila und grünen Farbsäume exakt bestimmen und so die Effektivität der Korrektur erhöhen können. Unterm Strich gilt für die Canon die klare Empfehlung: RAW-Modus verwenden!

Tipps zum Autofokus

Neben der Bildqualität lohnt sich bei der EOS 7D Mark II ein Blick auf den umfangreich ausgestatteten, mit zahllosen Einstellmöglichkeiten gesegneten Phasen-Autofokus. Er verfügt über 65 Messfelder, allesamt Kreuzsensoren. Zudem handelt es sich beim zentralen AF-Feld um einen besonders empfindlichen Doppel-Kreuzsensor, der in Verbindung mit lichtstarken Objektiven (Anfangsöffnung 2,8 oder größer) eine besonders präzise Fokussierung ermöglicht. Bei weniger lichtstarken Objektiven arbeitet er als normaler Kreuzsensor. Prinzipiell hängen die Anzahl der nutzbaren AF-Felder und möglichen AF-Feld-Konfigurationen vom Objektivtyp ab. Canon hat dafür sieben Objektivgruppen mit unterschiedlichen Leistungsmerkmalen definiert; Auskunft gibt das PDF-Handbuch ab Seite 100.

Schärfe-Reihe

© Karl Stechl

Die Bildreihe macht deutlich, was passiert, wenn man - ausgehend vom Bildstil "Standard - die Schärfung schrittweise zurücknimmt. Bild 1: Standardein stellung (Stufe 3); Bild 2: Schärfung auf 2; Bild 3: Schärfung auf 1; Bild 4: Schärfung auf null. Im Vergleich zum Bildstil "Neutral" (ebenfalls mit minimaler Schärfung) fällt das Bild kontrastreicher aus.

Drei AF-Betriebsarten stellt die Kamera zur Wahl: One-Shot AF (Einzelfeld-AF), AI Servo AF (kontinuierlicher AF für sich bewegende Motive) oder AI Focus AF (die Kamera wechselt automatisch von One Shot AF zu AI Servo AF, wenn sich ein zunächst statisches Objekt zu bewegen beginnt).

Womit Sie sich näher beschäftigen sollten, sind die sieben verfügbaren AF-Bereich-Auswahlmodi. Wenig Mitdenken erfordert die Messfeld-Automatik; dabei wählt die Kamera selbstständig AF-Punkte innerhalb des gesamten AF-Bereichs aus. Automatisch vorgewählt ist dieser Modus, wenn das Belichtungsprogramm A+ (Vollautomatik) am Programmwahlrad der Kamera eingestellt ist. Für kontinuierlichen Autofokus (AI Servo AF) lässt sich manuell ein Startfeld definieren.

Bei One-Shot AF werden Sie häufig einen AF-Punkt oder einen AF-Bereich manuell festlegen wollen. Dafür bietet die EOS die folgenden Varianten:

Einzelfeld- und Spot-AF: Hier können Sie einen der 65 AF-Punkte mittels Joystick oder Drehrad manuell anwählen. Bei Einzelfeld-AF wird der Messpunkt als Kästchen (lichtes Geviert) angezeigt, während der Spot-AF als Kästchen im Kästchen dargestellt wird. Welche von beiden Messarten Sie wählen, hängt von der Art des Motivs und der Objektivbrennweite ab. Vor allem der Spot-AF birgt die Gefahr, dass man beim Freihandfotografieren - vor allem von Motiven, die sich bewegen - leicht mal danebenliegen kann.

Messfelderweiterung: Sollte der Einzelfeld- bzw. Spot-AF bei einem Motiv zu kleinteilig sein, können Sie den AFBereich erweitern. Dann werden ergänzend zum ausgewählten AF-Feld bis zu acht benachbarte Messfelder herangezogen. Diese Variante bietet unter anderem in Verbindung mit langen Teleobjektiven mehr Einstellsicherheit. Auch hier kann man das gewünschte Messfeld manuell anwählen; die jeweils benachbarten Felder sucht sich die Kamera automatisch. Tipp: Sie können ein beliebiges AF-Feld auch speichern ("registrieren") und jederzeit auf Knopfdruck aktivieren. Praktisch etwa, wenn Sie bei der Porträtfotografie häufig vom zentralen AF-Feld auf ein zweites außerhalb der Bildmitte umschalten wollen. Auf das registrierte AF-Feld schalten Sie mit einer entsprechend belegten Funktionstaste um.

Canon EOS 7D MkII

© Canon

Bildoptimierung. So weit Korrekturdaten für das verwendete Objektiv vorliegen, kann die Kamera bei der internen Bildverarbeitung Vignettierung, Farbfehler und Verzeichnung herausrechnen.

Manuelle Zonenwahl: Bei der manuellen Zonenwahl handelt es sich um Messfeldgruppierung. Bei der einen Variante (AF-Messfeldwahl in Zone) wird der komplette AF-Bereich in neun Zonen unterteilt, die man jeweils manuell anwählen kann. Pro Zone steht ein Rechteck aus 15 Messfeldern bereit, und die Kamera entscheidet selbst, welche davon zum Einsatz kommen. Die zweite Variante (AF-Messfeldwahl in großer Zone) unterteilt den AF-Bereich in nur noch drei Zonen mit 25 Messfeldern in der mittleren und jeweils 20 Messfeldern in den beiden äußeren Zonen.

Was der Autofokus der EOS 7D Mark II darüber hinaus an Einstell- und Konfigurationsmöglichkeiten zu bieten hat, lässt sich im Rahmen dieses Beitrags nur andeuten. So stellt die Kamera z.B. sechs verschiedene AF-Presets (Case 1-6) für die Sport- und Action-Fotografie bereit. Auch lässt sich das AFSystem vom Anwender justieren (AF Feinabstimmung), wenn es Frontoder Backfokus-Probleme geben sollte. Und schließlich sollte nicht verschwiegen werden, dass die EOS auch mit einem für eine SLR-Kamera recht schnellen Live-View-AF mit Phasenerkennung (Dual-Pixel-CMOS-AF) ausgestattet ist. Hier stehen Gesichtsverfolgung, Mehrfeldautomatik, Zonenauswahl (9 Fokussierungszonen) und manuelle Einzelfeldwahl bereit.

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