Fakten, Fakten, Fakten?

Bundestagswahl 2017 und Fake-News: Folgen, Wahlkampf und freie Meinung

  1. Bundestagswahl 2017: Vorsicht vor Fake-News
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Bundestagswahl 2017: Fake-News

© Screenshot / Epoch Times

Die FakeNews vom Missbrauch einer 13-jährigen Deutsch-Russin sind selbst heute noch weiterhin unkorrigiert online zu finden.

Die Massenmedien des 20. Jahrhunderts haben im Informationszeitalter immer mehr an Einfluss verloren. Seit der Industrialisierung waren es Aufgabe und Erfolgsrezept der Tageszeitungen und Rundfunkanstalten, Fakten zu interpretieren und diese in ein einheitliches Weltbild einzuordnen.„Fake News sind ein Virus, der Weltbilder zerstört und die Gesellschaft in Untergruppen zersplittert“, erklärt Kognitionswissenschaftler Dr. Joscha Bach. Der gebürtige Deutsche erforscht an der Harvard Universität künstliche Intelligenzen und ihren Einfluss auf die menschliche Psyche. „Das Problem von Fake-News ist nicht, dass sie falsch sind, sondern dass die zentrale Kohäsion der Gesellschaft verloren geht,“ führt er aus.

Fake-News im deutschen Wahlkampf

Deutschland ist seit der Nachkriegsgeschichte von einem Pluralismus konservativer, liberaler und linksgerichteter Kräfte geprägt. Davon abweichende politische, ideologische und ökonomische Ziele, propagiert durch Splittergruppen, können den Status quo gefährden. Sogar Bundeswahlleiter Dieter Sarreither warnt in einem Interview: „Die Bürger und die Medien müssen in diesem Wahlkampf besonders sensibel auf Nachrichten reagieren. Sie müssen wissen, dass es Versuche gibt, sie zu manipulieren.“

Für Joscha Bach scheint es hingegen unwahrscheinlich zu sein, dass Fake-News zur Bundestagswahl ihre von den Verfassern beabsichtigte Wirkung auch erzielen: „In den USA ist ein wesentlich höherer Anteil der Bevölkerung wirtschaftlich unter Druck, desillusioniert und dadurch anfällig für Fake-News. In Deutschland sieht man eine ähnliche Entwicklung etwa im AfD-Umfeld – das Größenverhältnis zum Mainstream ist aber gering. Ebenso gering ist daher der potenzielle Einfluss von Fake-News auf die Bundestagswahl.“

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt dies: Demnach lehnen 37 Prozent der Befragten populistische Aussagen ab, 34 Prozent stimmen lediglich teilweise zu. Nur eine Minderheit von 30 Prozent sprach sich für populistische Thesen aus. Und selbst innerhalb dieser 30 Prozent vertreten die Befragten eher moderate und kaum radikale Ansichten. „Grundlegend systemablehnende und anti-pluralistische Einstellungen sind bei uns nicht mehrheitsfähig“, resümiert Aart de Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung.

Freie Meinungsäußerung und Zensur

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Der Themenkomplex Fake-News und seine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erfordern angemessene Reaktionen auf allen Ebenen. China und sein allumfassender Einfluss auf die Volksmeinung zensiert in sozialen Medien abweichende Meinungen nicht unbedingt. Stattdessen beschäftigt die Regierung eigene Content Farms, die massenhaft staatsfreundliche Inhalte posten und so den Allgemeineindruck verzerren. Solche Maßnahmen sind jedoch im demokratischen Westen nicht vorstellbar.

Soziale Netzwerke stehen vor einem ähnlichen Dilemma: Geht das Netzwerk auf die Zensurwünsche von Regierungen ein, wandert womöglich ein großer Benutzeranteil aufgrund restriktiver Zensurregeln ab. Andererseits sieht sich das Netzwerk in der moralischen Pflicht, den gesellschaftlichen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten.

Infolge der US-Präsidentschaftswahlen hat Facebook-CEO Mark Zuckerberg Änderungen an seinen News-Algorithmen angekündigt. Das Ziel sei, „Falschinformationen besser zu klassifizieren, damit diese erkannt werden, noch bevor der Benutzer sie als falsch meldet“. Gleichermaßen sind auch Journalisten in der Pflicht, ihr Verhalten angesichts von Fake-News zu überdenken. Nicht selten haben News-Outlets Fake-News-Meldungen ungeprüft übernommen und wurden unwissentlich zu Komplizen.

Doch die weitreichendere Kritik ist struktureller Natur: Webseiten wie zum Beispiel Buzzfeed, deren Design und Artikelstruktur auf maximale Viralität ausgelegt ist, sind die Vorbilder für Fake-News-Webseiten. Eine Clickbait-Überschrift, die den Artikelinhalt verschleiert, und eine frei erfundene Überschrift zu einem Artikel mit unbelegten Tatsachenbehauptungen sind kaum zu unterscheiden. Und in 59 Prozent der Fälle wird der Unterschied auch niemals klar werden.

Individuelle Verantwortung

Doch auch als einzelner Benutzer bzw. Leser kann man Fake-News entschlossen entgegentreten. Ein gesundes Maß an Skepsis verbunden mit ein wenig Geduld sorgen dafür, dass die meisten Fake-News-Meldungen auf dem eigenen Newsfeed stehen bleiben und nicht weiterverbreitet werden. Noch wichtiger aber ist der persönliche Eindruck, dass wir alle an einem Strang ziehen. Die Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaft haben nur solange Bestand, wie es Raum für Kompromisse gegensätzlicher Meinungen gibt. Radikale Standpunkte, die zwingendermaßen Fakten verschleiern oder verleugnen, sind hingegen keiner Kompromisse fähig und verdienen es, in Vergessenheit zu geraten.

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