Ratgeber

Brennweite und Bildwinkel bei Digitalkameras

Selbst wenn die Brennweiten beiDigitalkamera-Objektiven genau angegeben werden, sagt das manchem noch nicht viel. Wir informieren darüber, welche Bildwirkung Sie mit unterschiedlichen Brennweiten je nachKameratyp erhalten.

  1. Brennweite und Bildwinkel bei Digitalkameras
  2. Fakten
Aufmacher Objektive

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Aufmacher Objektive

Die Brennweite bestimmt, was aufs Bild kommt" würden wohl viele Kamera- und Objektivkäufer sagen. In der Tat ist die Millimeterangabe auf dem Objektiv der Ausgangspunkt für die Beurteilung der optischen Gestaltungsmöglichkeiten einer Kamera oder eines Systems. Nun sagt die Brennweite eines Objektivs aber noch nichts über den von der Kamera tatsächlich genutzten Bildwinkel aus. Um diesen beurteilen zu können, muss nämlich neben der Brennweite die Größe der Aufzeichnungsfläche - also des Films oder des Sensors-  bekannt sein, so dass man die Größe des festgehaltenen Ausschnitts aus dem vom Objektiv projizierten Bild ermitteln kann. Der genutzte Bildwinkel resultiert also nicht nur aus der Brennweite, sondern auch aus dem Aufnahmeformat.

Bildformat

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Die Grafik veranschaulicht, welche Teile des Bildkreises (Nr. 1) eines Objektivs bei den verschiedenen Aufnahmeformaten bzw. Chipgrößen genutzt werden: Nr. 2=Kleinbildformat (24 x 36 mm), Nr. 3 =Format "APS-C" (15,7 x 23,5 mm), Nr. 4=Format 1/1,8 Zoll.

Was das praktisch bedeutet, fällt sofort auf, wenn man sein gutes altes 50-mm-"Normalobjektiv" (in Kleinbild-Dimensionen gesprochen)an eine Digital-Spiegelreflex ansetzt. Die Kamera nutzt wegen ihres Sensors, dessen Abmessungen kleiner sind als das KB-Format (siehe Graphik auf der rechten Seite oben), auch einen kleineren Bildwinkel. So erhält man mit dem 50-mm-Objektiv ein Bild, wie es imKleinbildbereich ein klassisches Porträt-Tele produziert. Um den genutzten Bildwinkel in leicht fassbare Begriffe zu "übersetzen", ist eine Bezugsgröße nötig. Dafür bietet sich zunächst der Begriff der "Normal"-Brennweite an. Als "normal" gilt eine Brennweite, die die Welt in etwa so abbildet, wie wir sie mit unserer Augenperspektive wahrnehmen. Das ist bei Bildwinkeln von rund 50° in der Diagonalen der Fall. Zwar ist das Gesichtsfeld größer, doch führt bereits die 50°-Regel zu einem leichten Weitwinkeleffekt, da der "aktiv" wahrgenommene Bereich größer als 50° ist. Die Diagonale wird als Bezug genommen, weil sie den Bildkreis des Objektivs weitestgehend ausnutzt, so immer den Maximalwert liefert und gleich groß bleibt. Horizontaler und vertikaler Bildwinkel werden dagegen vom Seitenverhältnis des Bildformats bestimmt. Daher können sie variieren.

Nachdem wohl die meisten Kameranutzer schon Erfahrungen mit dem Kleinbildformat mit seiner Fläche von 24 * 36 mm gesammelt haben, ist es praktisch und naheliegend, die Brennweiten von Digitalkameras auf diesen "Maßstab" umgerechnet werden: Der für eine normale Perspektive gewünschte Bildwinkel von knapp 50° wird mit Brennweiten erzielt, die in etwa der Diagonale des Bildformates entsprechen. Mit Hilfe des Satzes von Pythagoras lässt sich für das Format 24 * 36 mm eine Normalbrennweite von 43 mm errechnen, was 53° Bildwinkel ergibt. Und da sich der Mensch gerade Zahlen besser merken kann als krumme, gelten 50 mm als Normal-Brennweite für das Kleinbildformat. Ihr Bildwinkel beträgt 47°.

Perspektiven

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Will man dasselbe Motiv mit verschiedenen Brennweiten (hier, von links nach rechts: 105 mm - 50 mm - 35 mm) formatfüllend aufnehmen, so muss man aus verschiedenen Entfernungen fotografieren, was wiederum verschiedene Perspektiven ergibt.

Objektive mit geringeren Brennweiten bilden die Details kleiner ab und bringen daher mehr auf das Bild; sie nennt man wegen ihres größeren Bildwinkels Weitwinkelobjektive. Objektive mit längeren Brennweiten bilden die Details größer ab, erfassen dabei aber einen kleineren Bildwinkel; sie werden als Teleobjektive bezeichnet. Ganz korrekt ist dies allerdings nicht, denn streng genommen ist ein Teleobjektiv eine Konstruktion, deren Baulänge kürzer ist als die Brennweite.

Die Sensorgröße macht'sKompliziert wird es bei den Digitalkameras vor allem, weil erstens viele verschiedene Sensorgrößen auf dem Markt sind, zweitens die entsprechenden Werte oft in Zoll (z. B. 1/1,8") angegeben werden und drittens diese Zoll-Werte nichts über die tatsächlich genutzte Formatdiagonale aussagen. Die Zoll-Angaben stammen noch aus der Zeit von Kameras mit Aufnahme-Bildröhren. Diese wurden anhand ihres Gesamtdurchmessers unterschieden, vom dem aber nur ein kleinerer zentraler Ausschnitt zur Aufnahme genutzt wurde. Daran hat sich bei den aktuellen CCD- und CMOS-Sensoren nichts geändert. Auch hier beträgt die netto genutzte Diagonale der Bildsensoren nur rund 60 bis 70 Prozent des angegeben Bruttowertes. Auf dem Bruttowert basieren auch die Zoll-Angaben in der Tabelle.

Sind also die gewohnten Brennweiten bezogen auf das KB-Format nicht angegeben, muss zuerst festgestellt werden, wie groß der Sensor ist. Die gängigsten Formate sind in der Tabelle rechts aufgeführt. Mit dem Verlängerungsfaktor lässt sich leicht der Zoombereich auf die vom KB-Format vertrauten Werte umrechnen.

Download: Tabelle

Aktuelle TrendsUnter den Kompakt-Digitalkameras finden sich immer öfter auch solche, deren Anfangsbrennweite unter 35 mm liegt - ein Wert, der die Bezeichnung Weitwinkel nur knapp verdient. Wer ein 28-mm-Weitwinkel schätzen gelernt hat oder für die Zukunft auf Nummer sicher gehen will, sollte darauf achten, dass auch seine Digitalkamera eine entsprechende Brennweite aufweist, selbst wenn sie dafür ein paar Euro teurer ist.

Für Spiegelreflexkameras mit einem Sensor der Größe "APS-C" hat beispielsweise Sigma mit seinem EX 1,4/30 mm DC HSM ein lichtstarkes Objektiv mit 45° Bildwinkel vorgestellt. Dieses Objektiv und ähnliche Festbrennweiten können die Rolle des klassischen 1,4/50 mm als universelles  Normalobjektiv übernehmen, wobei es zugleich ein preisgünstiges Spezialobjektiv für das Fotografieren bei schwachemLicht ist. Bei Weitwinkel und Tele muss so viel Lichtstärke deutlich teurer bezahlt werden. Normal- und kurze Tele-Brennweiten sind übrigens ein heißer Tipp für Qualitäts-Fans, denn bei ihnen lässt sich mit dem geringsten Aufwand eine ordentlich optische Qualität erzielen.

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