Ratgeber

Blu-ray versus HD DVD

Die einzige vernünftige Reaktion auf dieses Chaos lautet: Noch mindestens ein Jahr warten und dann mal schauen, wie der Kopierschutz arbeitet und ob der eigene PC überhaupt aufrüstbar ist. Alternativ werden auch Festplatten als Back-up-Medium jedes Jahr günstiger.     

Zwei Allianzen entwickel den Nachfolgestandard der DVD, die Blu-ray-DVD und die HD DVD, mit bis zu 25 GB je Datenschicht. Ob jedoch die unterhaltungelektroniklastige Blu-ray-Allianz oder das eher PC-lastige HD-DVD-Lager den Wettstreit gewinnt, bleibt Spekulation. Beide Lager werben mit Vorteilen, die die Konkurrenz nicht bieten kann. Bis Mitte letzten Jahres schien eine Einigung der beiden Techniklager auf eine gemeinsame Lösung wahrscheinlich. Doch jetzt sieht es ganz so aus, als ob sich das Drama bei der Einführung der DVD-Formate wiederholt.

Pioneer BDR 101 A/ Laserlinse

© Archiv

Umgelenkt: Im Pioneer BDR 101 A arbeitet nur ein Laser. Damit dieser die verschiedenen Ebenen von DVD- und Blu-Ray-Scheibe erreicht, wird das Licht unterschiedlich durch die Linse geleitet. Theoretisch sind noch zwei weitere Lichtwege für andere Medien denkbar.

Gut zwei Jahre kämpften die Herstellerlager bei der DVD um die Brennformate DVD-R und DVD+R. Die technischen Unterschiede waren minimal, nur für Techniker nachvollziehbar. Doch kein Patenthalter verzichtet gern auf Lizenzgebühren - es geht schlicht ums große Geld. Beim aktuellen Streit sind die Differenzen bei weitem größer. Auch wenn es Gemeinsamkeiten bei der Wellenlänge des Lasers gibt.

Blu-ray versus HD DVDBeide Techniklager setzen auf den blauen Laser mit einer Wellenlänge von 405 nm. Die Wellenlänge ist vor allem für eines entscheidend: Für die Dichte der Informationen. Stark vereinfacht dargestellt, speichern alle Scheibenformate, von der CD bis zum neuesten Blu-ray, Daten durch ein Lochraster, das sich in einer schneckenförmigen Spur befindet. Je kürzer die Wellenlänge ist, desto kleiner werden die Löcher des Rasters und desto dichter lassen sich die Daten auf die Scheibe packen. Doch obwohl beide Formate die gleiche Laserwellenlänge einsetzen, ist die Laserpunktgröße unterschiedlich. Der Hintergrund: Die Lage der Informationsschicht liegt bei der HD DVD dort, wo sie bei der DVD auch schon war: Unter einer Polycarbonatschicht in 0,6 mm Tiefe. Der Laser muss also erst die Polycarbonatschicht durchdringen bis er auf die "Löcher" der Informationsschicht trifft und reflektiert wird - macht maximal 15 GB je Layer (Datenschicht). Die Blu-ray- Allianz setzt  auf eine nur noch 0,1 mm dünne Schutzschicht. Damit lässt sich der Laser leichter und vor allem auf einen kleineren Punkt fokussieren. Somit ist ein engeres "Lochraster" möglich. Die Informationsdichte steigt trotz gleicher Wellenlänge des Lasers an, so  passen bis zu 25 GB auf einen Layer.

Laservergleich: Datendichte CD, DVD, HD DVD, Blu-ray

© Archiv

Alt und neu: Die vergleichsweise geringe Datendichte von CD und DVD war noch leicht in den Griff zu bekommen. Bei HD DVD und Blu-ray wird die Datendichte durch einen blauen Laser mit 405 nm, der die kleinere Struktur auslesen kann, angehoben.

Umgekehrt wirbt das HD DVD-Lager mit einer höheren Kompatibilität zur DVD-Technik, da eben die Schutzschicht und die Tiefe der Datenschicht unverändert bleiben. Besonders die Fertigungskosten sollen dadurch geringer sein - ein wichtiger Faktor. Allerdings hält die Blu-ray-Allianz gegen die höheren Fertigungskosten die höhere Kapazität, was höhere Preise rechtfertigt. Zudem reden die Blu-ray-Entwickler  von bis zu acht Informationsschichten und damit von 200 GB Speicherkapazität. Doch das ist Zukunftsmusik: Die ersten Produkte sollen meist nur ein Layer, maximal jedoch zwei Layer und damit 50 GB Speicherkapazität unterstützen. Auch die HD DVD speichert anfangs maximal auf zwei Layern, erreicht dabei aber nur 30 GB. Die Kapazität wird aber wohl nicht ausschlaggebend sein: Ob nun ca. 10 000 oder 15 000 digitale Bilder auf eine Scheibe passen, ist schon fast egal.

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Geschützter InhaltZiemlich einig ist man sich, aufgrund des Drucks der Filmindustrie, beim Kopierschutz: Das Desaster mit dem DVD-Kopierschutz CSS (Content Scambling System), den ein Jugendlicher schon kurz nach der Einführung geknackt hat, soll sich nicht wiederholen. Der neue Kopierschutz AACS (Advanced Access Content System) soll es richten. Doch bis jetzt haben sich die Parteien noch nicht endgültig zu der neuen Technik durchringen können. Notdürftig hat man sich auf eine Interims-Lösung geeinigt - doch genau das grenzt an eine Irreführung der Verbraucher. Denn soviel ist sicher: Jedes Gerät der Wiedergabekette, also Laufwerk, Player und  Grafikkarte, Fernseher, Monitor oder Beamer soll eine eigene, nur einmalig vergebene Gerätekennung bekommen. Nur mit dieser Kennung wird die Wiedergabe möglich sein, was eventuell ältere PCs trotz neuem Laufwerk ausschließt. Gleichzeitig lässt sich über die Kennung der Scheiben verwalten, welche Verwendungsoptionen der Verbraucher bekommt, also wie oft oder ob überhaupt Kopien zulässig sind. Derzeit diskutiert man noch darüber, die analogen Ausgänge der Player lahm zu legen oder zumindest qualitativ einzuschränken, da sich sonst noch immer hochwertige Kopien anfertigen lassen. Im Extremfall kann es passieren, dass die ersten Geräte nicht wirklich der endgültigen Version des Kopierschutzes entsprechen - mit der Folge, dass nicht alle Scheiben wiedergegeben werden können.

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Die ersten GeräteWegen der Probleme beim Kopierschutz verzögert sich der Start immer weiter: Zuerst war man in beiden Lagern von ersten Geräten Ende 2004 ausgegangen, weitere Termine folgten; nun soll es diesen Sommer endlich los gehen: Toshiba kündigt mit den Modellen HD-A1 für 500 Dollar und HD-XA1 für ca. 800 Dollar die ersten HD- DVD-Player an. Sie sollen im Sommer auf den US-Markt kommen. Einen Termin für Europa gibt es dagegen noch nicht. Auch NEC, mit Toshiba der technologische Führer in Sachen HD DVD, hat ein HD-DVD-Laufwerk am Start, das aber nur über OEM-Kunden direkt in Computer eingebaut werden soll. Auch die Blu-ray-Allianz hat den Beweis, dass das Brennen bereits funktioniert angetreten: Beim Redaktionsbesuch von Pioneer zeigte der BDR 101 A auf einem wieder beschreibbaren Blu-ray-RE-Medium (BD-RE) bereits seine 2x-Brennqualitäten - das entspricht 6,5facher DVD-Brenngeschwindigkeit.

Pioneer sitzt schon auf gepackten Kartons mit Laufwerken, denn rein von der Hardware ist das Laufwerk schon gut ein halbes Jahr fertig. Doch ohne den Kopierschutz darf und will man nicht ausliefern. Die Interims-Einigung soll Pioneer immerhin in die Lage versetzen die professionelle Kundschaft mit dem Blu-ray-Brenner für knapp 950 Euro auszustatten. Das erste Laufwerk kann nur einlagige Rohlinge beschreiben. Zugleich hat TDK bereits Blu-ray-R-Medien (BD-R) mit zwei Lagen und damit 50 GB angekündigt. Der erste Brenner für diese Scheiben könnte Samsungs SH-B022 sein, der zudem voraussichtlich günstiger ausfällt als Pioneers Erstlingswerk.

Spannend ist die neuste Entwicklung: Toshiba hat im Februar mit LG eine Vereinbarung getroffen, so dass diese nun in der Lage sind optische Laufwerke sowohl für Blu-ray als auch für HD DVD zu bauen. Gleichzeitig überträgt Toshiba im April alle HD-DVD-Patente auf eine gemeinsam mit Samsung geführte Firma, die den Vertrieb und die Weiterentwicklung übernehmen soll. Auch Sony und NEC haben im Februar ihre Zusammenarbeit bei optischen Laufwerken verkündet. Auch hier soll Vertrieb und Entwicklung gemeinsam laufen. Damit haben also bereits fünf Firmen Zugriff auf beide Formate und man kann davon ausgehen, dass sie dies in die Laufwerk integrieren. 

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