Bitcoin Mining

Reich durch Online Währung Bitcoin?

Der Kurs der Online Währung Bitcoin steigt und steigt. Fans sind begeistert und betreiben Mining, Kritiker fürchten eine neue Spekulationsblase.

Wir beraten Sie zum Thema Bitcoin und Mining.

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Wir beraten Sie zum Thema Bitcoin und Mining.

Der Wertzuwachs ging rasant: Im April stieg innerhalb von neun Tagen der Preis einer virtuellen Münze mit dem Namen Bitcoin von 100 auf 215 Dollar. Noch schneller kam der Absturz: Drei Tage später war ein Bitcoin an der Mtgox-Börse nur noch 86 Dollar wert. So eine Talfahrt hat nicht einmal die Facebook-Aktie in den ersten Tagen ihrer Existenz geschafft.

Thailand hat Bitcoins inzwischen komplett verboten. Und auch die Notenbanken der USA und der EU überlegen, wie sie die bislang unkontrollierte Währung in den Griff bekommen. Währenddessen steigen prominente Investoren wie Winkelvoss und Soros ins Geschäft mit dem virtuellen Geld ein.

Anonym und nicht anonym

Dabei wollte der japanische Schöpfer der Bitcoins, Satoshi Nakamoto, nur eine Internetwährung schaffen, die dem Bargeld ähnelt: anonym und endgültig. Ganz wie im Alltag: Wenn man in einen Laden geht, kennt einen niemand, und wenn man bezahlt hat, ist man seine Münzen los - genauso funktionieren Bitcoins.

Also legt man Bitcoins in eine (virtuelle) Geldbörse (z.B. Bitcoin-QT) und kann im Internetshop anonym damit bezahlen. Wie bei Paypal hat jeder Nutzer eine eindeutige Kennung. An diese sendet einer dem anderen über die virtuelle Geldbörse Coins - ohne dessen wahre Identität zu kennen. Auch Bezahlen im echten Laden geht: Zur Vereinfachung gibt es da statt Kennung einen QR-Code. Wie echte Münzen kann man Bitcoins verlieren, etwa durch Rechner-Crash oder Hacker-Diebstahl

Geldbörse MultiBit Bitcoins

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Mit einer Geldbörse wie Multibit kann der Anwender Geld überweisen und entgegennehmen. Wichtig sind Sicherheitskopien des Vermögens.

Die Anonymität hat ihre Grenzen, sie gilt uneingeschränkt zwischen Shop und Kunden. Aber der Kauf von Bitcoins an einer entsprechenden Börse wie Bitcoin.de erfordert meist eine Überweisung in nationaler Währung. Ferner sind alle Transaktionen über Signaturen theoretisch nachvollziehbar. In Verbindung mit dem Tor-Browser lässt sich die Anonymität erhöhen. Und wer nur geringe Beträge kaufen möchte, findet im Netz Anbieter, die Paysafecard-Codes in Bitcoins wechseln.

Die große Anonymität lockt auch organisierte Geldwäscher. Deshalb versuchen die Staaten, Bitcoins stärker zu reglementieren. Meist ist es daher für den Käufer nur noch möglich, kleine Summen von Bitcoins bis 1000 Euro anonym zu erwerben.

Auch Diebe haben gemerkt, dass sich die digitalen Münzen wie echte stehlen lassen. Sie hackten Handelsplattformen wie Mt. Gox , Bitfloor, Bitconia oder Bitcoin Central mit Schadenssummen von bis zu 400.000 Bitcoins. Die Diebstähle ließen sich nicht aufdecken. Der Schaden wurde von den Plattformen zwar ersetzt, was aber mit zunehmendem Wert der Coins schwieriger wird. Hinzu kommt, dass viele Börsen sehr zwielichtig sind und keine Kontaktdaten oder gar ein Impressum herausgeben.

Reiche Ernte

Derzeit ist Bitcon als Währung dennoch in einem stetigen Aufwind. Wer vor einem Jahr Bitcoins für 10 Euro gekauft hat, kann sie nun für ca. 70 verkaufen. Geht der Trend so weiter? Es gibt Stimmen, die sagen ja, andere sagen nein. Fakt ist, dass Bitcoins einem hohen Spekulationsrisiko unterliegen, da sie wenig reglementiert sind (siehe Kasten).

Gerät zum Erzeugen von Bitcoins

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Inzwischen gibt es spezielle Geräte zum Erzeugen von Bitcoins, die mehrere Grafikprozessoren zusammenschalten (Hersteller: KncMiner, ab 2000 Euro).

Viele Bitcoin-Fans hoffen, durch das sogenannte Mining reich zu werden. Mining (= Schürfen) nennt sich ein Prozess, mit dem neue Bitcoins entstehen (die sogenannte Geldschöpfung). Dabei muss der Rechner des Anwenders eine schwierige mathematische Gleichung lösen, an deren Ende im günstigsten Fall 25 Bitcoins (= ein Block) stehen. Die gehören dem Anwender. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe wird vom Bitcoin-Netz so festgelegt, dass etwa alle zehn Minuten weltweit nur ein Block neu entsteht. Je mehr Miner es gibt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für den Einzelnen, einen Treffer zu landen. Ein gängiges Programm zum Minen ist z.B. CPU-Miner .

Miner versuchen nun, ihre Chancen mit mehr Rechenleistung zu erhöhen. Eine Möglichkeit ist, den Prozessor der Grafikkarte (GPU) einzuschalten, denn dieser ist für die geforderten Berechnungen besonders leistungsfähig. Inzwischen gibt es sogar schon Mining-Hardware, die mehrere GPUs zusammenschließt. 

Ab in den Pool

Eine weitere Strategie ist es, sein Mining- Tool an einen Pool anzuschließen. Hier rechnen alle Mitglieder mit verteilten Ressourcen gemeinsam an einer Lösung. Hat der Pool einen Block gelöst, so bekommt jeder Anwender einen Teil der Bitcoins, je nachdem wie viel Rechenpower er mitgebracht hat. Die Aufteilung funktioniert, weil ein Bitcoin sich in 1/100.000.000 Einheiten zerlegen lässt. Auch der Pool-Betreiber bekommt eine Kommission.

Die von uns besuchten Pool-Seiten wirken alle recht zwielichtig: ohne Firmenname und ohne Impressum. Ob der Teilnehmer alle Coins- Teile bekommt, die er "verdient" hat, ist undurchsichtig. Dennoch verfügen Pools wie 50 BTC, Deepbit oder BTCGuild nach unseren Informationen über eine beachtliche Zahl an Mitgliedern.

Kursentwicklung Bitcoins seit Februar 2013 (US-Dollar)

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Seit Anfang des Jahres ist der Kurs rapide gestiegen. Ein Coin kostet derzeit 80 Dollar. Die heftigen Schwankungen im April zeigten, wie labil die Online-Währung ist.

Antiviren-Produkte erkennen die Mining-Tools (nicht aber die Geldbörsen) oft als Schädlinge. Das liegt daran, dass sie gerne von Hackern missbraucht werden. Die Fähigkeit, verteilte Rechnungen im Pool zu übernehmen, lässt sich nämlich durch Hacker für eigene Zwecke entfremden, zum Beispiel zum Brechen von Passwörtern.

Sind die Bitcoins einmal generiert, können die virtuellen Münzen an vielen Stellen im Netz oder im richtigen Laden benutzt werden. Darunter findet sich z.B. der Anonymisierungsdienst JoDonym, Wikileaks oder die Free Software Foundation. Aber auch ganz reale Orte in der wirklichen Welt akzeptieren Bitcoins: etwa die Fabelhaft-Bar in Berlin oder die Rojacherhütte auf 2700 Metern Höhe in den Alpen.

Spekulationsobjekt Bitcoin

Viele Kritiker warnen vor der unüberlegten Investition in Bitcoins. Zwar steigt deren Wert derzeit rapide, aber oft geht es genauso schnell bergab.

Eine Geldanlage in Bitcoin ist mit hohen Risiken verbunden, allein die Berg-und Talfahrt im April sollte nachdenklich machen. Insbesondere zwei Faktoren gefährden das Geschäft. Der Markt ist politisch wenig reglementiert, es gibt keine Börsenaufsicht und auch die Bankenaufsicht entsteht derzeit erst. Die meisten Anbieter unterstützen nur die Regeln gegen Geldwäsche. Es gibt auch keine Sicherungsfonds, die Privatanwender vor Verlusten schützen. Einzelne große Teilnehmer können den Markt verzerren, da er noch ein realtiv kleines Volumen hat.

Sehr vorsichtig sollte der Anwender mit Dienstanbietern rund um Bitcoins sein. Die wenigsten geben in einem Impressum Auskunft über die dahinterstehende Firma oder gar deren Anschrift (löbliche Ausnahme: Bitcoin.de). Analysten befürchten eine Deflation, da die Menge der erzeugbaren Bitcoins auf 21 Mio. Stück begrenzt ist und gleichzeitig die Nachfrage stetig steigt.

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