Blase, Tulpen-Manie, Schneeballsystem und mehr

Bitcoin-Mythen: Schneeballsystem und Tulpenmanie

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Kritische Stimmen bemängeln am Bitcoin, er sei ein Schneeballsystem. Also müsste er von Grund auf in betrügerischer Absicht entstanden sein.

Schneeballsysteme beschreiben per Definition Modelle mit betrügerischer Absicht, bei der sich Früheinsteiger an den Einzahlungen von Neulingen bereichern, und diese wiederum Neulinge suchen müssen. Der Bitcoin wurde 2009 als sicheres und schnelles Zahlungsmittel erfunden. Dass mit ihm betrügerisch gehandelt werden kann, lässt sich nicht abstreiten. Das lässt sich für Fiat-Geld aber leider auch nicht. An sich ist der Bitcoin also nicht betrügerisch.

Oft hört man wahrscheinlich den Satz, man müsse, „um mit Bitcoin reich zu werden, immer jemand noch Dümmeren finden – der mehr bezahlt als man selbst“. Das ist richtig und liegt in der Natur von Spekulationsgeschäften (siehe Seite 1). Also könnte man auch sagen: „um mit Immobilien, Aktien oder Kunst reich zu werden, muss man immer jemand noch Dümmeren finden – der mehr bezahlt als man selbst.“

Der Bitcoin ist nicht aus betrügerischer Absicht entstanden und ihm obliegt somit kein Schneeballsystem. Dass Früheinsteiger in der Marktwirtschaft bei einem erfolgreich startenden bzw. laufenden Spekulationsobjekt mit Neulingen oder „Dümmeren“ Profit machen können, ist reine Marktwirtschaft.

Der Bitcoin und die Tulpenmanie

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Finanzexperten vergleichen den raschen Aufstieg des Bitcoin-Kurses oft mit der Tulpenmanie von 1637.

Die Tulpenmanie muss oft als Vergleich herhalten, wenn sich Bitcoin-Befürworter und -Gegner unterhalten. Dabei lassen Diskussionsteilnehmer oft aus, dass für beide Güter völlig falsche Voraussetzungen hingenommen werden dürfen. Im 17. Jahrhundert wurden Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt und zu horrenden Preisen gehandelt, bevor der Markt abrupt zusammenbrach. Das Resultat ist die erste dokumentierte Finanzblase.

Die gehobenen Schichten der Niederlande machten Tulpenzwiebeln zum Liebhaberobjekt, tauschten sie zuerst und eröffneten später auch den kommerziellen Handel, der die Blase innerhalb kurzer Zeit platzen ließ.

Außer Acht bleibt beim Vergleich mit Kryptowährungen, dass der Vorrat an Tulpenzwiebeln nicht endlich ist, wie bei Bitcoin. Der Bitcoin ist auf maximal 21 Millionen Stück beschränkt, wovon im Moment über 16 Millionen Einheiten im Umlauf sind. Tulpen stattdessen lassen sich in beliebiger Anzahl züchten und haben damit mehr mit Fiat-Geld gemein als mit Kryptowährungen - wenn wir daran denken, dass etwa die USA seit über 45 Jahren losgelöst vom Gold frisches Bargeld nachdrucken und die Inflation somit beschleunigen kann.

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Nicht erwähnt bleibt auch oft, dass Tulpen zur besagten Zeit lediglich einen dekorativen Wert hatten, quasi ein Sammlerobjekt für ebenjene Liebhaber. Die Tulpen wurden zu einem unverzichtbaren Modeobjekt erklärt. Dem Preisindex für eine Tulpe zu jener Zeit ist zu entnehmen, dass der kommerzielle Handel mit Tulpen innerhalb rund eines halben Jahres den Markt zum Platzen brachte. Der Kauf und Handel von Bitcoin begleitet uns mittlerweile schon seit neun Jahren.

Viele Menschen sehen Ähnlichkeiten im Kursverlauf des Bitcoin mit dem Tulpenpreis. Zumindest bis dahin, als der Wert einer Tulpe am höchsten stand. Bisher ist der Bitcoin noch nicht wieder ganz unten angekommen - und ein steiler Aufstieg nach oben bedeutet nicht automatisch einen Fall zurück an den Start oder ins Bedeutungslose. Da müssen sich Gegner also noch gedulden. Hinweis am Rande: Der Tulpe hat damals übrigens nicht geholfen, dass Käufer für ihr Geld einen „physischen Gegenwert“ erhalten haben.

Der Bitcoin beziehungsweise die als Basis verwendete Blockchain-Technologie sind kein Modeobjekt mit rein dekorativem Wert. Stattdessen handelt es sich um eine Finanztechnologie, die sichere Transfers digitaler Güter möglich macht. Die Blockchain kann potenziell in vielen Geschäftsbereichen Zwischenstationen unnötig machen. Das könnten Treuhänder bei privaten Geschäften sein, sogar die Bank zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber oder Drittparteien bei Geschäftsbeziehungen zwischen Firmen. Mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise in Venezuela sollten wir übrigens noch erwähnen, dass die Bewohner mit dem Bitcoin und bald ihrer eigenen Kryptowährung wahrscheinlich besser dran sind, als mit Tulpen.

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