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Billig am Strand

Internationale Handy-Gespräche sind zu teuer. Die Politik will das ändern, doch die Tatsachen werden von neuen Diensten geschaffen, die bereits jetzt niedrige Gebühren anbieten.

  1. Billig am Strand
  2. Teil 2: Billig am Strand
Billig am Strand

© Udo Harbers

Billig am Strand

Sollten sich die 27 Telekommunikationsminister und EU-Kommissarin Viviane Reding tatsächlich durchsetzen, wäre ein großer Schritt zur Senkung der Gebühren für mobile Auslandstelefonate getan. Die Politiker hatten am Rande der CeBIT die Vereinbarung getroffen, dass kein internationales Gespräch mehr als 59 Cent kosten darf. Dieses Ziel soll bis zum Sommer dieses Jahres umgesetzt sein. Wirksamer als EU-Vorschriften sei allerdings der Druck, den Discounter mit ihren Billigtarifen auf die großen Anbieter ausüben, so Rolf Hansen, Geschäftsführer von simyo. Laut Hansen gäbe es bei ihnen noch immer Gewinnspannen von bis zu 40 Prozent.

Discounter wie simyo, blau.de oder klarmobil haben vor allem die Gebühren für nationale Handytelefonate drastisch reduziert. Statt 29 Cent pro Minute wie bei den Mobilfunkbetreibern verlangen sie lediglich 14 oder 16 Cent. Seit neuestem liegt die untere Grenze bei nur 10 Cent. Teuer sind dagegen die internationalen Gespräche geblieben, selbst bei den Discountern. Simyo und blau.de verlangen für Gespräche ins Ausland pauschal 1,84 Euro. Hier sind die Mobilfunkanbieter sogar noch etwas günstiger. Bei T-Mobile beispielsweise kostet ein Auslandsgespräch je nach Tarif und Tages- bzw. Nachtzeit zwischen 69 Cent und 1,99 Euro.

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Unschlagbar günstige Tarife bieten dagegen kleinere, wenig bekannte Anbieter. Der Clou bei den meisten: Sie stellen Verbindungen vom Handy über das Internet her. Es handelt sich dabei also um eine so genannte VoIP-Verbindung (Voice over IP, Sprache via Internet). Die Mobilfunkanbieter werden dabei umgangen. Diese kommen nur bei einigen Diensten ins Spiel, um die Verbindung vom Handy zum Internet-Telefonat herzustellen. Und genau da liegen die großen Unterschiede zwischen den neuen Anbietern. Nahezu jeder hat sich nämlich eine mehr oder minder komfortable Methode ausgedacht, um Handynutzer zur günstigen Internet-Telefonie zu bringen.

Die Senkrechtstarter

Internet-Telefonie – oder VoIP – ist vor allem durch Skype in den letzten Jahren bekannt geworden. Die meisten Anwender kennen VoIP daher nur vom PC. Dort schließt er ein Headset an, gibt die Telefonnummer eines anderen Skype-Nutzers ein und kommuniziert so kostenlos via Internet. Doch wie lassen sich nun Handy und Internet-Telefonie verknüpfen?

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Eine Möglichkeit bietet das österreichische Startup- Unternehmen Jajah. Im Sommer 2005 gegründet, zog es bereits Ende Oktober desselben Jahres in das kalifornische Silicon Valley um und verdoppelte seither seine Kundenzahl auf 2 Millionen. Der seltsame Name Jajah (sprich: "dschadscha") geht der Legende nach auf den Erfinder eines Holzflügels zurück, welcher als frühes Kommunikationsinstrument der australischen Ureinwohner gedient haben soll.

Angefangen hat Jajah mit einer Webseite, auf der man sowohl die eigene als auch die Telefonnummer des gewünschten Gesprächspartners einträgt. Jajah stellt eine VoIP-Verbindung her und ruft beide Gesprächsteilnehmer an. Dieses Verfahren nennt sich Callback. Ein Gespräch vom Festnetz in die USA kostet damit lediglich 2,76 Cent pro Minute, 3,1 Cent in das spanische (auf Handys: 18,52 Cent) oder 3,57 Cent in das Festnetz der Schweiz (auf Handys: 20,93 Cent). Telefonate zwischen Jajah-Nutzern von Deutschland in internationale Festnetze sind kostenlos.

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Der Aufbau einer VoIP-Verbindung durch das Callback-Verfahren lässt sich bei Jajah online verfolgen und kontrollieren.

Für das Handy stehen zwei Varianten zur Verfügung. Bei der "Mobile Web" genannten Version wählt sich der Handybesitzer mit seinem mobilen Browser auf der Webseite http://mobile.jajah.com ein und gibt die Telefonnummern an. Wenig später klingeln die Telefone beider Gesprächspartner.

Die "Mobile Plugin" genannte Version funktioniert mit einer Java-Software oder einem Plug-in für Symbian-Smartphones. Man kann die Tools entweder auf den PC herunterladen und von dort auf das Handy übertragen oder direkt per Datenfunk auf das mobile Gerät downloaden. Das Java-Tool muss zunächst gestartet werden, um dann die Verbindungsdaten einzugeben. Bei der Symbian- Version wird Jajah automatisch aktiv, wenn man in den Einstellungen festgelegt hat, dass alle Nummern, die mit "00" beginnen, über Jajah gewählt werden sollen.

Jajah-Verbindungen vom Handy in die USA kosten 17,25 Cent pro Minute, ganz gleich, ob ein Festnetz- oder Mobilfunkanschluss gewählt wird. Für das übrige Ausland gilt das nicht. Während das Handygespräch in die Schweiz zu einem Festnetzanschluss auch nur 18,1 Cent kostet, schlägt der Anruf auf ein Mobiltelefon in die Schweiz mit 35,42 Cent zu Buche.

Im Vergleich zu den Tarifen der Mobilfunkprovider und der Discounter sind also vor allem Telefonate ins Ausland viel günstiger. Innerdeutsche Handy-Gespräche sind nur dann sinnvoll, wenn der Mobilfunkvertrag mehr als 29 Cent für Anrufe in die Mobilfunknetze abrechnet. Das Handygespräch ins deutsche Festnetz kosten 17,6 Cent – das können die Prepaid-Anbieter günstiger. Abgerechnet werden die anfallenden Gebühren im Übrigen über ein Guthabenkonto, das per Kreditkarte oder Überweisung aufgefüllt werden kann.

Die Vorteile: Jajah funktioniert mit allen Providern und Discountern, sowohl bei Vertragshandys also auch bei Prepaid-Karten. Es fallen keine Anmeldegebühren oder monatlichen Pauschalen an. Die Nachteile: Die Verbindungen per Callback kommen nicht zuverlässig zustande. Und teilweise werden sogar Gebühren auch bei missglückten Verbindungen abgezogen. Außerdem ist die Qualität der VoIP-Verbindungen nicht besonders gut.

Eigenes Online-Telefon

Auch Jaxtr bietet über ein Callback-ähnliches Verfahren günstige Handy-Telefonate an. Wie bei einer Community will Jaxtr aber den kostenlosen telefonischen Kontakt von Online-Nutzern herstellen. Dazu meldet sich beispielsweise der Besitzer einer Homepage oder eines Weblogs bei Jaxtr mit seiner Festnetz- oder Mobilfunknummer an.

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Wer diesen Dialog auf einer Webseite entdeckt, kann u.a. per Telefon Kontakt aufnehmen.

Er erhält eine Webadresse in der Art www. jaxtr.com/IhrName und einen kleinen grafischen Kasten, den er auf der eigenen Webseite oder im Blog einbinden kann. Möchte ein Besucher der Seite Kontakt aufnehmen, gibt er in diesem Kasten die eigene Festnetzoder Mobilfunknummer ein. Wenig später klingelt das Telefon bei beiden Teilnehmern.

Die Jaxtr-Webadressen lassen sich auch per E-Mail oder Instant Messenger verbreiten. Gibt ein Anrufer diese Adresse in seinem Webbrowser ein, erscheint der Kasten zur Eingabe der Telefonnummer auf den Seiten von Jaxtr. Die Telefonnummern beider Teilnehmer bleiben bei diesem Verfahren anonym. Dem registrierten Jaxtr-Nutzer stehen außerdem Filter zur Verfügung, um unerwünschte Anrufe auf die Mailbox umzuleiten oder zu blockieren.

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Da Jaxtr allerdings erst in der Betaphase ist, lassen sich für deutsche Telefonnummern leider noch keine Jaxtr-Webadressen erzeugen. Die Macher versprechen unterdessen, dass alle Verbindungen kostenlos sein sollen. Finanzieren will sich Jaxtr über Werbeeinnahmen und Premiumdienste.

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