Ratgeber

Bildkalibrierung bei LCD- und Beamer

Praktisch kein Fernseher oder Projektor zeigt ab Werk, was wirklich in ihm steckt. magnus.de erklärt in Zusammenarbeit mit unserem Schwestermagazin Video-Homevision, warum das so ist und wie eine professionelle Kalibrierung das Bild in Form bringt.

  1. Bildkalibrierung bei LCD- und Beamer
  2. Kalibrierung durch den Fachmann
Bildkalibrierung

© Archiv

Service/Wissen: Praxis 08/09

Wenn ich ein Produkt kaufe, erwarte ich, dass der Hersteller es richtig eingestellt hat!" Diese und ähnliche Aussagen hören Händler und Kalibrier-Dienstleister öfter von Kunden. Dabei übersehen sie, dass ein Auto, das mit perfekt eingestellten Ventilen, Zündung und Bremsen das Werk verlässt, ein in sich geschlossenes System darstellt. Selbst hier muss man noch die ergonomische Anpassung vornehmen und Sitz, Spiegel, womöglich Lenkrad und Pedalerie auf den Fahrer anpassen. Ein Display - Techniker reden bei jeder Art von Bildgeber von TVs bis Projektor von Display - ist zu Hause Bestandteil einer Kette, die beim Sender oder einer DVD/Blu-ray anfängt und erst im sprichwörtlichen Auge des Betrachters endet.

Wie aber kommt es, dass insbesondere die TV-Geräte teilweise so unfassbar weit ab aller Normen und korrekter Darstellung voreingestellt aus dem Werk kommen? Die Hersteller wollen verkaufen und das geschieht in den größten Stückzahlen in den Regalen der Großmärkte. Dort muss der Fernseher quasi seine eigene Neonwerbung darstellen, weshalb das Bild auf maximale Auffälligkeit und vordergründige Attraktivität getrimmt auch quer durch den Laden noch auffallen muss: maximal hell, übertrieben kontrastreich, quietschbunt, Flächen entrauscht und Konturen krass betont. "Shop-Mode" nennt das die Branche. Mit Filmgenuss hat das nichts zu tun. Leider bieten erst wenige Hersteller bei der Erst- Inbetriebnahme des Displays eine Abfrage an, die dem Laien erlaubt, ein wohnzimmertaugliches Setup zu laden. Die meisten Markenhersteller bieten zumindest einen manuell wählbaren Modus an, der mehr oder weniger der Videonorm entspricht.

Warner Brothers Logo

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Das Bild in typischer Werkseinstellung (oben) soll aus der Ferne quer durch den Verkaufsraum auffallen und vordergründig attraktiv wirken. Doch erst das kalibrierte Bild (unten) wirkt plastisch, der Goldton des Logos und der Himmel realistisch.

Welcher das ist, beschreiben die Bedienungsanleitungen jedoch nur selten. Dennoch zeigt bislang kein TV frisch aus der Packung das Bild so korrekt an, wie das sein könnte, lassen sich doch weder das Umgebungslicht, noch die Quellen und ihre Konfiguration oder die Kabel automatisch berücksichtigen.

Außerdem lässt sich bislang kein Hersteller überzeugen, voreingestellt alle potenziell das Originalbild verfälschenden Parameter wie Rauschunterdrückungen, Kontrastverstärker und andere Verschlimmbesserer auch wirklich abgeschaltet zu liefern. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind hierzulande nur wenige, engagierte Fachhändler und eine handvoll freier Dienstleister als Kalibratoren unterwegs, die Geräte vor Ort in Top-Form zu bringen. Gerade bei Projektoren bieten einige Händler auch sogenannte "Fernkalibrierungen" an, was bedeutet, dass die Beamer unter möglichst neutralen Bedingungen beim Händler voreingestellt werden. Das berücksichtigt zwar nicht die Quellen, Leinwände und so weiter, gibt aber dennoch akzeptable Ergebnisse, da der Projektor selbst das größte verfälschende Element in der Kette ist.

Bild-und Projektoreinstellung

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Sie möchten selbst Ihr TV oder Ihren Projektor einstellen? Nun, eine richtige Kalibrierung können Sie ohne Messgeräte zwar nicht durchführen, aber die wichtigsten Basisparameter können Sie mithilfe guter Testbilder und den dazugehörenden Beschreibungen relativ leicht selbst vornehmen.

Die Qualität einer ausführlichen Vor-Ort-Kalibrierung kann diese Fernkalibrierung keinesfalls bieten. Mehr und mehr TV-Hersteller sehen eine Kalibrierung in ihren Fernsehern vor, bei Projektoren sind die entsprechenden Parameter seit Jahren selbstverständlich. Dabei holen sich die Hersteller zunehmend bei Institutionen Rat und lassen ihre Geräte für eine ordentliche Kalibrierbarkeit zertifizieren. Drei Logos lassen sich unterscheiden, die mehr oder weniger darauf hinweisen, dass das Display gut kalibrierbar und auch in der Lage ist, die Werte der Videonormen zu erreichen.

Am längsten agiert die "ISF" - Imaging Science Foundation - auf diesem Markt, ebenso "JKP" - Joe Kane Productions - und nun auch THX. Die Logos auf den Geräten bedeuten keinesfalls, wie man schon von Verkäufern in Großmärkten hören konnte, dass die Geräte ab Werk fertig kalibriert sind, sondern, dass sie speziell dafür gedacht sind, vor Ort justiert zu werden und dann ein perfektes Ergebnis liefern. Auch Video-HomeVision kalibriert prinzipiell alle TV-Geräte und Projektoren vor dem Sichttest. Nur so kann ein fairer Vergleich stattfinden.

Mit Farbspektrometer und Labor-Software geht der Kalibrator ans Werk

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Mit Farbspektrometer und Labor-Software geht der Kalibrator ans Werk. Die Bildparameter werden auf normierte Wiedergabe getrimmt.

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