Portfolio

Available Light Fotografie von Jörn Stubbe: Dokumente des Alltags

Statt digital, fotografiert Jörn Stubbe, mechanisch, manuell, schwarzweiß analog. Er setzt auf Entspannung und Langsamkeit. Das Licht ist immer das vor Ort verfügbare (Available Light), nichts wird manipuliert, nichts beschnitten. Lesen und sehen Sie selbst.

Jörn Stubbe Fotografie

© Jörn Stubbe

Jörn Stubbe Fotografie

In unserer Portfolio-Serie stellen wir einzelne Fotografen und Ihr Werk vor. In dieser Woche geht es um Jörn Stubbe und seine analogen Available Light Fotos.

Location

Bei Jörn Stubbe entstehen viele Bilder spontan. Wenn er Menschen ablichtet, dann in der Regel in deren Umfeld. So bezieht er immer neue Hintergründe ein. Bei vorherigen Treffen versucht er einiges über die Person zu erfahren, deren Hobbies oder Interessen, ob sie beispielsweise Musiker oder Tänzer ist.

Ist der zu Porträtierende ein Freund oder Teil der Familie, dann belichtet er die Bilder meist aus der Situation heraus. Fotografie ist für Jörn Alltagsdokumentation. Die Kamera hat er immer griffbereit, so dass er auf Licht und Situation schnell reagieren kann.

Shooting-Vorbereitung

Standen die Modelle noch nie vor seiner Kamera, ist ein vorheriges Treffen für ihn fast unumgänglich. Das gegenseitige Kennenlernen vor dem Shooting schafft Vertrauen. Vorstellungen und Wünsche von den zu machenden Fotos lassen sich besprechen. Dabei zeigt Jörn immer einige seiner Referenzen, um dem Gegenüber seinen Stil zu vermitteln, und wie er Motive wählt.

Ausrüstung

Zum Fotografieren nimmt Jörn Stubbe meistens Kameras mit unterschiedlichen Filmformaten mit. So kann er auf wechselnde Situationen und Locations eingehen. Grund dafür ist, dass er alle seine Bilder im Vollformat zeigt und sie nie im Nachhinein beschneidet. Seine Bilder entstehen beim Drücken des Auslösers und nicht hinterher am PC.

Galerie: Analoge Bilder von Jörn Stubbe

Bildergalerie

Jörn Stubbe, Portfolio
Galerie
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Statt digital, fotografiert Jörn Stubbe, mechanisch, manuell, schwarzweiß analog. Er setzt auf Entspannung und Langsamkeit.

Licht

Auch auf eine Blitzanlage kann Jörn verzichten, shootet er doch ausschließlich mit Umgebungslicht - auch Available Light genannt. Unabhängig davon, ob er in der Wohnung, am Arbeitsplatz, im Umfeld des Models oder in einem Tanz- oder Konzertsaal fotografiert.

Aufnahmetechnik

Langsam und wenig betätigt Jörn den Auslöser. Durch die Wahl des analogen Materials ist der Porträtfotograf hinsichtlich der Anzahl der Aufnahmen limitiert. Er erläutert: "So bin ich dazu gezwungen, vor dem Auslösen zu kontrollieren, ob Einstellungen, Motiv und Ausschnitt stimmen." Zudem ist die Langsamkeit des Aufnahmeprozesses auch durch die mechanischen Kameras ohne jegliche Elektronik vorgegeben.

Lichtmessung und Fokussierung nimmt Jörn Stubbe jeweils einzeln in manuellen Schritten vor, so bleibt viel Zeit für die Konversation mit dem Fotografierten. Jörn urteilt: "Dieser Vorgang entspannt das Shooting, da zwischen den einzelnen Aufnahmen immer wieder Pausen entstehen und kein ständiger Auslösedruck auf dem Modell lastet." Durch die Gespräche erfährt der Fotograf vieles, was für künftige Aufnahmen als Inspiration dienen kann.

Bildgestaltung

Jörn Stubbe ist die emotionale und grafische Tiefe seiner Bilder wichtig. Durch Linienführung, Wahl von Hintergrund und Fokuspunkt will er Dreidimensionalität schaffen. Das Umfeld soll dazu bestenfalls in Beziehung zum Porträtierten stehen und dem Betrachter zusätzliche Informationen liefern.

Nachbearbeitung

Beim Abziehen der Bilder in der Dunkelkammer werden lediglich Kontraste angepasst und Bildpartien nachbelichtet oder aufgehellt. Die Bearbeitung der Aufnahmen am PC beschränkt sich bei gescannten Negativen auf die Steuerung des Kontrasts und das Entfernen von Staubkörnern. Die Motive werden weder analog noch digital beschnitten.

Jörn Stubbe im Interview

Stubbe Portrait

© Jörn Stubbe

Jörn Stubbe:

  • Fotografische Themenschwerpunkte: Analoge Schwarzweißaufnahmen von Menschen.
  • Stubbe`s Webseite

Ausrüstung:

  • Kameras: diverse analoge Kameras von BJ 1930-1990
  • Objektive: Brennweiter von 28 bis 105 mm
  • Zubehör: Stativ und Auge

Wie bist Du zur Schwarzweißfotografie gekommen?

Nachdem ich ziemlich bald merkte, dass Farbbilder mir ein zuviel an Information darstellen, fing ich an, auf Schwarzweißfilm zu fotografieren. Für mich war das Minimale - die Reduktion auf das Wesentliche - faszinierender als jegliche Farben. Deshalb nutze ich Farbfilme heute eher selten.

Was macht für Dich die Faszination Porträtfotografie aus?

Für mich machen die Begegnungen, die Gespräche, die gemeinsamen Erlebnisse, das Zusammenwirken, das was letztlich zum Porträt führt, die Faszination aus. Es ist spannend, mit dem Menschen vor der Kamera zu arbeiten, ihn vielleicht auch erst dadurch (anders) kennenzulernen, etwas aus ihm heraus zu kitzeln, was einen Blick in seine Seele ermöglicht.

Welche Teile Deiner Ausrüstung sind für Dich bei dieser Art der Fotografie unentbehrlich und warum?

Das Wichtigste ist mein Auge. Das entscheidet über Bildgestaltung und Auslösezeitpunkt. Letztlich ist es egal, mit welcher Kamera, welchem Objektiv oder Stativ ein Fotograf arbeitet. Ohne ein gutes Auge, gibt es kein gutes Motiv.

Was sind Deine Lieblingsmotive und warum?

Meine Lieblingsmotive sind die des alltäglichen Lebens. Ich denke, dass der Alltag als Motiv am meisten unterschätzt wird. Ich finde diese alten Fotos von Straßenszenen, vom Familienleben oder der Arbeit unheimlich spannend. In ihnen gibt es so viel zu entdecken, was im Gedächtnis mit der Zeit verblasst.

Der gegenwärtige Alltag wirkt im Vergleich so nichtssagend. Man bemerkt nicht, wie die Zeit an einem vorbeirast und die Schönheit des Moments ungewürdigt bleibt. Auf einmal ist der Alltag von heute der von vor zehn Jahren, und man ärgert sich, dass man nicht damals schon mehr von den jetzt interessant wirkenden Szenen fotografiert hat.

Wie gehst Du ein Thema an?

Ich bin grundsätzlich ein eher spontaner Typ, der nicht wirklich etwas plant. Deshalb ziehe ich immer mit einem Rucksack voller verschiedenformatiger Kameras los, um kein Motiv zu verpassen. Vieles entwickelt sich dann während des Fotografierens. Einige Ideen zu Bildserien kommen erst, wenn schon erste Fotos entstanden sind oder zufällig Kontakte geknüpft werden. Oft fotografiere ich Leute, die von ihren Hobbies erzählen, oder sie kennen jemanden, der irgendetwas Interessantes macht, was dann wieder meine Neugier weckt.

Jörn Stubbe Gewehr

© Jörn Stubbe

Du hast Dich im Oktober 2003 in der fc registriert. Wie bist Du zur fc gekommen und welche Funktionen der fc schätzt Du besonders?

Ich bin damals über einen Bekannten zur fc gekommen, der bereits aktiv Mitglied war. Was ich besonders an der fc schätze, ist die Möglichkeit des Austausches abseits des reinen Bilderhochladens. Die Funktion der Fotomail ist sehr gelungen, da man so im eng begrenzten Bereich ein Foto diskutieren kann.

Holst Du Dir auch Anregungen in der fc? Und welchen Einfluss hat die fc auf Deine Fotografie?

Zu Beginn meiner Mitgliedschaft hat mich die fc sehr beeinflusst. Auf einmal entstanden Kontakte zu Fotografen, die sonst kaum möglich gewesen wären. Der Blick über den Tellerrand des eigenen Schaffens war sehr inspirierend. Die Fotografen, zu denen ich heute noch engen, auch persönlichen Kontakt pflege, lernte ich damals kennen. Dadurch habe ich angefangen, meine Filme selbst zu entwickeln und meine Dunkelkammer wieder zu beleben.

Es war sehr spannend, Fotografen gleicher Gesinnung zu treffen. Heute spielt die fc für mich keine so große Rolle mehr. Mir reicht der Gedankenaustausch von Angesicht zu Angesicht mit von mir geschätzten Fotografen. Dieser ist um vieles wichtiger geworden, als die Präsentation in einer virtuellen Community.

Hast du fotografische Vorbilder und wenn ja welche?

Vorbilder hab ich nicht, da Vorbild etwas von "Nachmachen wollen" hat. Ich versuche stattdessen, meinen eigenen Stil zu finden. Aber es gibt natürlich Fotografen, deren Fotos ich mir gerne anschaue: Jock Sturges, Henri Cartier-Bresson, Robert Cappa, Sebastiao Salgado, Sally Mann, Richard Avedon, Anton Corbijn, Albert Watson und einige mehr.

Was macht Deine persönliche Handschrift aus?

Ich bin ein Freund von unaufgeregten und natürlichen Motiven. Ich mag es reduziert und fotografiere den Menschen, wie er ist. In der Regel verändere ich ihn nicht für ein Foto. Ich mag das Authentische und Hintersinnige, die Persönlichkeit hinter der Fassade.

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