Kampf der Grafik-Erlkönige

ATIs HD 2900 XT gegen Asus GeForce 8800 Ultra

AMD/ATI will mit neuer GPU zum Hammer Preis die Krone im DirectX 10 Segment zurück erobern. Wir haben untersucht, ob sich ATIs Radeon HD 2900 XT gegen Asus neue GeForce 8800 Ultra behaupten kann.

ATIs HD 2900 XT gegen Asus GeForce 8800 Ultra

© Archiv

ATIs HD 2900 XT gegen Asus GeForce 8800 Ultra

Etwas mehr als ein Jahr ist es mittlerweile her, dass ATI die letzte wirklich neue Grafikkarten- Serie präsentierte. Die Rede ist von der ATI Radeon X1900 XT, die jetzt von Karten mit dem Nachfolgechip R600 abgelöst wird. Die High-End-Variante trägt den Namen Radeon HD 2900 XT und soll in den nächsten Wochen den Markt überschwemmen.

ATI/AMD konnte uns ein frühes Exemplar der HD 2900 XT zur Verfügung stellen, das wir ausführlich unter die Lupe genommen haben. Außerdem bekamen wir von Asus die erst am 15 Mai vorgestellte GeForce 8800 Ultra vorab, so dasswir die Kontrahenten direkt vergleichen konnten. Dabei haben wir nicht nur die Architektur durchleuchtet, sondern auch die Bildqualität und natürlich die Performance.

ATI HD 2900 XT

Wie hoch die Erwartungen an ATI sind, zeigten die vielen Gerüchte, die im Vorfeld der Veröffentlichung im Internet kursierten. Und wie Gerüchte nun mal sind, machten sie sich schnell selbstständig. So wurde von unendlich hoch klingenden Taktraten, abstrus vielen Shadereinheiten, verwirrenden GRAMGrößen und weiterem gemunkelt. Die Realität sieht wie so oft nüchterner aus.

In Wirklichkeit stecken unter der Haube des R600 64 Streaming-Prozessoren, die die ehemals getrennten Shader der klassischen Architektur ablösen. Anstatt Pipelines zählt man mit DX10 künftig Prozessing Units und macht die Abarbeitung von Grakfikdaten deutlich flexibler und schneller. Die sogenannte Unified-Shader-Architektur ermöglicht es, jeden Prozessor sowohl für Vertexals auch Pixel-Shader-Aufgaben zu verwenden. Somit kann es nicht passieren, dass zum Beispiel der Pixel-Shader brach liegt wenn ein Spiel zum Zeitpunkt X mehr Vertices berechnen muss - und umgekehrt. Den meisten Spielen sollte dies einen deutlichen Leistungsschub bringen. Dazu kommt, dass die Streaming-Prozessoren jeweils fünf Processing-Units beinhalten, so dass pro Taktzyklus gleich mehre Daten berechnet werden können. ATI nennt diese Einheiten 5 Way Super Scalar Stream Units. Um auf den Packungen zu protzen, multipliziert AMD/ATI die 64 Streaming Prozessoren mit den Processing Units und kommt so auf werbewirksame 320 Stream Processing Units. Hergestelltwird die ATI Radeon HD 2900 XT im 80-nm-Prozess, die restliche X2000-Serie sogar in 65 nm. Der Chiptakt beträgt bei der Radeon HD2900 XT 750 MHz, der Speichertakt 825 MHz. Angebunden wird der Speicher über einen 512 Bit breiten Bus, der einen theoretischen Durchsatz von 106 GB/sec ermöglicht.

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Vista-Benchmarks im Vergleich

Was die Transistorenzahl angeht, ist ATI derzeit führend: Stolze 700 Millionen Transistoren zählt der R600. Zum Vergleich: Die GPU der Nvidia 8800 GTX schafft es mit 681 Millionen nur auf den zweiten Platz. Dessen Vorgänger-Kern G70 wirkt mit seinen gut 278 Millionen Transistoren dagegen geradezu rudimentär.

Basierend auf der Technologie, die auch in der XBox 360 zum Einsatz kommt, verfügt die HD 2000 Serie über eine programmierbare Tessellationseinheit. Somit können Spielehersteller viel gröbere Modelle ins Spiel einfügen - für die passenden Rundungen sorgt die Einheit. Als Tessellation übrigenswird der Prozess der Konvertierung von gebogenen Linien in eine Reihe von Liniensegmente, die der ursprünglichen Kurve entsprechen, bezeichnet. Diese Idee wird auf dreidimensionale Objekte ausgeweitet, indem die gebogenen Oberflächen in Polygone konvertiertwerden, die der Oberfläche entsprechen. Der Softwareentwickler kann zwischen Leistung und Qualität abwägen. Eine höhere Tessellation erzeugt mehr Polygone und somit eine bessere Qualität, was aber zu Lasten der Leistung geht.

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Die AMD/ATI Werbefigur, Rubi, ist mit DirectX-10-Shadern ausgestattet.

Wie für die DirectX 10-Zertifizierung verlangt, bietet der R600-Chip 128-Bit und 64-Bit Gleitkomma-HDR (High Dynamic Range) mit bis zu 24-fachem Anti Aliasing. HDR bereichert die Beleuchtung der Szenen mit realistischen Effekten wie korrekter Schattendarstellung und detailreicheren Grauwerten. Mit HDR erkenntman auch noch Strukturen zum Beispiel unter einem Fenstersturz oder unter dem Kinn einer Spielfigur. Kurz: Helle Elemente werden brillanter, ohne dunkle Flächen zu verwischen.

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Das neue Custom Filter Anti Aliasing (CFAA) ermöglicht es momentan eine Kantenglättung von bis zu 24 Fach. CFAA glättet sogar komplexe Strukturen wie Hochspannungsleitungen oder Zäune.

Nagelneu ist das so genannte Custom Filter Anti Aliasing (CFAA). Dieses funktioniert ähnlich wie Nvidias Transparent Anti Aliasing und sorgt für Kantenglättung auf komplexen Strukturen wie zum Beispiel Hochspannungsleitungen oder Zäunen. Ein weiterer Vorteil: CFAA lässt sich per Software aktualisieren. So könnte es möglich sein via Treiber-Update auf 30faches AA zu erweitern.

Als eine völlige Neuheit für eine Grafikkarte bringt die HD 2900 XT nicht nur Hardware-Unterstützung für HDMI mit, sondern auch eingebaute Sound-Logik. Damit kann man dann ein HDMIDisplay mit nur einem Kabel mit Bild und Ton versorgen und muss nicht die Grafikkarte intern mit der Soundkarte verbinden. Das High Definition Multimedia Interface (HDMI) ist die erste volldigitale Schnittstelle, die neben digitalen Videodaten auch digitale Audiodaten überträgt. In der HDMI-Spezifikation ist auch der Kopierschutz HDCP vorgesehen, ohne den in HD-Auflösung so gut wie nichts geben wird. Alle R600-Karten werden mit einem HDMI-Dongle ähnlich einem DVI zu D-Sub-Adapter ausgeliefert.

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Die HD2000-Serie wird standardmäßig mit einem HDMI-Dongle ähnlich wie der DVI zu VGA Adapter ausgeliefert.

Kühlung und Lautstärke

Die Radeon HD 2900XT wird wie die X1950 XT als Zwei-Slot-Lösung gefertigt. Vom Design und vom Aufbau her ähnelt der Kühlkörper der X1950. Allerdings wurden diesmal Heatpipes verbaut. Wie auch beim Vorgänger wird ein Radial-Lüfter eingesetzt, der die Luft durch die Kühlrippen aus dem Gehäuse bläst. Der Lüfteranschluss ist allerdings nicht mehr mit drei, sondern vier Adern ausgestattet. Die vierte Leitung wird für die dynamische Lüftersteuerung verwendet. Das bedeutet, dass je nach Temperatur die Drehzahl des Lüfters angehoben beziehungsweise gesenkt werden kann. Im Test war der Lüfter im Leerlauf kaum hörbar. Unter Volllast wurde er allerdings laut und lästig. Obwohl das Kühlsystem optimal und üppig dimensioniert ist, wird der Kühlkörper sehr heiß. Offenbar nimmt ATI höhere Temperaturen in Kauf um die Lautstärke in Grenzen zu halten. Sogar das Plastikgehäuse erreicht unter Volllast 62 Grad. Die Rückseite der Platine lässt sich schon nicht mehr anfassen: Wir maßen im Labor fast 70 Grad.

Fazit zum Test

Egal wie viele Shader und Units eine Karte hat - entscheidend ist die Leistung, die sie bringt. Unsere Messergebnisse bescheinigen der neuen Radeon HD 2900 XT ein vernichtendes Urteil. Dort rangiert sie auf gleicher Höhe mit einer Geforce 8800 GTS, doch weit abgeschlagen hinter der Geforce 8800 Ultra. Fairerweise muss gesagt werden, dass wir überwiegend mit gebräuchlichen DX9 Spielen getestet haben, da es noch keine DX-10-Spiele mit zuverlässigen Benchmarks gibt. Das wird sich in Zukunft ändern und dann könnten die 5-Way-Processing-Units ein paar mehr Frames herausholen, aber auch das wird nicht reichen um an nVidias Flaggschiff heranzureichen. Das "schafft" die HD 2900 XT nur in Punkto Stromverbrauch, wo sie fast 40 Watt mehr verbraucht als die Geforce 8800 Ultra.

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Letztendlich bleibt eine Frage im Vordergrund: Welcher Chip ist noch bezahlbar. Die Radeon soll cirka 350 Euro kosten und bietet somit ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Geforce 8800 Ultra kostet mit rund 700 Euro das Doppelte. Als preislicher Konkurrent ist ohnehin die 8800GTS/640MB zu nennen, die auch in Punkto Leistung im gleichen Bereich liegt.

Ob ATI doch mit einer XTX Version die Krone erobert steht derzeit in den Sternen. Doch man muss davon ausgehen das ATI in der nächsten Zeit ein Highend Produkt nachlegt, denn die HD 2900 XT wird diesem Anspruch nur im Vergleich zu ATIs übrigen Produkten gerecht.

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Technische Daten aktueller Grafikkarten

Gerüchten zufolge soll es eine Dual-Chip-Lösung geben. Ob es sich dabei um zwei Karten auf einem PCI-E-Slot handelt (wie bei der 7950GT2) oder einen Dual Core-Chip handelt ist ebenfalls noch Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Was von denen zu halten ist, hat der Rummel um ATIs neues Flaggschiff ja schon gezeigt. nVidias Entwickler dürften bis dahin ruhig schlafen.

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