Tipps und Tricks

Astrofotografie: So fotografieren Sie den Nachthimmel

Nachthimmel – kaum jemand, der ihn anschaut, kann sich seiner Faszination entziehen. Durch den Fortschritt der Technik können schon Einsteiger die Wunder des Weltalls auf Chip bannen. fc-Astrofotograf Bernd Weinzierl zeigt eine Auswahl seiner Himmelsfotos und verrät die besten Tipps.

  1. Astrofotografie: So fotografieren Sie den Nachthimmel
  2. Professionelle Astrofotografie
Sternbild mit Objekt NGC6960 aufgenommen

© Bernd Weinzierl

Objekt: NGC 6960, der Sturmvogel in Bicolor Ha=R, OII=G und B; Belichtung: 6*10 min Ha, 6*10 min OIII, je 3*2 min RGB für die Sternfarben; Optik: 8“ TS Fotonewton; Kamera: Moravian G2 8300 FW bei -20 °C; Montierung: Losmandy G11 – FS-2; Guiding: Alccd5 auf Williams Megrez 72, PHD; Bildbearbeitung: CCDStack 2, Photoshop CS5

Es sind wohl unsere Neugier und Fantasie, die sich vom Wunder des Universums faszinieren lassen und ein gewisses Fernweh auslösen, um es zu entdecken. War die Astrofotografie früher noch einem auserwählten Kreis spezialisierter Experten vorbehalten, ist sie durch den Fortschritt in der fotografischen Technik im Bereich der Amateurfotografie angekommen. Obwohl es preislich nach oben kaum Grenzen gibt, lässt sich auch schon mit einfachen Mitteln Astrofotografie betreiben. In der Astrofotografie sind grundsätzlich zwei Herausforderungen zu meistern: Die Objekte, die abgelichtet werden sollen, sind meist sehr lichtschwach. Zum anderen dreht sich die Erde, und damit scheinen sich die Sterne über den Himmel zu bewegen. Beides spielt eine Rolle, wenn man länger belichten und mit längeren Brennweiten arbeiten muss. Die Sterne werden bei zunehmender Belichtungszeit immer mehr zu "Eiern" beziehungsweise "Strichspuren".

Tipp 1: Den Mond fotografieren

Beginnen wir mit der einfachsten Art, Astrofotografie zu betreiben. Dazu reichen eine Kamera, ein Stativ und ein Fernauslöser. Ziel könnte mit mehr Brennweite unser nächster Nachbar im All sein: der Mond. Wer mit 200 mm Brennweite oder mehr auf den Erdtrabanten hält, wird bereits einige Details entdecken können. Er ist hell genug, um selbst bei ISO 100 noch Belichtungszeiten zu erlauben, die keine Nachführung notwendig machen, und bietet normalerweise die Möglichkeit, mit Autofokus vernünftig zu arbeiten. Sofern der Mond noch nicht voll ist, kann man hier durchaus mit den verschiedensten Belichtungszeiten experimentieren, um auch den dunklen Anteil schön sichtbar zu machen und vielleicht mehrere Belichtungen wie in der HDR-Fotografie zu überlagern. So lassen sich auch ohne Teleskop sehr schöne Effekte erzielen.

Halbmond

© Bernd Weinzierl

Belichtung: nicht verfügbar; Optik: TS 8“ Fotonewton Kamera: Canon EOS 400 D; Montierung: EQU-6 Skyscan Bildbearbeitung: Photoshop CS 3

Tipp 2: Die Milchstraße fotografieren

Die zweite Möglichkeit bietet sich an, wenn die Milchstraße am Himmel sichtbar ist. Hier sollte man mit ruhendem Stativ auf kurze Brennweite setzen. Experimentieren ist angesagt, wenn es darum geht, wie lange belichtet werden kann, ohne Eiersterne zu bekommen. Es sollte so im Bulb-Modus aber möglich sein, einige Sekunden zu belichten und zu staunen, was alles am Himmel sichtbar wird. Wichtige Parameter sind die Blende (wenn möglich mit Offenblende arbeiten: je mehr Licht, desto besser) und die ISO-Einstellung.

Sirius über dem Erzgebirge

© Bernd Weinzierl

Der helle Stern ist Sirius, darunter ist der offene Sternhaufen Messier 41 zu sehen. Canon 6D mit Tamron 24-70mm f/2.8 LD Aspherical. 70 mm, ISO 6400, Blende 4, 6 s.

Je nach Kamera muss man abwägen, wann das Rauschen im Bild störend wird. "Ich mache Widefield-Aufnahmen meistens im Bereich von ISO 800 bis 1600", sagt Bernd Weinzierl. Die wahre Herausforderung ist das Scharfstellen. Am Stern wird der Autofokus im Regelfall nicht funktionieren, also muss man manuell fokussieren. "Meiner Erfahrung nach ist Fokussieren durch den Sucher unzureichend, aber im Live-View auf einen sehr hellen Stern zu zoomen funktioniert ganz gut.

Will ich aber wirklich ein fokussiertes Bild am Sternenhimmel, verwende ich entweder Smartphone/Tablet mit entsprechender App oder einen Laptop, der das Livebild der Kamera groß darstellt, damit ich die Schärfe besser beurteilen kann."

Tipp 3: Sternbilder fotografieren

Wer sich jetzt mit dem Astrovirus infiziert hat, wird den nächsten Schritt gehen und Sternbilder aufnehmen. Weil dazu längere Belichtungszeiten notwendig sind, braucht man eine Montierung. Im Prinzip wird die Montierung möglichst parallel zur Erdachse ausgerichtet. Sie führt die Kamera mit der gleichen Geschwindigkeit nach, mit der sich die Sterne über den Himmel bewegen.

Sternbilder mit Cassiopeia Canon 450 aufgenommen

© Bernd Weinzierl

Cassiopeia Canon 450, Tamron SP AF17-50 mm f/2.8 LD Aspherical, 50 mm, ISO 800, Blende 5, 40*6 min, nachgeführt auf Vixen Polarie

Für den Einstieg gibt es Reisemontierungen oder Tracker als sehr günstige Lösungen. Diese kleinen Montierungen lassen sich noch auf einem robusteren Fotostativ befestigen. Sie eignen sich für Brennweiten bis zu 200 mm und Belichtungszeiten um die 5 Minuten, je nachdem, wie genau man die Montierung am Pol ausgerichtet hat. Motive, die sich in der Milchstraße befinden, oder größere Sternbilder kann man mit dieser Methode schon sehr schön ablichten.

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