Ratgeber: "Roboter-Forschung"

Androiden und Roboter mit Bewusstsein

  1. Wie Roboter unser Leben prägen
  2. Androiden und Roboter mit Bewusstsein

Androiden: Erschreckend menschlich

Doch was ist mit den Robotern, wie wir sie uns in all den Büchern und Filmen vorstellen? Menschenähnliche Wesen, mit denen wir interagieren können? Solche so genannten Androiden (Griechisch aner, Mensch und eidos, Gestalt, also menschenförmig) sind ein weiterer, spannender Entwicklungszweig in der Robotik.

roboter, ki

© Hersteller/Archiv

Ist der echt? Der Androide Jules kann eigenständig mit seiner Umgebung interagieren. Die Menschenähnlichkeit ist verblüffend.

Der Roboter Jules von Hanson Robotics erkennt mit seiner Software beispielsweise Gesichtszüge und die Tonlage der Menschen in seiner Umwelt und interagiert mit ihnen scheinbar völlig eigenständig. In den 2006 veröffentlichten Videos auf ihrem YouTube-Kanal (www.youtube.com/user/evbruiser/videos ) spricht der Androide etwa seinen "Kollegen" Dave auf seine schwermütige Stimmung an und empfiehlt, seiner Frau doch einen Strauß Blumen mitzubringen, damit der Haussegen nicht schief hängt.

Genauso erstaunlich wie die Art, wie Jules das Gespräch führt, ist die Ausarbeitung seiner Gesichtszüge. Oft sehen wir in das Gesicht eines Androiden und erkennen uns dort nicht wieder. Irgendetwas stimmt nicht daran und entlarvt seine Künstlichkeit. 

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Künstler und künstliche Intelligenz in einem: Das kreative Computer-Programm AARON erschafft seine Gemälde ohne äußeren Input.

Diesen Effekt, der nicht zuletzt sogar als gruselig empfunden wird, nannte der japanische Robotiker Masahiro Mori "Uncanny Valley" (Unheimliches Tal). Roboter können die menschlichen Züge und die zahlreichen, unwillkürlichen Bewegungen hunderter Muskeln unter der Gesichtshaut selten perfekt genug reproduzieren. Wir als Mensch erkennen diese Abweichungen unterbewusst und entwickeln eine natürliche Aversion dieser falschen Person gegenüber. Durch Bewegung wird der Uncanny-Valley-Effekt noch verstärkt.

Roboter mit Ich-Bewusstsein?

Ständig fordert uns die Forschung heraus, unsere Vorstellung von Technik zu überdenken. Das Programm AARON, ist dazu fähig, selbsttätig Gemälde zu erstellen und bezieht sich dabei auf eine Datenbank, die grundlegendes Wissen über menschliche und pflanzliche Physiologie bereit hält.

Doch die eine Grenze, die den Menschen von der Maschine unterscheidet, galt stets als unüberschreitbar: ein Ich-Bewußtsein, also die Erkenntnis, die Außenwelt als etwas von sich Getrenntes zu betrachten. Diese Selbsterkenntnis ist nur wenigen Spezies vergönnt - Menschen ab dem 15. Lebensmonat, Menschenaffen, Elefanten, Delphine und... vielleicht auch einem Roboter namens Nico - jedenfalls tut er so.

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Der Humanoide wurde 2007 an der renommierten Yale Universität von den Wissenschaftlern Kevin Gold und Brian Scassellati entwickelt. Wenn er zum Beispiel seinen Arm hebt, erfassen Bewegungssensoren diese neue Körperstellung und vergleichen sie mit dem Bildnis im Spiegel. Stimmen diese überein, interpretiert Nicos Software dies als "Selbst" im Gegensatz zu den Kategorien "Andere" und "Weder noch". Nico wird deshalb als bedeutender Meilenstein der Wissenschaft angesehen.

Doch kann man das schon als Ich-Bewußtsein bezeichnen? Im Gegensatz zu den oben erwähnten Tieren kann der Humanoide keine Änderungen an sich selbst vornehmen, wie etwa Schimpansen, die mithilfe des Spiegelbilds ihre Zähne putzen. Dennoch könnten dadurch womöglich zukunftige Roboter Sachverhalte sehr viel schneller und einfacher durch Imitation erlernen.

Interview: Prof. Dr. Günther Palm

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Prof. Dr. Günther Palm, Leiter des Instituts für Neuroinformatik der Uni Ulm

PCM: Wie weit sind wir von Zukunftsvisionen wie in Blade Runner entfernt?

Palm: Ich denke, dass es noch lange dauern wird, bis man Roboter entwickeln kann, die im Verhalten und der Intelligenz - nicht nur im Aussehen - mit dem Menschen vergleichbar sind.

PCM: Wie bewerten Sie Roboter wie Jules in dieser Hinsicht?

Palm: Mit dieser KI bin ich nicht vertraut. Nach Ihrer Beschreibung erinnert Jules aber verdächtig an Konversationsprogramme wie ELIZA, die in der Anwendung überzeugen, wo aber technisch wenig dahinter steckt. Man neigt oft dazu, mehr Intelligenz hinein zu interpretieren als überhaupt da ist.

PCM: Wie lange dauert es, bis Computer eigenständig lernen?

Palm: Das kommt darauf an, wie man "eigenständig" definiert. In einem vom Menschen vorgegebenen Kontext ist dies durchaus schon jetzt denkbar. Dabei spielt Zeit eine weniger bedeutende Rolle als die Forschungsgelder, die in ein solches Projekt investiert werden.

PCM: Wie wird die Menschheit mit dem Potenzial künstlicher Intelligenz in Zukunft umgehen?

Palm: Die Leute werden Wert darauf legen, Computer und Menschen unterscheiden zu können. Autonome Systeme werden bewusst menschenunähnlich gebaut werden. Diese müssen natürlich möglichst ungefährlich sein, das heißt klein, weich und harmlos. Noch bedenklicher sind da Systeme in Flugzeugen oder im Auto, wenn nicht mehr klar ist, inwieweit der Mensch noch die Kontrolle hat. KIs und Robotern möchte man schon aus ethischen Gründen keine Verantwortung übertragen. Vollkommen autonome Systeme sind uns daher noch zu unheimlich.

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