Spielen mit Android

Smartphone und Tablet zur Spielkonsole machen - so geht's

Wir zeigen, wie Sie Ihr Android Smartphone oder Tablet mit nur wenig Aufwand in eine mobile Spielkonsole verwandeln, die Nintendo Wii und Sony Playstation Konkurrenz macht. Android ist nichts für Spielereien? Von wegen!

Wir zeigen, wie Sie aus Android-Geräten Spielkonsolen machen.

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Wir zeigen, wie Sie aus Android-Geräten Spielkonsolen machen.

Android-Smartphones und -Tablets können auch mit den besten mobilen Spielkonsolen mithalten und sind nicht nur für Widgets, E-Mail und zum Surfen und Fotografieren gedacht. Zigtausende Spiele-Apps sowie Emulatoren und andere Dienste warten nur auf Sie! 

Denn vorbei ist die Zeit, als Android-Geräte nur den Super-Nerds vorbehalten waren. Mit dem Angebot von mächtigen Geräten wie dem Samsung Galaxy S4, dem HTC One und Googles eigenem Nexus 4 auf der Smartphone-Seite und dem Samsung Galaxy Tab 3, dem Sony Xperia Tablet Z und dem Google Nexus 10 auf der Tablet-Seite ist Androids Popularität geradezu explodiert. Trotz dieser Entwicklung bleibt bei vielen Menschen der Eindruck, dass Android - zumindest was Spiele angeht - dem iPhone hinterherhinkt.

Dass Raubkopien, zu wenig Apps und zu verschiedene Hardware-Spezifikationen von Gerät zu Gerät die Entwicklung von Android-Spielen behindern. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wenn Sie ein Android besitzen und das Gerät keine 18 Monate auf dem Buckel hat, stehen die Chancen gut, dass Sie ein Gaming-Wunderwerk in der Tasche haben und es nur noch nicht wissen. Mit den folgenden Tipps verwandeln Sie Ihr vermeintlich bescheidenes Gerät in eine Spielekiste.

Fundgrube Google Play

Google Play ist für die meisten die offensichtlich erste Anlaufstelle für Spiele - und das zu Recht. Googles App-Laden bietet mittlerweile meist die gleichen Spiele wie Apple. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Kult-Hit Angry Birds in der neuesten Star-Wars-Edition, in der Sie die Geschichte von Luke und Darth Vader nachspielen können. Oder Arcane Legends, wo Sie als Krieger, Zauberer oder Gauner gegen Fantasy-Schrecken kämpfen. 

Auch von Mainstream-Spielen, die man von der Playstation 3 oder Xbox 360 kennt, gibt es mobile Ableger: das Weltraum-Horrorspiel Dead Space, Grand Theft Auto und viele, viele mehr. Sie _ nden sogar einige Exklusivspiele, die nur auf Android zu haben sind. Die geradezu süchtig machenden Spiele von Kairosoft etwa, von denen nur einige wenige den Weg zu Apple gefunden haben. 

Viele Android-Benutzer greifen im Gegensatz zu Apple-Fans eher nach Raubkopien, statt auf die kostenpflichtige Version. Das ist bei Spielen nicht anders, da illegale Versionen sich für das offene Betriebssystem viel leichter kopieren lassen. Die alternativen App Stores, von denen man die Raubkopien bekommt, sind jedoch auch ein Risiko für PCs und Mobilgerät. Drive-by Downloads, Würmer und andere Malware fängt man sich auf solch dubiosen Seiten am schnellsten ein. Außerdem kosten die meisten Spiele bei Google Play weit unter fünf Euro, was das Risiko der Infizierung unverhältnismäßig hoch macht. 

Die anderen Spiele-Entwickler, die entweder beim iPhone bleiben oder ihre Spiele erst später zu Android portieren, nennen meist Angst vor Umsatzeinbußen infolge von Raubkopien als wichtigsten Grund für ihr Handeln. Je mehr Benutzer aber Android-Spiele kaufen, desto weniger fällt dieses Argument ins Gewicht. Es lohnt sich also, Spiele-Schmieden zu unterstützen, wenn Sie auch in Zukunft die ausgefeiltesten Spiele auf Android zocken wollen.

DOSBox Manager

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Mit dem DOSBox Manager packen Sie all Ihre Retro-Spiele von DOSBox Turbo als Links in die App.

Retro ist King

Sagen wir, Sie wollen etwas Umfangreicheres spielen als die meisten mobilen Games bieten können. Oder einen Klassiker aus Ihrer Jugend, der - aus welchen Gründen auch immer - nicht im Play Store vorhanden ist. Das Tolle an Android ist, dass Sie all diese Erinnerungen von früher nun ganz neu erleben können. 

Denn alte Spiele waren auf alte Monitore mit niedrigen Auflösungen ausgelegt. Wenn Sie diese heute auf HDTFTs spielen, werden die Pixel so sehr auseinandergezogen, dass man sie buchstäblich zählen kann. Auf kleinen Tablet- oder Smartphone-Bildschirmen haben Sie das Problem nicht - und Sie profitieren zusätzlich von den tollen Farben moderner Bildschirmtechnologie. 

In so schönem Gewand haben Sie Ihre alten Spiele wahrscheinlich noch nie gesehen. Zwei der beliebtesten Arten, alte PC-Spiele auf neuen Geräten zu spielen, gibt es auch auf Android. DOSBox für Spiele aus der DOS- und Windows-95-Ära und ScummVM für alte Adventure-Spiele

Für DOSBox gibt es die App DOSBox Turbo for Android (2,99 Euro, Download) und dessen kostenlose Erweiterung DOSBox Manager mit der Sie Verknüpfungen zu jedem Ihrer Spiele auf DOSBox Turbo in einer Linksammlung zusammenfassen können. Somit können Sie Spiele mit nur einem Klick starten, statt die immer gleichen Textkommandos eingeben zu müssen. 

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Eine komplette Anleitung, wie Sie DOS Turbo verwenden, würde hier den Rahmen sprengen, deshalb hier lieber der Verweis auf die Workshops der offiziellen Webseite. Ein etwas einfacherer Emulator für alte Spiele ist ScummVM, den Sie kostenlos auf Google Play bekommen. Er wurde zunächst entwickelt, um die Umgebung für alte LucasArts-Adventures auf neuen Maschinen herzustellen. Die Kompatibilität wurde aber in den letzten Jahren auf viele weitere Adventure-Spiele erweitert. 

Wenn Sie keine der alten CDs oder Disketten von damals mehr zur Verfügung haben, aber trotzdem Ihre Apps mit Spielen füttern wollen, dürfte die erste Anlaufstelle die Webseite Good Old Games sein. Der Dienst ist vergleichbar mit dem Cloud-Spieleangebot Steam. Nur spezialisiert sich GOG, wie der Name schon sagt, auf alte Spiele. Der Großteil des GOG-Angebots ist kompatibel mit DOSBox, Sie kopieren die Spiele einfach auf ein Verzeichnis Ihres Androiden, damit die App sie erkennen kann. Hier allerdings eine kleine Warnung:

Informieren Sie sich im Vorfeld, was für eine Art von Spiel Sie auf Ihr Gerät kopieren. Wenn Sie nämlich mit dem Touchscreen spielen wollen, empfiehlt es sich nicht, Spiele aus den Genres Echtzeitstrategie wie Warcraft oder Egoshooter wie Doom zu spielen. Höchstwahrscheinlich sind Ihre Touch-Eingaben dafür zu langsam, was den Spielspaß enorm behindern kann. Stattdessen empfehlen wir lieber Pointand-Click-Adventures wie Monkey Island oder Rundenstrategie wie Civilization. Außer natürlich, Sie wollen einen Controller benutzen...

Ein Tablet mit Controller

Es klingt erst einmal verrückt. Warum sollte man einen externen Controller für ein Mobilgerät benutzen? Die neue Android-Hardware ist mittlerweile aber durchaus in der Lage, Spiele grafisch so gut darzustellen, dass sie aussehen wie auf Gaming-Plattformen wie dem Nintendo DS oder der Playstation Portable. 

Oft fühlen sie sich trotzdem einfach nicht richtig an - und das liegt zumeist an den fehlenden Controllern beziehungsweise der fehlenden Maus. Viele neue Spiele und Umsetzungen alter Spiele versuchen, das mit innovativen Ideen auszugleichen. Zum Beispiel Rennspiele, die sich mit dem Smartphone oder Tablet als Lenkrad steuern lassen, indem man sie nach links und rechts neigt, um die Kurve zu kriegen. 

Spiel

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Aufgesetzte Knopf-Layouts der Konsole nehmen viel Platz auf dem Bildschirm ein und lenken ab. Nutzen Sie lieber einen PS3-Controller!

Dennoch bleibt die Präzision konventioneller Eingabegeräte unerreicht. Der Anschluss eines Controllers oder sogar einer Computermaus stellt sich als erstaunlich einfach heraus. Wenn die Geräte Bluetooth-fähig sind und keine zusätzlichen Treiber benötigen, können Sie sie ganz einfach in Ihren Android-Einstellungen als neue Geräte anmelden und direkt damit loslegen. Bei Mäusen stellt Android automatisch einen Mauszeiger dar, mit dem Sie wie auf einem normalen Desktop-PC navigieren.

Wenn Sie zu diesem Zweck keinen neuen Controller kaufen wollen, benutzen Sie doch einfach einen Konsolen-Controller. Für die Playstation 3 benutzen Sie am besten die App Sixaxis Controller (1,94€, Download). Allerdings muss Ihr Gerät dafür gerootet sein. Genauso funktioniert die App Wii Controller IME (2,27€, Download). Xbox-360-Controller funktionieren leider nicht über Bluetooth, sondern benutzen einen Microsoft-eigenen Standard, sodass der Anschluss eines kabellosen Modells komplizierter ist. 

Wer aber einen Xbox-360-Controller mit USB-Anschluss hat, kann sich einfach ein USB-OTG-Kabel ab 4 Euro aus dem Elektrofachhandel holen und direkt an das Android-Gerät anschließen.

Das leidige Stromproblem

Der größte Nachteil mobiler Spiele auf Android ist ohne Frage die Akkuleistung. Viele Telefone halten selbst bei gelegentlichem Gebrauch nicht einmal einen ganzen Tag mit einer Ladung durch. Wenn Sie dann auch noch 3D-Grafik darstellen wollen, können Sie Ihrem Akku eigentlich beim Entladen zuschauen. 

Daher ist bei grafisch aufwendigen Spielen dringend ein größerer Akku zu empfehlen, wenn sich der Akku Ihres Geräts entfernen lässt - oder Sie kaufen sich ein externes Akku-Ladegerät, was Sie zwischen zwanzig und fünfzig Euro kosten kann. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass die Kapazität für mehrere Akku-Füllungen reicht.

Externer Akku

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Ein zusätzliches Batteriepack versorgt mehrere Geräte und sorgt dafür, dass Ihnen nicht kurz vor dem Endgegner der Akku ausgeht.

Für IP-Spoofer: OnLive

Der Dienstleister OnLive ist für Mobil-Gamer geradezu gemacht. Das einzigartige Konzept der Firma ist die Übertragung von Spielen per Stream - und ja, OnLive ist auch mit Android kompatibel. Leider ist der Service bislang nur in den USA und Großbritannien sowie Belgien verfügbar. Solange der Dienst also noch nicht offiziell in Deutschland startet, ist ein VPNDienst, mit dem Sie eine IP aus England annehmen können, ein Muss. 

Wenn Sie das geschafft haben, greifen Sie auf die definitiv beste Grafik zu, die Sie heutzutage auf einem Android-Gerät sehen können. Die Hardware zur Darstellung der Spiele liegt nämlich auf den OnLive-Servern. Sie können das Spiel an Ihrem Ende der Leitung zwar steuern, sind daher aber auf eine schnelle und vor allem stabile Internetverbindung angewiesen, vorzugsweise per WLAN

Eine Controller-Lösung wie oben beschrieben ist auch Pflicht, da alle dort angebotenen Spiele den Konventionen der Konsolenspiele unterliegen und deshalb nur Controller-Eingabe unterstützen. Die Anmeldung bei dem Dienst ist kostenlos. Sie schließen für jedes Spiel, das Sie spielen wollen, aber ein Abo ab, das Ihnen das Spielen für einige Monate ermöglicht. Auch eine Flatrate ist vorhanden.

Konsolen-Nostalgie emuliert

Doch auch der Konsolenmarkt erfährt auf Android eine Wiedergeburt. Android-Geräte können 8-Bit- und 16-Bit-Spiele problemlos nachbilden. Die Vertreter der neuesten Mobilklassen stämmen sogar Vetreter aus der 32-Bit- und 64-Bit-Ära. Der offene Google Play Store bietet hierbei ein weitaus besseres Zuhause für Konsolen-Emulatoren als der App Store mit rigoroser Kontrolle von Apple. 

Und selbst wenn eine Emulator-App irgendwann aus dem Android-Angebot verschwindet, so tauchen schnell ein halbes Dutzend neue auf, die ihren Platz einnehmen. Natürlich bewegen Sie sich hiermit auf dem legalen Spektrum in die falsche Richtung. Lesen Sie deswegen unbedingt den Kasten auf dieser Seite zum Thema Legalität von Emulatoren.

Good Old Games

© Good Old Games

Die besten alten und auch immer mehr neue Spiele zum kleineren Preis finden Sie auf Good Old Games.

Die Rechtslage zu Emulatoren

Ob man Emulatoren und die dazugehörigen ROM-Kopien benutzen darf, wird hitzig unter Spielern diskutiert- sowohl legal als auch moralisch. Zu Ersterem finden Sie hier einen Leitfaden.

ROM oder nicht ROM, das ist hier die Frage

Bei Plattformen wie Super NES werden Spiele auf Datenträger herausgebracht, ROMs genannt (Read Only Memory). Emulatoren lesen die Spieledatei aus und bilden die Konsolenumgebung nach. Eine ROM ist rechtlich gesehen aber auch eine Kopie dieses Spiels. Privatkopien eines Spiels können nach deutschem Recht wie jedes andere Medium problemlos angefertigt werden. Solange Sie diese Kopien im privatem Rahmen verwenden, bewegen Sie sich im legalen Bereich.

Auch die Verwendung von Emulatoren selbst ist eindeutig rechtens. Eventuelle Patentverletzungen betreffen Hersteller, nicht Nutzer.

Sonic

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Da droht einer mit dem Finger: ROMs für populäre Spiele wie Sonic the Hedgehog sind gefragt - doch sind sie auch harmlos und vertretbar?

Der Bezug von ROMs aus offensichtlich illegalen Quellen ist hingegen ausdrücklich verboten. Darin sieht der Gesetzgeber natürlich auch Internetseiten, die diese Spiele kostenlos anbieten.

Private Sicherheitskopien anzulegen, ist jedoch mit den alten Steckmodulen unmöglich. Manche argumentieren, dass das eigens gekaufte Spiel nur durch das Herunterladen einer ROM-Datei gesichert werden kann, was in diesen Fällen die Nutzung von ROMs legitimieren könnte. Präzedenzfälle vor Gericht gibt es keine, da Spielehersteller bislang höchstens gegen die Betreiber von ROM-Seiten vorgegangen sind.

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