Praxis

Analoge Videokassetten digitalisieren

Analoge Videokassetten füllen Schränke und man will sich einfach nicht von ihnen trennen. Mit einigen Kniffen lassen sie sich leicht ins digitale Zeitalter retten.

vhs, kassette, daten

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Sortieren Sie die Bänder vor und finden Sie heraus, welche Videosysteme zur Digitalisierung anstehen. Existiert der alte Videorekorder noch?

Bei VCR, Video2000, Betamax und Video8/Digital8 gibt es keine Neugeräte und nur noch wenig Ersatzteile. Kalkulieren Sie beim Gebrauchtkauf die Kosten für eine Reparatur mit ein. Bei VCR und Video 2000 sind oft mehrere Käufe nötig, um ein funktionstüchtiges Gerät zu ergattern.

Bei VHS-Video sieht es besser aus. Ein gebrauchter S-VHS-Rekorder spielt nicht nur Standard-VHS Bänder ab, sondern hat vielfach noch TBC (Time Base Corrector) und Rauschunterdrückung eingebaut. Der S-VHS-Videoausgang liefert getrenntes Luminanz- und Chroma-Signal. Das bringt bessere Bildqualität.

s-video, camcorder

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Anschlussbeispiel: Verwenden Sie soweit möglich den S-Video-Ausgang am Camcorder. Audio muss getrennt verkabelt werden.

Computer-Hardware

Mit einem kleinen Stick oder einer Box werden die analogen Videosignale digitalisiert und an den Rechner weitergeleitet. Geräte mit Firewire-Anschluss wie der Canopus AVDC-110 und der ADVC-300 (letzterer mit integriertem TBC) werden von allen Schnittprogrammen erkannt, die mit DV-Camcordern kommunizieren können. Sie wandeln das Video in den DV-Codec um, der sich dank seiner geringen Kompression unproblematisch weiterbearbeiten lässt.

Wandler mit USB-Anschluss gibt es in zwei Ausführungen. Die Terratec-Geräte G1 und der G3 sowie die Terratec-Grabster-Serie leiten ebenfalls ein DV-Signal an den Rechner weiter, das Umrechnen in andere Formate erfolgt in der mitgelieferten Magix-Software. Andere Hersteller verbauen einen Hardware-Encoder für MPEG2 oder H.264. Sie senden das hochreduzierte Signal in den PC.

Ratgeber: Analoge Bandaufnahmen restaurieren

Pinnacle Studio Movie Box HD

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Die Pinnacle Studio Movie Box HD läuft über USB, arbeitet intern in DV/HDV-Codec. Die Ultimate Edition bietet umfangreiche Zusatzausstattung.

Elgato geht mit dem Stick Video Capture diesen Weg. Das reduziert enorm die Datenmengen auf der Festplatte und steigert die Geschwindigkeit, weil zeitaufwändiges Umkodieren entfällt. Allerdings sind Bildeingriffe wie Farbfilter und Vergrößerungen bei hochreduzierten Videodaten nicht mehr gut möglich.

Tipp: Wenn Sie Videos professionell nachbearbeiten wollen, digitalisieren Sie diese möglichst ohne Kompression.

s-video, hdmi, kabel

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Kabelbaum: Die Steckkarte Decklink Intensity Pro hat Ein- und Ausgänge für Composite, S-Video, Komponente und HDMI.

Nur mit unkomprimiertem PAL lässt sich eine weitestgehend identische digitale Kopie des Bandes mit allen Reserven erstellen. Dabei enstehen große Datenmengen. Während der DV-Codec etwa 13 GByte Speicherplatz pro Stunde belegt, ist es beim Sendestandard DVCPRO50 bereits das Doppelte. 8 Bit Unkomprimiert entsprechen etwa 70 GByte, 10 Bit unkomprimiert brauchen 93 GByte pro Stunde.

Das setzt einen schnellen Rechner und eine entsprechende Digitalisier-Karte voraus. Hier bietet die Decklink Intensity Pro sehr viel für wenig Geld. Sie kann unkomprimiertes Video in SD und HD aufnehmen. Die Decklink-Treiber benötigen allerdings ein professionelles Schnittprogramm wie Adobe Premiere Pro, Sony Vegas und Apple Final Cut Pro.

Materialsichtung

Entstauben Sie die Kassetten äußerlich, falls nötig. Das schont Mechanik und Köpfe. Aber bitte nicht mit Pressluft - das zerreißt die dünnen Bänder sofort! Tuch oder Pinsel sind die bessere Wahl. Sichten und sortieren Sie dabei die Bänder. Viele Bänder wandern dabei möglicherweise undigitalisiert in den Müll.

Kassetten mit Erinnerungswert wie mit selbstgedrehten Familenaufnahmen verdienen nicht nur eine hochwertige Digitalisierung mit anschließender Nachbearbeitung. Sie sollten sie keinesfalls in den Müll werfen, sondern an einen eher kühlen und trockenen Ort stellen. Das Original ist nämlich immer das beste und billigste Backup.

Vorbereitung

Bevor es ans Einspielen geht, sollten Sie die Bänder einmal über die gesamte Bandlänge vor- und zurückspulen. Das lockert die Wickel. Arbeiten Sie bei großen Bandmengen möglichst mit zwei Videorekordern: Ein älteres Gerät zum Umspulen und Sichten, ein neues zum Digitalisieren.

Videobearbeitung am PC

Nach dem Einlesen optimieren Sie die Filme im Computer. Dabei stoßen Sie immer wieder auf folgende Aufgaben:

PAL-Fernsehbild

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PAL-Fernsehbild: Der Schärfeeindruck wird durch das Helligkeitssignal (auch Luminanz oder Y-Signal genannt) vermittelt. Der dahinter liegende Farbträger (auch Chrominanz, Chroma oder C-Signal genannt) wird mit wesentlich geringerer Auflösung übertragen.
  • Bildränder entfernen: Videos zeigen im Fernseher einen kleineren Bildausschnitt als auf Computern oder digitalen Abspielgeräten. Im Fernseher wird der äußere Rand abgeschnitten, der PC zeigt das volle Bild. Bei analogen Videoformaten finden sich dort unschöne Dinge, wie der Störzeilen verursachende Kopfauslauf an der unteren Bildkante oder schiefe Ränder rechts und links.
  • Bildrauschen entfernen: Der Rückgang der Bandmagnetisierung bei älteren Bändern schlägt sich in erhöhtem Bildrauschen, vor allem in den Farben nieder. Erste Hilfe bringt bei der Digitalisierung eine Reduktion der Farbsättigung. Dieser wird mit einer geringeren Auflösung als das Helligkeitssignal übertragen und ist anfälliger für Störungen. Damit wird das Bild etwas blasser, das Bildrauschen minimiert sich dabei ebenfalls.
  • Farbkorrektur: Hier lauert die größte Falle der Videowelt. Farbe und Kontrast von Videobildern wirken auf dem Computermonitor immer flau und matschig. Um Datenmengen zu sparen, werden sie nämlich so übertragen. Alle Fernsehgeräte haben Schaltungen eingebaut, welche die Farbigkeit und Kontrast nachträglich hochziehen.

Videosignale restaurieren

Zur Stabilisierung beschädigter Bildsignale gibt es so genannte Kopierverstärker, auch Video-Limiter oder Video-Prozessoren genannt. Sie werden einfach zwischen Videorekorder und Digitalisierungsinterface gesteckt. Die Geräte sind speziell für die Videorestauration gedacht und machen defekte Videosignale wieder normgerecht. Als kleiner Nebeneffekt verschwindet dabei der Macrovision-Kopierschutz, der ein Störsignal in der Austastlücke erzeugt.

Ratgeber: So digitalisieren Sie Ihre Musik

Die Macrovision-Störungen sind im Fernseher nicht zu sehen. Beim Kopieren entstehen aber laufende Schwankungen in Bildhelligkeit und Farbsättigung. Das sieht so aus, wie wenn das Videobild fortlaufend auf- und abgeblendet wird.

Die Firma Vitecco hat dafür mehrere Geräte im Angebot, mit denen sich zum Beispiel auch ein Versatz von Luma- und Chromasignal per Regler beheben lässt und die Audiospuren entrauschen lassen. Auch der ELRO Video Limiter VL300 ist für Videorestaurationen sehr gut geeignet.

Achtung: Die Umgehung des Kopierschutzes ist in Deutschland unzulässig.

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