Heisse Scheiben

Aktuelle Festplatten im Test

Es ist vollbracht! Die erste Terabyte-Platte ist auf dem Markt und setzt im PCM-Labor nicht nur was die Kapazität angeht neue Maßstäbe. Wir haben die Hitachi und weitere aktuelle Festplatten auf ihre Leistungsfähigkeit, Temperaturentwicklung und Betriebslautstärke getestet. Wie es um die Langlebigkeit von Harddisks bestellt ist, haben Forscher von Google in einem Großversuch ermittelt - mit interessanten Ergebnissen.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Aktuelle Festplatten im Test

Es ist vollbracht! Die erste Terabyte-Platte ist auf dem Markt und setzt im PCM-Labor nicht nur was die Kapazität angeht neue Maßstäbe. Wir haben die Hitachi und weitere aktuelle Festplatten auf ihre Leistungsfähigkeit, Temperaturentwicklung und Betriebslautstärke getestet. Wie es um die Langlebigkeit von Harddisks bestellt ist, haben Forscher von Google in einem Großversuch ermittelt – mit interessanten Ergebnissen.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Festplatten sind einfach etwas Schönes: Man kann sie immer brauchen, sie werden immer schneller und größer, und als wäre das noch nicht genug, sinkt der Preis pro Gigabyte unaufhaltsam.

Was den Gigabyte-Preis angeht, kann die derzeit größte Festplatte der Welt zwar nicht mit Platten der 500-GByte-Klasse mithalten. Dafür zeigte die Neue von Hitachi im Test die höchste je von uns gemessene durchschnittliche Transferrate von fast 70 MByte/s. Eine Geschwindigkeit, die auch nötig ist – zum kompletten Auslesen des Riesen braucht unsere Test-Software trotz Rekordtempo vier Stunden. Gleiches gilt für das Beschreiben.

Wie groß der technologische Vorsprung gegenüber der Konkurrenz derzeit ist, verdeutlicht am besten der Kapazitätsvergleich mit den Spitzenmodellen der Konkurrenz. Der bisherige Spitzenreiter stammt von Seagate und konnte sich mit immerhin 750 GByte Kapazität lange auf dem ersten Platz halten. Die nach ihm größten Modelle bringen es mit 500 GByte gerade einmal auf die Hälfte

Kapazitäten von 500 GByte und mehr wecken die verständliche Versuchung, einfach alles auf Festplatte zu speichern. Diese Bequemlichkeit birgt Gefahren. Auch wenn moderne Festplatten sehr zuverlässig sind, können sie kaputt gehen. Ob und wie man sich davor schützen kann, wollten die Techniker von Google herausfinden und führten eine Studie an zigtausend Platten aus den eigenen Servern durch.

Frag doch einfach Google

Zwischen Dezember 2005 und August 2006 sammelten die Forscher Daten über ihre Festplatten und versuchten herauszufinden, warum einige von ihnen den Dienst versagten.

Bei den Modellen handelte es sich keineswegs um esoterische Serverdisks, die kein Mensch jemals im privaten Rechnergehäuse unterbringen wird. Vielmehr handelte es sich bei den untersuchten Festplatten um eine bunte Mischung paralleler und serieller ATAPlatten zwischen 80 und 400 GByte Kapazität und mit 5400 und 7200 Umdrehungen pro Minute. Auch was das Alter angeht, konnten die Forscher auf eine heterogene Mischung zurückgreifen: Alle Platten, die von 2001 ab in Dienst gestellt wurden, gingen in die Datenbank ein. In die Auswertung gelangten nur Daten von Festplatten, die wegen eines Defekts ausgetauscht wurden.

Was ist ein Fehler?

Bei der Auswertung stellte sich einmal mehr heraus, dass Fehler gar nicht ohne weiteres als solche deklariertwerden können. Vor drei Jahren kamen Jon G. Elerath und Sandeep Shah in einer Untersuchung zum Thema Zuverlässigkeit von Server-Festplatten zu der Erkenntnis, dass zwischen 15 und 60 Prozent der als defekt eingeschickten Festplatten vom Hersteller für fehlerfrei befunden wurden. In einem Artikel der Fachzeitschift "Transactions on Reliability" aus dem Jahre 2002 berichteten die Autoren Hughes, Murray, Kreutz-Delgado und Elkan über einen Satz fälschlich als defekt eingeschickter Festplatten von 20 bis 30 Prozent.

Die Google-Forscher schlugen sich in Ihrer Studie sozusagen auf die Seite des Endkunden und werteten Platten als defekt, die im Rahmen der Server-Reparatur ausgetauscht wurden.

Um herauszufinden, welche Todesursache jeweils in Frage kam, wurden diverse Parameter während der neunmonatigen Testphase teilweise in Minutenabständen ermittelt. Neben den von der Platte selbst gelieferten SMART- (Self Monitoring And Reporting Technology) Daten umfasste dies auch die Zugriffsmuster bzw. -häufigkeit.

Viren und andere Naturkatastrophen

Eine im Zusammenhang mit der Google- Untersuchung interessante Studie zum Thema Datenverlust hat Kroll Ontrack vorgelegt. Demnach sind über die Hälfte aller Datenverluste auf Hardware-Probleme zurückzuführen. Welche das im Einzelnen sind, ist nicht bekannt, allerdings dürften Festplattendefekte daran nicht unbeteiligt sein.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Mit über einem Viertel an zweiter Stelle sind es Benutzer, die durch eigene Fehler Daten vernichten. Schlecht programmierte Software rangiert mit 9 Prozent erst an dritter Stelle, die gefürchteten Viren – und das ist eine echte Überraschung – sind laut Kroll Ontrack mit 2 Prozent der Fälle ebenso oft schuld wie Naturkatastrophen.

Zugriff

Eine Festplatte, die auf Daten zugreift, knarrt und rattert bedrohlich. Das legt den Verdacht nahe, dass eine Festplatte umso schneller kaputt geht, je öfter sie auf Daten zugreifen muss, wohingegen Platten im Leerlauf schonender betrieben werden und länger halten.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Diese Auffassung teilen die Google-Forscher nicht. Die Auswertung der Messdaten ergab zwar eine höhere Ausfallrate von stark genutzten Festplatten, allerdings vor allem bei Modellen, die zum Zeitpunkt des Ausfallsweniger als ein Jahr alt waren. Schon bei sechs Monate alten Modellen fiel der Unterschied weit weniger ins Gewicht als bei drei Monate alten Laufwerken. Die darwinistische Erklärung geht davon aus, dass Festplatten, die eine hohe Auslastung in den ersten sechs Monaten "überleben", auch später robuster sind.

Temperatur

Eine hohe Temperatur gilt gemeinhin als todsicherer Festplattenkiller. Tatsächlich sind es zu kühle Temperaturen, die den Platten oft den Garaus machten. Über alle Altersgruppen hinweg zeigten Festplatten, die weniger als 30 Grad warm wurden, eine höhere Ausfallrate. Temperaturen über 45 Grad machten dagegen den meisten Platten nichts aus.

Clever & SMART

Wer seiner Festplatte auf den Zahn fühlen will, findet einige, auch kostenlose, Tools im Internet. Einfach, aber für normale Anwender absolut ausreichend, ist zum Beispiel "HDD Health", das auf der Seite www.panterasoft.com heruntergeladen werden kann.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Wer auf eine grafische Oberfläche verzichten kann, sollte sich die Smartmontools (smartmontools.sourceforge.net) ansehen, die neben Windows auch unter Mac OSX, Linux, FreeBSD, NetBSD, OpenBSD, Solaris, OS/2 und eComStation laufen.

SMART

SMART gibt es auch bei normalen Festplatten für den Endanwendermarkt schon seit rund zehn Jahren, aber kaum jemand verwendet es. In der Studie wurden einige der durch die Selbstanalyse ermittelten Daten auf ihre Aussagekraft hin untersucht. Hier das Ergebnis:

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Gemessene Werte auf einen Blick

  • Scan Errors: SMART-Festplatten untersuchen die Plattenoberfläche permanent im Hintergrund und melden etwaige Fehler. Sollte man einen derartigen Fehler angezeigt bekommen, ist zügiges Handeln angesagt. Die Studie ergab, dass eine Platte mit nur einem einzigen Scan-Fehler bereits 39 Mal wahrscheinlicher ausfällt.
  • Reallocation Counts: Reallocation erlaubt es einer Platte, fehlerhafte Sektoren als unbeschreibbar zu markieren und stattdessen einen ungenutzten Sektor zu verwenden, der unter der gleichen Sektornummer angesprochen wird. Wie oft das geschieht, zählt die Festplatte, die ohnehin eine "Mapping-Table" führen muss, gleich mit. Ähnlich wie bei Scan Errors sollte man auch hier nicht trödeln, wenn die Platte Einträge meldet.
  • Offline Reallocations: Diese Reallocations bilden eine Untergruppe der bereits genannten Reallocation Counts. Hier sind nur solche Sektoren enthalten, die nicht während eines I/O-Vorgangs, sondern während der Hintergrundprüfung markiert und umgeleitet wurden. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls innerhalb von 60 Tagen liegt in diesem Fall beim 21fachen einer "fehlerfreien" Platte.
  • Probational Counts: Ob ein Sektor defekt ist oder nicht, entscheidet die Platte nicht immer sofort. Verdächtige Sektoren landen zeitweise in der Probational-Liste. Google gibt hier die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls mit dem 16fachen einer normalen Platte an. Die übrigen SMART-Werte (von der bereits angesprochenen Temperatur abgesehen) ergaben keine Zusammenhänge zwischen Ausfällen und Fehlermeldungen. Alles in allem hält Google SMART für nur bedingt tauglich, den Tod einer Platte vorherzusagen. Immerhin wiesen 56 Prozent der bei Google defekten Platten keinen der vier relevanten SMART-Einträge auf.

Fazit

Eine todischere Methode, eine Festplatte vor dem Ableben zu schützen, gibt es nicht. Was die Festplattentemperatur angeht, sollte man die Google-Studie überdies zurückhaltend interpretieren: Dass Festplatten weniger anfällig auf höhere Temperaturen reagieren als angenommen, mag sein. Allerdings gilt dies nicht unbedingt für Temperaturen von 60 Grad und mehr, die Platten ohne Kühlung locker erreichen. Am besten ist es, wichtige Daten auf eine externe Festplatte oder gar eine NAS, die immer erschwinglicher werden, zu sichern.

Aktuelle Festplatten im Test

© Archiv

Testergebnisse auf einen Blick:

Mehr zum Thema

HIS: Grafikkarte Radeon HD 7750 iCooler
Was Sie beachten sollten

Sie haben eine neue Grafikkarte gekauft, wollen sie in Ihren PC einbauen und richtig installieren? Wir geben zehn Tipps, wie sie häufige Fehler…
SSD: Optimale Windows 7-Einstellungen
SSD Einstellungen

Wir geben wertvolle Tipps, wie Sie Ihrer SSD unter Windows 7 zu noch mehr Leistung verhelfen und außerdem deren Lebensdauer verlängern.
ssd, hdd, hybrid, oder, ratgeber, empfehlung
Festplatten-Ratgeber

Sollten Sie eine SSD, eine HDD oder gar eine Hybrid-Festplatte kaufen? Wir nennen Vor- und Nachteile sowie Stärken und Schwächen der Massenspeicher.
Egal ob PC oder Notebook, der SSD-Einbau gelingt immer einfach und schnell.
PC & Notebook

Ob Laptop oder PC: Wir zeigen in unserer Anleitung, worauf Sie beim Einbauen einer SSD-Festplatte achten müssen und was Sie dazu brauchen.
Festplatte
Sinnvoll einteilen

Wir zeigen, wie Sie Festplatten und SSDs richtig partitionieren. Damit ist das sinnvolle Einteilen des Speicherplatzes in weitere Laufwerke gemeint.