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Akt: Gestalten mit Licht

Martin Zurmühle zeigt anhand von Bildbeispielen, wie er gekonnt Aktaufnahmen im Fotostudio, in realen Räumen oder im Freien aufnehmen sowie Inszenierung und Aufnahmetechnik optimieren.

  1. Akt: Gestalten mit Licht
  2. Aktaufnahmen, Ambiente, Kulisse
Aktfotografie Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Aktfotografie Martin Zurmühle

Perfekte Voraussetzungen für stilvolle Aktaufnahmen bietet ein Fotostudio. Dort lassen sich die drei Hauptfaktoren des Bildes Licht, Pose und Hintergrund im Detail steuern. Zudem fühlt sich das Model sicherer als an einem unbekannten Ort oder im Freien. Was aber sind die Komponenten wirkungsvoller Studioakts? Martin Zurmühle zeigt Möglichkeiten und regt zum Experimentieren an.

Der klassische Akt

Der klassische Studioakt ist stark formorientiert. Er ist ein Spiel mit den Formen und Proportionen, verstärkt durch die Wirkung von Licht und Schatten. Ein neutraler Hintergrund erzählt keine Geschichten. Im Gegenteil, alles konzentriert sich auf das Motiv. Bei Aktbildern in Räumen oder im Freien gewinnen hingegen erzählende und Stimmungslelemente an Bedeutung. Martin Zurmühle urteilt: "Möchten Sie im Studio ausdrucksvolle Aktaufnahmen schießen, sollten Sie sich gezielt mit der Formenschönheit des menschlichen Körpers beschäftigen."

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Martin Zurmühle zeigt anhand von Bildbeispielen, wie Sie gekonnt Aktaufnahmen im Fotostudio, in realen Räumen oder im Freien aufnehmen sowie…

Weniger ist mehr

Ein Hauptfehler vieler Studioakts liegt in der Lichtführung. Durch zu viel Licht von vorne oder von zu vielen Quellen erscheinen Bilder zumeist flach und spannungslos. Durch die Reduktion der Lichtquellen und deren sorgfältige Platzierung lassen sich Körperformen hingegen gestalten und inszenieren. Schönes wird betont und weniger Attraktives verborgen.

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Weniger ist mehr: Studioblitz, ISO 100, Brennweite 60 mm , Blende 9, 1/180 s

Bei der Aufnahme oben beleuchte ein Striplight das Model Miriam. Zwei Reflektorwände reduzieren den Lichtaustritt des Striplights weiter, sodass die Lichtaustrittsöffnung nur noch eine Breite von 5 cm besitzt. In diesem Lichtstreifen, der vor einem schwarzen Hintergrund quer durch den Raum läuft, platzierte Miriam ihren Po. Mit verschiedenen Haltungen und Variationen der Beinstellung versuchten wir, eine perfekte Form ihrer Rundungen zu erzielen. Das starke Streiflicht zeigt zudem kleinste Hautpartikel, die ein 60-mm-Makroobjektiv besonders scharf wiedergibt. Eine grafisch ansprechende Körperlandschaft entsteht.

Kreative Lichtführung

Das Licht perfekt zu setzen, ist beim Studioakt also maßgebend. Neben bekannten Grundlichtsituationen wie High- und Low-Key und häufig eingesetzten Lichtrichtungen wie Streif- und Zangenlicht, lohnt es sich daher, mit unkonventionellen Lichtinstallationen zu experimentieren. Viele Aktbilder erhalten ihren Reiz durch kreatives Licht.

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Kreative Lichtführung: Studioblitz, ISO 100, Brennweite 60 mm, Blende 4, 1/180 s)

Das blaue Bild zeigt Modell Sandra auf einem mit schwarzem Samt ausgelegten Tisch vor einem schwarzen Hintergrund. Auf beiden Seiten neben dem Hintergrundkarton blitzte je ein Studioblitz mit Standardreflektor und blauer Folie gegen die weißen Wandstreifen. Dieses Gegenlicht erzeugt die formschönen Lichtsäume an den Körperkanten des Models und zeichnete ihre Formen grafisch nach.

"Entscheidend für die Bildwirkung ist, eine Pose zu finden, bei der alle Körperteile sich gut von-einander abgrenzen und die Lichtsäume die Körperkanten durchzeichnen. Schon kleine Änderungen der Körperhaltung verändern hierbei alles. Bei diesem Bild setzen sich die Linien von Beinen und Po nahtlos im Rücken fort und die Arme überdecken sich nicht", beschreibt Zurmühle.

Effektvolle Spiegelungen

Auch mittels Glas- oder Plexiglasspiegeln lassen sich visuelle Reize erzeugen. Glasspiegel sind dabei sehr teuer, da diese für einen Einsatz am Boden gehärtet und bruchfest sein müssen. Günstiger sind klare Plexiglasplatten, die es in verschiedenen Dicken und Größen gibt. Auf den Boden mit einem Hintergrundkarton gelegt, ergeben sie eine dezente Spiegelung, die das Model vom Boden abhebt und es im Raum situiert.

Der Nachteil der Platten ist die Kratzempfindlichkeit der Oberfläche. Schon nach dem ersten Gebrauch lassen sich viele kleine Kratzer detektieren. Die Platten sollten nicht mit Schuhen betreten werden. Vor allem bei dunklen Untergründen muss sonst jeder Kratzer mühsam retuschiert werden. Spiegeleffekte mit weißem Hintergrund lassen Akte zart und luftig wirken.

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Effektvolle Spiegelungen: Studioblitz, ISO 100, Brennweite 66 mm Blende 8, 1/180 s

Auf obigem Foto leuchteten zwei große Striplights den Hintergrund gleichmäßig aus. Das Model wurde mit zwei seitlichen Reflektoren vor diesem Licht geschützt. Die Belichtung ist so gewählt, dass der Hintergrund vollständig überstrahlt, das Model aber mit den richtigen Helligkeitswerten und ohne Überstrahlungen dargestellt wird. Die Körperhaltung ergibt zusammen mit dem Spiegelbild eine elegante Form. Die Hände bei den Ballettschuhen und der Blick zu ihnen erzählen dem Betrachter eine kleine Geschichte.

Bildwirkung verstärken

In der Aktfotografie ist die Bildwirkung auf den Betrachter von zentraler Bedeutung. Wie aber entsteht diese Wirkung und wie können wir diese beeinflussen? Dazu liefert uns das Vier-Augen-Modell der Fotografie eine gute Antwort. Nach diesem Kommunikationsmodell wird die Wirkung eines Bildes durch vier Hauptfaktoren oder Augen bestimmt: Das Form-Auge bietet visuellen Genuss, das Erzähl-Auge berichtet aus dem Leben, das Gefühls-Auge nimmt Emotionen wahr und das Ich-Auge zeigt die Sprache des Künstlers.

Bei allen Bildern sind diese vier Ebenen in unterschiedlicher Intensität beteiligt. Es werden beide Gehirnhälften angesprochen. Durch das Zusammenspiel dieser vier Ebenen entstehen eindrucksvolle Bilder, die den Betrachter in den Bann ziehen. Martin Zurmühle rät: "Setzen Sie diese Faktoren in Ihren Bildern geschickt ein, so verstärkt sich die Bildwirkung.

Spezialeffekte mit Wasser

Studioblitzanlagen lassen sich aber nicht nur im Studio, sondern in jedem großen, leeren Raum einsetzen, in denen sich oft problemlos mit Wasser arbeiten lässt. Bei diesem Bild erzeugen zwei Blitzgeräte mit Standardreflektoren und blauen Folien von seitlich hinten eine Gegenlichtsituation. Diese betont die Konturen des Models mit einem Saumlicht und taucht die ganze Szene in blaues Licht. Von der rechten Seite leuchtet eine große Softbox (Oktagon, Durchmesser 180 cm) das Model aus. Mit Gartenschläuchen und einer Spritzdüse aus dem Baumarkt lassen sich dann Regeneffekte erzeugen.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Spezialeffekte mit Wasser: Studioblitz, ISO 200, Brennweite 95 mm, Blende 6, 1/180 s

Aktaufnahmen in Räumen

Schon ein Zimmer in einer Wohnung oder einem Hotel reicht aus, um stimmungsvolle Aufnahmen zu gestalten. "Erzählen Sie mit Model und Raum dem Betrachter ein anregende Geschichte, dann wirkt ihre Aktaufnahme stärker", erläutert fc-Aktfotograf Zurmühle und fügt an: "Ein maßgebender Faktor, damit ein Bild eine Geschichte erzählt, sind erkennbare Bezüge." Der Hintergrund und der Bezug, den das Model zu ihm aufnimmt, sind entscheidend, ob das Bild spricht oder stumm bleibt. Ist der Raum nur eine austauschbare Kulisse, so unterscheidet er sich kaum von Composings.

Ambiente betonen

Um das jeweilige Ambiente zu betonen, ist das Fotografieren mit Umgebungslicht und Stativ dem Blitzlicht, welches oft die vorhandenen Lichtquellen überstrahlt, vorzuziehen. Die Aufnahme oben rechts leuchtet zum Beispiel ausschließlich die Tischlampe aus.

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Ambiente betonen: Kunstlicht, ISO 800, Brennweite 28 mm, Bl. 5,6, 1/8 und 1/30 s.

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