Aktfotografie Tipps

Aktaufnahmen, Ambiente, Kulisse

  1. Akt: Gestalten mit Licht
  2. Aktaufnahmen, Ambiente, Kulisse

Aufgrund der knappen Lichtverhältnisse musste das Model sehr ruhig stehen. Punktförmige Lichtquellen besitzen einen starken Lichtabfall, den die Kamera viel stärker abbildet, als unsere Augen ihn vor Ort wahrnehmen. Das Model Anuschka nimmt zudem durch Pose, Armstellung und Bild bezug zur Lampe. Der starke Kontrast gibt dieser Szene einen geheimnisvollen Charakter, der durch die rote Farbe der Tapeten verstärkt wird. Durch das Zusammenspiel der Formen und der erzählten Geschichte wird beim Betrachter Neugier geweckt. 

Inszenierung im Schloss

Arbeiten Sie mit mehreren Modellen, so sollten diese miteinander interagieren. Das kann am einfachsten durch gegenseitige Gesten oder Blicke oder durch konkrete Handlungen erfolgen. "Dazu ist ein gutes Vorstellungsvermögen und viel Fantasie nötig", urteilt Zurmühle.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Inszenierung im Schloss: Kunstlicht, mehrere Modelle, ISO 400, Brennweite 32 mm, Blende 5,6, 1/2 s und 1/10 s

Er empfiehlt daher erst das Licht und die Szene perfekt zu stellen, und dann mit dem Shooting zu beginnen. Inszenierungen benötigen eine präzise Vorstellung und eine genaue Anleitung aller Beteiligten. Jedes Detail muss stimmen.

Model Miriam, sollte sich als edle Dame mit Korsage, Strümpfen und schönem Schmuck kleiden. Anuschka zog ihre High Heels und eine Halskette an und bekam eine Federmaske. Der Fotograf selbst, Martin Zurmühle, spielt hier im Frack einen wohlhabenden Herrn, dem das Maskenmädchen präsentiert wird.

Special: Alles zum Thema Aktfotografie

Wegen des oft nicht ausreichenden Kontrastumfangs des Bildsensors empfiehlt sich hier immer das Schießen von Belichtungsreihen, um genügend Material für die Bildbearbeitung zu erhalten. Den Apparat löste ein Assistent nach den Angaben von Martin Zurmühle aus. Natürlich lässt sich aber auch mit Funk- oder Infrarotauslöser arbeiten.

Erotische Stimmung erzeugen

Im Vergleich zur Aktfotografie spielt bei Erotikbildern die Interaktion mit dem Betrachter eine noch wichtigere Rolle. Die Erotikfotografie ist ein feines Spiel mit Andeutungen und Gesten, das hohe Anforderungen an alle Beteiligten stellt. Arbeiten Sie darüber hinaus mit mehreren Models, muss deren Zusammenspiel zur Bildaussage passen.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Erotisch: Kunstlicht, mehrere Modelle, ISO 100, Brennweite 50 mm, Blende 2,8, 1/6 s und 1/45 s.

Die Aufnahme oben entstand in einem klassischen Hotelzimmer. Anuschka und Miriam stehen öfter zusammen vor der Kamera, die erforderliche Nähe bereitete ihnen keine Probleme. Aktfotograf Zurmühle positionierte die beiden für dieses Bild genau, ließ sie dann aber frei agieren und gab zwischendurch nur kleine Anweisungen zur Kopf- oder Handstellung. Er arbeitete mit Belichtungsreihen, um später in der Bildbearbeitung die Helligkeitswerte anpassen zu können. Für die Modelle wäre ein Arbeiten mit Blitz und kurzen Belichtungszeiten einfacher gewesen, aber nur mit dem Raumlicht passt die Stimmung der Aufnahme zur Szene.

Aktaufnahmen im Freien

Akt-Shootings im Freien sind, was die Ausrüstung angeht, sehr einfach. Kamera, Objektiv und Model - schon kann es losgehen. Doch eine nackte Frau irgendwo auf einer Wiese liegend zu fotografieren, ist noch lange kein kunstvolles Aktbild. Erst wenn es gelingt, einen für den Betrachter klar erkennbaren Zusammenhang zwischen Model und Natur herzustellen, entwickelt das Bild Wirkung. Worauf müssen Fotografen also beim Aufnehmen von Aktaufnahmen im Freien achten?

Locations sammeln

Das Wichtigste bei Akt-Shootings im Freien sind die Locations, und diese wollen gefunden werden. Schöne, aussagekräftige Orte aufzutun, um ungestört zu fotografieren, ist nicht trivial. Gesetzeshüter können bei Akt-Shootings an öffentlichen Orten einschreiten und zu viele Zuschauer stören das erfahrenste Model. "Zudem sollten Sie auch an wenig besuchten Plätzen alle Anwesenden fragen, ob diese ein Aktfoto-Shooting stört", rät Profi Zurmühle.

Akt vor Landschaftskulisse

Die Landschaftsaktfotografie lebt großteils von der Schönheit der Natur. Dramatische Kulissen wie die Felseninseln Es Vedra auf Ibizia im Hintergrund eignen sich besonders für ein Shooting. Da dieser Ort jedoch auch bei Touristen sehr beliebt ist, wartete der Fotograf besser, bis die meisten Besucher gegangen waren.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Akt vor Landschaftskulisse: 50 mm, Bl. 8, 1/180 s, ISO 50, Tageslicht, Model Anuschka

Nacktheit ist auf Ibiza eigentlich kein Problem, doch um nicht zu provozieren, legte das Model Anuschka auf Einweisung ein Tuch um ihre Hüften. Diesmal genügte eine Aufnahme, denn die Kontraste waren im Abbildungsbereich des Kamerasensors.

Zur bewussten Bildkomposition gehört, dass Anuschka vollständig vom hellen Himmel freigestellt ist und der Steg und das dicke Seil zu ihr führen. Mit ihrem rechten Arm nimmt sie die Bewegung des Seils auf und führt diese mit ihrem linken Arm weiter. Ihr Blick führt in die Ferne und zum Licht, das ihren Körper wunderschön herausmodelliert.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Tanz am Wasserfall: Bildmontage aus zwei Bildern: Wasserfall, ISO 50, Graufilter ND8, 1/15 s; Model Grace, ISO 400, 1/1000 s

Tanz am Wasserfall

Diese Aufnahme im Tessin entstand mit dem Model Grace. Grace ist eine perfekt trainierte Ballett- und Poltänzerin und liebt Herausforderungen. Sie scheute so das eiskalte Wasser nicht und watete/schwamm an das Ende der Schlucht. Da der Wasserfall sehr laut war, wurden Shooting-Details im Vorfeld besprochen. Vor Ort war nur noch die Verständigung per Zeichen möglich. Das Hauptproblem bei dieser Bildidee waren die Belichtungszeiten. Für den Wasserfall muss die Belichtungs viel länger sein (1/15 s) als für das springende Model (1/1000 s). Die kurze Belichtungszeit des Sprungs machte zudem ISO 400 nötig.

Als dann die perfekte Sprungaufnahme im Kasten war, verbarg sich Grace. Beim Wasserfall kam 1/15 s, Graufilter ND 8 und ISO 50 zum Einsatz. "Das Bild des weichen Wasserfalls mit dem im Sprung eingefrorenen Model montierte ich dann am PC. So entstand eine mit einem Schuss nicht realisierbare Aufnahme", erläutert Zurmühle. 

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Tages- und Mondlicht: ISO 50, Brennweite 35 mm, Blende 11, 2 s

Vollmond-Shooting

Der ideale Zeitpunkt für ein Vollmond-Shooting ist ein bis zwei Tage vor Vollmond. Dann steht der Mond schon über dem Horizont, wenn die Sonne untergeht. So lässt sich noch mit dem Restlicht des Tages arbeiten. Nach der Wahl des Kamerastandpunkts mit den Felsen im Hintergrund und dem Aufbau des Stativs legte sich Anuschka in einer klassischen Pose auf den Sand. Nun musste nur noch eine Welle Anuschka umspülen. Für einen kurzen Moment spiegelten sich ihr Körper und der farbige Himmel im Sand.

Bei dem Shooting war Anuschka sehr gefordert. Die Luft war nach dem Sonnenuntergang ziemlich kühl, und sie musste zwei Sekunden lang absolut bewegungslos liegen, damit durch die  Langzeitbelichtung das Wasser des Meeres verschleiert und weich wirkte.

Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Mondlicht und Studiolicht, ISO 200, Brennweite 35 mm, Blende 8, 3 s

Nachtaufnahmen mit Blitz

"Auch in der Nacht lassen sich Aufnahmen gestalten. Also legen Sie die Kamera nicht weg, wenn die Sonne untergegangen ist", empfiehlt Aktfotograf Zurmühle. Diese Aufnahme  entstand nach dem Vollmond-Shooting mit etwas Restlicht. Der Mond beschien die Landschaft und erzeugte ein Gegenlicht, das sich im Meer und auf dem nassen Sand spiegelte. Das rote Tuch bildete einen Farbkontrast zum dunkelblauen Himmel.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Mondlicht, ISO 22, Brennweite 35 mm, Blende 2,8, 1/3 s

Ohne Blitz wirkte die Szene dunkel und mystisch. Dank lichtstarkem Objektiv und rauscharmen Sensor ließ sich mit dem spärlichen Licht ein Bild aufnehmen. Allerdings war die technische Qualität ungenügend, und es war für Anuschka unmöglich, so lange bewegungslos zu verharren.

Aktfotografie von Martin Zurmühle

© Martin Zurmühle

Martin Zurmühle

Fokus-Fotos nudeART.ch

Um trotzdem eine scharfe Aufnahme mit genügend Schärfentiefe zu belichten, kam ein tragbarer Studioblitz zum Einsatz. Dieser leuchtete das Model von der Seite aus und wurde mit Funkfernauslöser gezündet. Die sehr lange Belichtungszeit von 3 s spielt keine große Rolle, da der Blitz eine kurze Abbrennzeit hat. Die Bewegungen von Anuschka führen so nur in den Schattenbereichen zu einer kaum sichtbaren Bewegungsunschärfe.

"Auch wenn das Blitzlicht bei Aufnahmen in Räumen und Freien oft nicht die gewünschten Ergebnisse zeigt, in solchen Situationen können wir Bilder aufnehmen, die sich ohne nicht realisieren lassen. Es lohnt sich deshalb, ein Blitzgerät dabeizuhaben, um damit zu experimentieren", führt Zurmühle aus.

Tipp: Das aktuelle Buch von Martin Zurmühle "Bildsprachen zeitgenössischer Fotografen" erschien im Vier-Augen-Verlag.

Mehr zum Thema

Karl Knerr Aktfotografie
Portfolio

Individuell nimmt fc-Menschenfotograf Karl Knerr die Herausforderungen der unterschiedlichsten Themen an. Seine Bilder sollen dabei ungestellt wirken,…
Jörn Stubbe Fotografie
Portfolio

Statt digital, fotografiert Jörn Stubbe mechanisch, manuell, schwarzweiß analog. Er setzt auf Entspannung, Langsamkeit und Available Light.
Aktfotografie - Costa del Sol
Workshop-Tagebuch

Auch 2014 lud Profifotograf Jens Brüggemann wieder zum Workshop nach Andalusien. Begleiten Sie im ersten Teil unseres Workshop-Tagebuchs die…
Jens Brüggemann - www.jensbrueggemann.de
Workshop-Tagebuch

Palmen, Sand und schöne Models: Erleben Sie im zweiten Teil unseres Workshop-Tagebuchs den Aktfotografie-Kurs in Almeria mit Jens Brüggemann.
Workshop in Ibiza 2015
Workshop-Tagebuch 2015

Die sonnige Baleareninsel Ibiza diente als Kulisse für einen inspirierenden Aktfotografie-Workshop mit Jens Brüggemann. Wir geben im Tagebuch…