Nackte Tatsachen

Aktfotografie

Von klassisch über erotisch bis provokant: Kein anderes fotografisches Thema ermöglicht so viele Interpretationen wie die Aktfotografie. Dieser Beitrag wird Ihnen helfen, den eigenen Standort zu definieren.

Aktfotografie - nackte Tatsachen

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Aktfotografie - nackte Tatsachen

Nackte Tatsachen, von Künstlern geschaffen, sind keine Erfindung der Neuzeit: Bereits in den frühen Hochkulturen gab es sie - etwa bei den Ägyptern oder Indern. Und was wäre die griechische Plastik ohne die Darstellung nackter Körper? Deren Studium aus künstlerischen Beweggründen gehört seit der Renaissance zur Ausbildung an Kunsthochschulen. Inspiriert von Aktzeichnungen und -gemälden haben sich irgendwann auch Fotografen diesem Thema zugewandt. Man kennt Aktfotos etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, in Form von oft handkolorierten Daguerreotypien.

Schon damals waren Akt und erotische Fotografie zwei Seiten einer Medaille: Was als "pikantes Weibsbild" in zigarrengeschwängerten Herrensalons herumgereicht wurde, darf als Vorläufer moderner Pin-ups gelten. Die Grenzen zwischen Akt, Erotik und Pornografie lassen sich bis heute nicht so einfach ziehen: Was der eine vorbehaltlos akzeptiert, kann für den anderen bereits unter der moralischen Gürtellinie angesiedelt und somit pornografisch besetzt sein. Die Rechtssprechung definiert wiederum Pornografie "...als grobe Darstellung des Sexuellen in drastischer Direktheit, die in einer den Sexualtrieb aufstachelnden oder die Geschlechtlichkeit in den Schmutz ziehenden oder lächerlich machenden Weise den Menschen zum bloßen (auswechselbaren) Objekt geschlechtlicher Begierde oder Betätigung jedweder Art degradiert" (fsm.de). Abgesehen davon sind die Gestaltungsgrenzen aber weit gesteckt und die künstlerische Freiheit sogar durch das Grundgesetz geschützt.

Vollakt Aktfotografie

© George Mayer - Fotolia.com

Vollakt: Die ganze porträtierte Person ist im Bild.

Körperlandschaften erkunden

Bei der Aktfotografie lassen sich verschiedene Arten unterscheiden: Beim klassischen Vollakt wird eine ganze Person abgebildet. Dabei werden Positionen gewählt, die den ästhetischen Reiz der Körperlinien betonen. Das Gesicht des Models ist dabei meistens abgewandt. Dafür können gestalterische Argumente sprechen, aber auch der Wunsch nach Anonymisierung des Akts - aus konzeptionellen oder praktischen Gründen (die Abgebildeten soll keiner erkennen). Das Model kann den Betrachter aber auch direkt ansehen, wenn diese Form fotografischer Nähe gewollt ist.

Fotopraxis: Körperformen - Aktfotografie von Creativ-Fotografen

Halbakt

© Andrey_Arkusha - Fotolia.com

Halbakt: Gezeigt wird eine teilweise nackte Person.

Beim Halbakt ist die Person zum Teil bekleidet oder mit Accessoires "garniert". Beispiele: Die "Netz"- Akte von Günter Blum oder viele Bilder von Jeanloup Sieff. Zu dieser Kategorie kann man im weiteren Sinn auch bemalte Akte zählen oder solche, bei denen mit Projektionen auf die Haut gearbeitet wird.

Aktfotografie - Details

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Detailaufnahmen und Schattenspiele betonen Körperformen.

Aktfotografie kann sich auf Abschnitte und Details des Körpers konzentrieren - der Körper wird dabei zur Landschaft, die der Fotografen erkundet und mittels Lichtführung gestaltet. Dazu gehören beispielsweise die SW-Bilder von Robert Mapplethorpe. Aber auch die "Grands Nus" des Franzosen Lucien Clergue - Körper, die von Gischt und Wasser umspült sind oder mit Holzstrukturen und Sand in Verbindung gebracht werden.

Inszenierte Aktaufnahmen

Typisch für die klassische Aktfotografie ist, dass Körper vor neutralem, also weißem, grauem, schwarzem oder dezent strukturiertem Hintergrund abgebildet werden. Viele Aktfotografen, vor allem mit Hang zur erotischen Fotografie, haben dieses Credo indes längst über Bord geworfen.

Aktfotografie - Meer

© MayArt (Mayabee) - Fotolia.com

Neue Bilderwelten: Aktfotografie kann auch außerhalb des Studios stattfinden.

Auch Sie können neue Bilderwelten schaffen, wenn Sie Ihr Model wahlweise harmonisch in das Ambiente integrieren oder es in einen effektvollen Kontrast dazu setzen. Beispiel: Akt und Architektur. Diese Sichtweise bedient unter anderem Helmut Newton mit seinen bizarren, aus feministischer Sicht oft sexistischen Inszenierungen in Hotelzimmern und Toiletten, auf nächtlichen Straßen und vor Hochhäusern. Der schwarzweißen Strenge der Newton-Bilder setzt Bettina Rheims provokante Farbakte vor Blümchentapeten oder in Pink getünchten Küchen entgegen - schrill, aber dennoch sensibel. 

Special: Alles zum Thema Aktfotografie

Aktfotografie: Tipps für Fotografen

Erotische Inszenierungen dieses Kalibers erfordern von Fotograf und Model ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und Kommunikationsfähigkeit. Jeder Aktfotograf ist in diesem Sinne auch Regisseur: Bevor Sie mit der Aufnahme beginnen, sollten Sie auf einem Blatt Papier oder in Ihrem Kopf die dramaturgischen Umrisse Ihres Vorhabens skizzieren. Dazu sind folgende Fragen hilfreich:

  • Was soll die Haltung Ihres Models aussagen?
  • Welche Art von Gesichtsausdruck unterstützt die Stimmung Ihrer Inszenierung? Welches Umfeld, welche Accessoires, kommen Ihrem Vorhaben entgegen

Ziehen Sie zum Schminken entweder eine professionelle Visagistin oder eine andere Frau mit ein, die das gut beherrscht. Formulieren Sie Ihre Regieanweisungen so konkret wie möglich: Wie soll das Modell sitzen oder stehen, wie den Kopf halten oder die Arme heben bzw. senken.

Und vergessen Sie bei allem Engagement für die Sache nicht, dass eine angenehme Atmosphäre das A und O bei Aktaufnahmen ist. Im Studio lassen Sie angenehme Musik über die Stereo-Anlage laufen, bei Außenterminen kann ein MP3-Player mit der richtigen Musikauswahl im Vorfeld der Aufnahmen Wunder wirken. Nehmen Sie konstruktive Anregungen Ihres Models auf (ohne dabei Ihre Gestaltungslinie zu verlassen) und schauen Sie sich die ersten Aufnahmen am Computer bzw. Notebook gemeinsam an - das schafft Vertrauen.

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