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PC Magazin


Cathrin Günzel

15. Oktober 2009
Internetbetrüger und ihre scheinheiligen Geschäfte

Abo-Abzocke im Internet: Alles andere als gratis

Dubiose Online-Abo-Anbieter täuschen ihre Kunden und pressen mit massiven Einschüchterung Geld aus ihnen heraus. Doch sollte man nicht auf die Forderungen eingehen: Sie sind selten rechtens.

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Nach dem Totalcrash seines Computers wollte Roland K. eines schnell und einfach erledigen: Die gängigen Gratis-Programme wie Adobe Acrobat Reader oder Firefox auf seinen neu eingerichteten Rechner herunterladen. "Ich hab bei Google gesucht, Klick auf eines der ersten Ergebnisse. Und zack, hatte ich die Software gefunden", berichtet der 49-jährige Leipziger. Dass er auf der Download-Seite seine Daten eingeben musste, störte ihn nicht weiter.

"Das muss ich ja auch bei manchen anderen Kostenlos-Anbietern", sagt der Unternehmer. Rasch akzeptiert K. noch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen – ohne sie zu lesen, wie viele andere Internet-Nutzer auch. Doch genau damit saß er in der Falle: Mit dem Häkchen hatte er prompt ein Abo abgeschlossen, für zwei Jahre, über knapp 100 Euro jährlich, für 12 Monate im Voraus zu zahlen.

Den Preis, den der Seitenbetreiber für Freeware wie OpenOffice, Flash Player & Co. haben wollte, hatte Roland K. glatt übersehen: "Damit rechnet doch keiner." Auf der Startseite war ein Hinweis auf Kostenpflicht auch nicht zu finden. Kurze Zeit später kam die Rechnung, K. schaute sich die Webseite genauer an, entdeckte schließlich den Preis am Rand des Eingabeformulars, ärgerte sich – und zahlte. Dabei hätte er das nach Meinung zahlreicher Anwälte und Verbraucherschützer nicht müssen.


Millionengewinne

Abo-Abzocke
Bild vergrößern 937 246 http://img4.magnus.de/Abo-Abzocke-r937x245-C-7a0c8b63-24542269.jpg Wer bei Google mit den Begriffen "adobe acrobat reader download" sucht, bekommt als ersten Link eine Anzeige serviert – und dahinter verbirgt sich eine Abo-Falle.

Wer bei Google mit den Begriffen "adobe acrobat reader download" sucht, bekommt als ersten Link eine Anzeige serviert – und dahinter verbirgt sich eine Abo-Falle.

Roland K. gehört zur großen Masse der geprellten Internetnutzer, die seit Jahren dubiosen Abo- Abzockern ins Netz gehen. Diese legen als Köder zum Beispiel gekaufte Anzeigen bei Google aus, die nach Eingabe gängiger Suchbegriffe auftauchen. Ob Routenplaner, IQ-Tests, Kochrezepte, Namensforschung, E-Cards, Gedicht- oder Hausaufgabensammlungen: Abofallen lauern überall. Speziell bieten sie Leistungen feil, die es anderswo gratis gibt.

Der Preis entzieht sich häufig mit Firlefanz wie vermeintlichen Gewinnspielen der Aufmerksamkeit des Nutzers, versteckt sich auch mal am Ende der Anmeldeseiten oder im Kleingedruckten.

Sogar Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust wurde "im Internet abgekocht", wie die Bild-Zeitung im Januar vergangenen Jahres meldete. Als sich der Politiker ein Gulaschrezept mallorquinische Art mit Zimt, Pinienkernen und Backpflaumen heruntergeladen hatte, schnappte die Abo-Falle zu. 30 Euro pro Jahr sollte er für ein angebliches Kochrezepte-Abonnement berappen, berichtete die Zeitung. Eine Mahnung sollte von Beust zur Zahlung drängen. Er fand Hilfe bei der Hamburger Verbraucherzentrale und überwies kein Geld.

"Wir schätzen, dass mehrere tausend Verbraucher pro Tag auf so eine Abofalle hereinfallen", erklärt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), auf einer Pressekonferenz im August. "Da hat sich eine kriminelle Energie entwickelt beim Versuch, Verbraucher abzuzocken." So habe nur eine einzige dieser Firmen in einer Woche 170 000 Rechnungen versandt, jeweils über 96 Euro. Begleicht auch nur jeder Zehnte die Forderung, ergibt das einen Millionengewinn.

Abo-Abzocke
Bild vergrößern 937 694 http://img4.magnus.de/Abo-Abzocke-r937x694-C-ca99cf32-24542272.jpg Im Kleingedruckten erst steht der Preis für die Rezepte. Prominenter platziert haben die Abzocker hingegen das Gewinnspiel.

Im Kleingedruckten erst steht der Preis für die Rezepte. Prominenter platziert haben die Abzocker hingegen das Gewinnspiel.

Um möglichst viele Opfer zum Zahlen zu bewegen, wird gemahnt und ein rauer Ton angeschlagen: Harsch wird mit schlimmsten Konsequenzen wie Schufa-Eintrag gedroht. Briefe von Anwälten und Inkassobüros sollen Panikattacken auslösen. Viele zahlen aus Angst, denn die Geldeintreiber nerven oft monatelang.

Die Tricks sind unzählig: Da genügt manchmal ein kleiner Tippfehler bei der Eingabe einer Adresse und schon droht arglosen Surfern Gefahr durch Internet-Abzocker.

So informierten die G Data Security Labs im Juli, dass die Website mcaffe.de unter anderem zu einer Abofalle führe, die diverse Software-Downloads anbietet, unter anderem die Open Source-Software Thunderbird – gegen Bares natürlich. mcaffe.de ist eine so genannte Typosquatting-Domain, die sich in ihrer Schreibweise nur gering vom Original des Virenschutz-Anbieters McAfee (mcafee.de) unterscheidet.

Warum die Abogebühren besonders niedrig angesetzt sind und wie man sich verhalten sollte, lesen Sie auf Seite 2...



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