Interview

Zukunftsforscher Janszky über die IFA-Trends 2013

Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky beurteilt im Interview mit video-magazin.de die IFA-Trends 2013, erklärt, warum ihn der Begriff "Smart" nervt und verrät, welche Technologien wir nach OLED, Ultra-HD & Co. erwarten dürfen.

Sven Gabor Janszky

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Sven Gabor Janszky

video: Auf der IFA 2013 in Berlin stehen u.a. Technologien wie Ultra-HD, OLED und Smart Devices im Fokus. Welche IFA-Innovationen werden sich aus Ihrer Sicht als besonders erfolgreich erweisen?

Sven Gabor Janszky: Ein Zukunftsforscher blickt ja üblicherweise auf einen längeren Horizont von etwa zehn Jahren. Mit diesem Blick sind all jene Technologien besonders erfolgreich, die unsere Art des Lebens und Arbeitens und auf der anderen Seite die Geschäftsmodelle der Unternehmen verändern. Dazu gehört ganz sicher die OLED-Technologie und all jene Geräte, die wirklich smart sind. Allerdings sind die Dinge, die wir in diesem Jahr auf der Funkausstellung sehen, wohl eher als Zwischenschritte zu betrachten. Sie schöpfen das Potenzial noch lang nicht aus.

video: Was sagt der Zukunftsforscher: Wie werden wir in den nächsten Jahren fernsehen? Sind UHD & Co. nur Zwischenschritte zu ganz neuen Technologien oder Darreichungsformen?

Janszky: Der nächste bedeutende Schritt auf dem Weg der OLED-Technologie werden leuchtende Tapeten sein, also Displays, die ganze Wände abdecken. Mit diesen werden wir wohl nicht nur fernsehen, sondern sie auch zur Steuerung der Helligkeit und Atmosphäre in Räumen benutzen. Wenn diese zu vertretbaren Kosten in den Massenmarkt kommen, erreichen wir die nächste Qualitätsstufe.

video: Welche Erkenntnisse gibt es: Welche Rolle wird die Unterhaltungselektronik in der Zukunft der Deutschen spielen?

Janszky: Nach wie vor eine sehr große. Wir befinden uns in einem langanhaltenden Trend, der die Unterhaltungselektronik über die bisherigen Geräte Radio und TV hinaus auf völlig neue Devices bringt: Ich bin nicht sicher, ob wir in zehn Jahren noch das Wort "Unterhaltungselektronik" benutzen, aber wenn ja, dann meinen wir damit: Tapeten, Spiegel, Tische, Brillen, Uhren, ICE-Sitze, Autos, Handys etc.

video: Heute ist alles smart, vom Smartphone bis zum Smart Home. Was bedeutet aus Ihrer Sicht der Begriff "smart"?

Auch einer neuer Fernseher kann doof sein.
Sven Gabor Janszky, Zukunftsforscher

Janszky: Der Begriff ist wirklich eine Plage, weil ihn jeder für irgendwelche neuen Produkte benutzt, die mit seiner eigentlichen Bedeutung nichts zu tun haben. Er bedeutet "intelligent", aber ein Fernseher der einfach nur einen Internetanschluss hat, ist mitnichten automatisch intelligent. Er kann genauso doof sein, wie ein Modell aus den 70ern. Für mich ist die Grundlage von smarten Devices die smarte Prognostik, also jene intelligente, automatische Datenerhebung und -analyse, mit der Produkte ohne ein Zutun von Menschen automatisch auf die einzelne Person und auf den einzelnen Moment angepasst werden können.

video: Welche Geräte oder Technologien sind für Sie heute bereits wirklich smart?

Janszky: Um es gleich zu sagen, unter all den Fernsehgeräten sehe ich eigentlich keinen wirklich smarten. Ein smarter Fernseher würde automatisch mein Fernsehverhalten erheben, jeweils situativ meine Vorlieben und Bedürfnisse analysieren und daraus mein individuelles und adaptives Fernsehprogramm erstellen.

Verkaufsstart: Erste Curved-OLED-TVs im Handel

Selbstverständlich würde er mich nicht nur im eigenen "Datensaft" schmoren lassen, sondern zudem Empfehlungen und Überraschungen einprogrammieren. Ähnliche Ansätze finden Sie derzeit vereinzelt auf Websites, etwa in Musikstreamingdiensten. Aber die angeblich smarten Geräte auf der IFA haben damit noch wenig zu tun. 

video: Sind die Branchen eigentlich überhaupt auf dem "richtigen Dampfer"? Oder leben wir in ein paar Jahren ganz anders, als es die Produkte der Technik-Industrie heute vermuten lassen?

Janszky: Wenn Sie auf die etablierten Unternehmen der Consumer Electronics Branche schauen, dann sind die noch recht klassisch unterwegs und machen ihre TV-Geräte ein bisschen größer und das Bild ein bisschen besser. Diese inkrementelle Innovation muss sein, dagegen ist nichts zu sagen.

Aber die wirklichen marktverändernden, disruptiven Innovationen werden von anderen Unternehmen kommen - von denen, die die klassische Denke der Unterhaltungselektronik ablegen und die Branche mit bislang undenkbaren Bereichen verschmelzen - eben den Tapeten, Spiegeln, Tischen, Brillen, Uhren, ICE-Sitzen, Autos, Handys etc.

Sven Gabor Janszky

© Andreas Lander

Sven Gabor Janszky (40) ist Trendforscher und Direktor des 2b AHEAD ThinkTanks.

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