Embedding legal oder illegal?

Unklares BHG-Urteil zum Framing von YouTube-Videos

Das Einbinden von YouTube-Videos wurde rechtlich bislang wie das Verlinken als zulässig betrachtet. Nunmehr hat der Bundesgerichtshof erklärt, dass damit unter Umständen doch Urheberrechte verletzt werden könnten.

Framing/Embedden bei Youtube: Der Bundesgerichtshof hat ein unklares Urteil gefällt.

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Framing/Embedden bei Youtube: Der Bundesgerichtshof hat ein unklares Urteil gefällt.

Durch das Einbinden von YouTube-Videos (auch Framing oder Embedding genannt) werden Inhalte von YouTube auf eigenen Webseiten verfügbar gemacht. Auch das Posten von YouTube-Links auf Facebook ist ein solches Framing. Dabei werden keine Inhalte kopiert, sondern es wird lediglich ein Pfad zu dem entsprechenden Content eröffnet. Somit galt das Framing bisher im Sinne des Urheberrechtes als unbedenklich.

Nunmehr hat der Zivilsenat des BGHs gestern bei einer mündlichen Verhandlung eines Präzedenzfalls, bei dem es um ein kurzes Werbe-Video ging, einen anderen Standpunkt vertreten. "Framing ist nicht mit einfachen Links vergleichbar und verletzt daher eventuell Urheberrechte", erklärte der Vorsitzende Richter Joachim Bornkamm.

Viele Kommentare schelten die richterliche Entscheidung als weltfremd und der heutigen Medienwirklichkeit nicht gerecht werdend. Betrachtet man allerdings den konkreten Fall, so wird die Schwierigkeit einer rechtlichen Würdigung deutlich. Die Klägerin, eine Firma für Wasserfilteranlagen, hatte einen Werbefilm in Auftrag gegeben. Die Beklagten sind als Handesvertreter für konkurrierende Unternehmen tätig und hatten diesen Film in ihre eigenen Webseiten eingebunden.

Die Anwälte der Beklagten erklären, dass jeder, der ein Video bei einer Videoplattform hochlade, mit der Verlinkung in anderen Webseiten rechnen müsse. Noch ist keine endgültige Entscheidung über das Framing getroffen worden. Die Richter erwägen, den Fall vor den  Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu bringen, da auch europäisches Recht betroffen ist. Sollte die Verantwortung für die Rechte bei Embedded YouTube-Videos tatsächlich auf den übergehen, der einen solchen Link setzt, dann wäre dies ein neues Risiko für den User im Netz, und ein neues Betätigungsfeld für Abmahn-Anwälte.

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