Projekt

Deutsche Forscher erschaffen Weltrekord-WLAN

100 Gigabye pro Sekunde - drahtlos übertragen. Diesen Traum aller Geeks haben Forscher aus Deutschland wahr werden lassen. Er bedeutet Hoffnung für digital unterversorgte Landstriche.

WLAN, Rekord

© IntMag

WLAN, Rekord

Das schnellste WLAN der Welt kommt aus Deutschland. In der aktuellen Ausgabe des Magazins "Nature Photonics" stellen Forscher des inzwischen ausgelaufenen Projekts Millilink ein Verfahren vor, das eine drahtlose Datenübertragung mit einer Geschwindigkeit von 100 Gigabit pro Sekunde ermöglicht.

"Im Projekt stand die nahtlose Einbindung einer breitbandigen Richtfunkstrecke in faseroptische Systeme im Mittelpunkt", erklärt Prof. Ingmar Kallfass. Er koordinierte Millilink bis zum Frühjahr im Rahmen einer Shared-Professorship getragen vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF sowie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und forscht seit Anfang 2013 an der Universität Stuttgart. In den Experimenten wurden neueste photonische und elektronische Technologien miteinander kombiniert: Zuerst werden die Funksignale mit Hilfe eines optischen Verfahrens erzeugt. Mehrere Bits wurden dabei in sogenannten Datensymbolen zusammengefasst und gleichzeitig übertragen. Nach der Übertragung werden die Funksignale mit aktiven integrierten elektronischen Schaltungen empfangen.

Dies ist bereits der zweite Weltrekord für das Team in diesem Jahr. Im Mai schraubten sie die Marke auf 40 Gigabyte hoch - nun also die 100. Zum Vergleich: Die Karlsruher Technik ist 100 mal schneller als das ultraschnelle Fiber-Projekt von Google - das aber arbeitet mit Glasfasertechnologie. Google Fiber dagegen ist rund 20 mal so schnell wie eine 50 MB-Datenleitung - und selbst die ist in Deutschland nur in wenigen Regionen zu bekommen.

Millilink wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme "Breitband-Zugangsnetze der nächsten Generation" mit insgesamt zwei Millionen Euro unterstützt. Neben den beiden Forschungseinrichtungen Fraunhofer IAF und KIT waren an dem Projekt die Industriepartner Siemens AG, Kathrein KG und Radiometer Physics GmbH beteiligt. Bemerkenswert aber ist die mangelnde Berichterstattung: Nur wenige deutsche Tech-Sites berichten über den Durchbruch, klassische Medien ignorieren ihn.

Die neue Technik ist ein Hoffnungsträger für strukturschwache Regionen, glaubt das Forscherteam: "Besonders für den ländlichen Raum bietet diese Technologie eine kostengünstige und flexible Alternative zu Glasfasernetzen, deren Ausbau dort oft nicht ökonomisch ist", sagt Kallfass. Wie wichtig eine solche Breitbandversorgung ist, demonstrierte jüngst Schottland. Die Regierung beobachtet dort Digital-Flüchtlinge, die ländliche Gegenden wegen mangelnder Daten-Geschwindigkeit verlassen: "Einige Untersuchungen, die ich in den vergangenen 12 Monaten gesehen habe, deuten in diese Richtung - und das sollte uns alle betroffen machen", sagte jüngst Innenminister Richard Lochhead. Deshalb will die Landesregierung zusätzliche Mittel in den Breitbandausbau stecken.

Für das Karlsruher Projekt aber gibt es nicht nur Einsatzmöglichkeiten in Kommunen sondern genauso auch daheim, sagt Forscher Kallfass: "Mit einer Datenrate von 100 Gigabit pro Sekunde könnte man in nur zwei Sekunden den gesamten Inhalt einer Blue-ray Disc oder von fünf DVDs per Funk zwischen zwei Geräten übertragen."

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