Windows XP Supergau

Fast allen Geldautomaten droht der Totalausfall ab 8. April

Weltweit laufen fast zwei Millionen Geldautomaten unter Windows XP, das ab 8. April nicht mehr unterstützt wird. Der Umstieg wurde trotz Warnungen verschlafen.

Geldautomaten als Sicherheitsleck: Das Aus von Windows XP könnte sich zum Supergau entwickeln.

© Denys Prykhodov - Fotolia.com

Geldautomaten als Sicherheitsleck: Das Aus von Windows XP könnte sich zum Supergau entwickeln.

2,2 Millionen Geldautomaten gibt es weltweit. Der Großteil nutzt Windows XP als Betriebssystem, das ab dem 8. April nicht mehr von Microsoft unterstützt wird und somit zum potenziellen Einfallstor für Cyber-Attacken werden wird. Im schlimmsten Fall drohen Totalausfälle der Automaten sowie die Manipulation von Daten und Diebstahl von Geld. Wir berichteten in unserer Meldung zum IT-Problem mit Windows XP im Bundestag. Ankündigungen und Warnungen seitens Microsoft, XP 2014 "aussterben" zu lassen, gibt es seit 2007. Der Umstieg wurde bislang verschlafen.

Jetzt, wenige Wochen vor dem 8. April 2014, sind Banken zum Handeln gezwungen. Die IT-Infrastruktur muss aktualisiert werden, und das wird teuer. Von den 2,2 Millionen Geldautomaten weltweit sollen 95 Prozent unter Windows XP laufen, glaubt man Informationen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). In Großbritannien etwa müssen die Banken fast 50 bis 60 Millionen Pfund (etwa 70 Millionen Euro) für Wartungsverträge mit Microsoft ausgeben, schätzt Sridhar Athreya - Chef der Technologie-Beratungsfirma SunGuard Consulting in London -, laut Informationen der Wirtschaftswoche.

Der Geldautomatenhersteller NCR gibt an, dass bis zum Stichtag des Windows-XP-Endes nur rund ein Drittel der Systeme rechtzeitig umgestellt sein wird. Die in Deutschland bei Geldautomaten häufig anzutreffende Firma Wincor Nixdorf sagt, dass der Wechsel von XP auf ein neueres Betriebssystem in Deutschland schon seit Jahren auf der Agenda der Banken stehe. Doch umgestellt hätten längst nicht alle.

Einige Banken gehen vorerst einen anderen Weg. Die Wirtschaftswoche berichtet, dass beispielsweise bei der Stuttgarter Volksbank noch alle 151 Geldautomaten und 94 Kontoauszugsdrucker unter Windows XP laufen. Die Betreiber bezahlen Microsoft  lieber für weiteren technischen Support bis 2017, anstatt direkt zu wechseln. Dies könne sich auszahlen, denn die Geldautomaten würden ohnehin bald ausgetauscht, jedes Finanzhaus müsse die Situation einzeln für sich prüfen und durchrechnen. Eine Alternative zum teuren Upgrade beispielsweise auf Windows 7 wären kostenlose Betriebssysteme: wie beispielsweise Linux. In Stadtverwaltungen ist die Plattform bereits vielerorts etabliert - und verursacht weniger Kosten.

Wie viele der Banken rechtzeitig umgestellt haben werden und vor allem ob Ihre dabei ist, erfragen Sie am besten direkt bei Ihrem Geldinstitut. Die Deutsche Kreditwirtschaft betont unterdessen, dass sich Kunden keine Sorgen machen müssten, deutsche Geldautomaten seien im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien nicht mit dem Internet zwecks Wartung verbunden. Daher seien Sie laut der Deutschen Kreditwirtschaft frei von Sicherheitslücken, über die Hacker Zugriff erlangen könnten. Es gebe zudem Spezialsoftware, die vor Angriffen von außen sichern würde.

Jenseits des Atlantiks sieht man die Situation gelassener. Doug Johnson, Risiko-Manager beim US-Bankenverband, sagt, dass es den Finanzinstituten zugute komme, dass Windows XP "kampfgestählt" sei. Wie viel Verlass darauf ist, bleibt abzuwarten. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.

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