Windows-8-Leak

Microsoft schnüffelte im E-Mail-Konto eines privaten Nutzers

Microsofts Doppelmoral: Zur Aufklärung der Windows-8-Leaks wurde ein privates E-Mail-Konto durchsucht. Parallel forderte die Firma von der NSA mehr Transparenz.

Um den Windows-8-Leak aufzuklären, spionierte Microsoft in einem privaten E-Mail-Konto.

© © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Um den Windows-8-Leak aufzuklären, spionierte Microsoft in einem privaten E-Mail-Konto.

Microsoft hat das private E-Mail-Konto eines französischen Tech-Bloggers auf hotmail.com (jetzt "Live") durchsucht, um das Leck eines Windows-8-Leaks aufzuklären. Wir berichteten darüber in unserer Meldung zur Verhaftung eines ehemaligen Microsoft-Mitarbeiters. Dieser wurde mit Hilfe des Einngriffs in die Privatsphäre jenes Opfers entlarvt. Microsoft konnte für diese eigentliche Datenschutzverletzung keine richterliche Genehmigung vorweisen.

Dennoch können die Redmonder den Zugriff auf private Daten, der unter Aufsicht und Leitung eigener Juristen stattgefunden haben soll, über die eigenen Nutzungsbestimmungen argumentieren. In diesen nimmt sich Microsoft das Recht heraus, im Falle einer möglichen Verletzung [...] von geltenden Gesetzen private Inhalte durchsuchen zu dürfen. Die entsprechenden Passagen finden Sie im Schreiben zum Microsoft-Services-Agreement unter Punkt 3.5 und 3.6.

Anlass für den Zugriff gab ein französischer Blogger, der vom erwähnten Microsoft-Mitarbeiter Mitte 2012 den Windows-8-Code inklusive des Kopierschutztools (Microsoft Activation Server Software Development Kit) erhielt. Er wollte die Daten von Microsoft verifizieren lassen. So kam der Windows-Hersteller erst ihm und dann anschließend der Quelle des Leaks auf die Schliche. Im Hotmail-Account gefundene Chat-Protokolle entlarvten den mittlerweile verhafteten Ex-Mitarbeiter von Microsoft weiterer Vergehen.

Microsoft hat sich zwar durch die eigenen Nutzungsbedingungen nichts zu Schulden kommen lassen, dennoch sorgen die Vorkommnisse für Aufregung. Im Zuge der Aufdeckung des NSA-Skandals im Verlauf des vergangenen Jahres hat sich Microsoft zum einen lautstark gegen die NSA und für mehr Transparenz ausgesprochen. Zum anderen warf Microsoft Google vor, private Mail-Accounts nach Schlagwörtern zu durchsuchen, um individuellere Werbeanzeigen verkaufen zu können. Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse lässt sich eine gewisse Doppelmoral wohl nicht leugnen.

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