Werbung geht nach hinten los

Windows 10: Microsoft erntet Kritik für Warnung vor Windows 7

Der Marketing-Chef von Microsoft warnte in einer Online-Show vor Windows 7, zugunsten von Windows 10. Für seine Begründungen gibt es nun Kritik.

Microsoft Windows 10 Hintergrund

© Micoroft

Windows 10 soll Windows 7 den Rang ablaufen. Nach offensiven Update-Hinweisen und -Aufforderungen gab Microsoft sogar eine Warnung vor der weiteren Nutzung von Windows 7 aus - und bekommt dafür Kritik.

Chris Capossela ist "Marketing Chief" bei Microsoft und hat alle Hände voll damit, Windows 10 Nutzern und Unternehmen schmackhaft zu machen. In Episode 445 der US-Online-Show "Windows Weekly" dürfte Capossela jedoch kurz vor Weihnachten etwas über die Stränge geschlagen haben. Er warnte Nutzer im Gespräch mit den Moderatoren - unter anderem den bekannten und oft zitierten Windows-Experten Paul Thurrott und Mary Jo Foley - vor dem Einsatz von Windows 7. Für die Begründungen Caposselas für diese Warnung gibt es nun Kritik.

Nutzer von Windows 7 würden "auf eigenes Risiko handeln, auf eigene Gefahr". Bedenken gebe es bei Kompatibilitätsfragen mit Hardware und Software sowie beim Thema Sicherheit: "Wenn Menschen ein [fast] zehn Jahres altes Betriebssystem nutzen, machen wir uns Sorgen, dass ihr nächster Drucker nicht mehr funktionieren wird. Oder nehmen wir ein Spiel wie Fallout 4, das auf einer Vielzahl von alten Maschinen nicht mehr läuft. Wir empfehlen Software-Entwicklern und Hardware-Partnern, die neuen Features von Windows 10 auszunutzen. Deshalb werden ältere Dinge offensichtlich schlecht, ganz zu schweigen von Viren und anderen Sicherheitsproblemen", sagte Capossela. Es sei auch wichtig, die Fragmentierung von Windows einzudämmen und die Nutzer "zu etwas Sicherem zu bringen".

Capossela meint mit der Fragmentierung den gleichzeitigen Einsatz vieler verschiedener Windows-Versionen innerhalb der gesamten Nutzerbasis. Capossela möchte Anwender natürlich zu Windows 10 bewegen. Doch die Argumentation ist - wie Forbes umschreibt - "kompletter Blödsinn". Zwar ist es richtig, dass ein Betriebssystem früher oder später auf die genannten Probleme trifft, das haben wir im vergangenen Jahr bei Windows XP deutlich gesehen. Doch XP hat mittlerweile rund 15 Jahre auf dem Buckel, Windows 7 ist nicht einmal bei sieben Jahren. Zudem zeigen unsere eigenen Erfahrungen und vor allem Nutzerzahlen, dass die Zeit von Windows 7 noch lange nicht gekommen ist. Noch grob jeder zweite PC weltweit läuft mit Windows 7, bei Windows 10 ist es erst etwa jeder zehnte Rechner.

Lesetipp: Windows 10 oder Windows 7?

Windows 7 sei laut Forbes nicht unsicherer als Windows 10 - es wird von Microsoft offiziell bis 2020 mit allen Sicherheits-Updates unterstützt. Und die Software-Basis ist auch nicht wie bei XP veraltet, sodass es bei Windows 7 zusätzlich schwieriger wird als bei Windows 10, Cyberkriminelle abzuwehren. Von Kompatibilitätsproblemen kann auch keine Rede sein. Da immer noch jeder zweite PC unter Windows 7 läuft, dürfte der Fokus von Entwicklern laut Forbes weiterhin darauf liegen, nicht auf Windows 10. Und wenn Fallout 4 unter Windows 7 streikt, dürften Treiber-Updates für die Hardware oder Patches für das Spiel erfolgversprechender sein, als ein Update auf Windows 10 - sofern die Hardware ausreicht.

Microsoft hat sich das Ziel gesetzt, Windows 10 in zwei bis drei Jahren auf einer Milliarde Geräten installiert zu haben. Nachdem Microsoft zwar anfängliche Datenschutzbedenken langsam aber sicher im Keim erstickte, folgten jedoch scheinbare Zwangs-Updates und sehr offensive Hinweise auf das Update. Dies - in Zusammenspiel mit der aktuellen, wohl eher fehlgeschlagenen Werbung - dürfte Microsofts Vorhaben wieder etwas erschwert haben. Immerhin gab Microsoft zur CES 2016 bekannt, bereits bei über 200 Millionen installierten Geräten zu sein - nach rund einem halben Jahr.

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