Kissinger Cables

Wikileaks veröffentlicht 1,7 Millionen US-Depeschen

Unter dem Namen "Kissinger Cables" veröffentlicht die Enthüllungsplattform Wikileaks 1,7 Millionen neue US-Depeschen aus Diplomatie- und Geheimdienstkreisen der Jahre 1973 bis 1976. Eine Suchmaschine namens "Plus D" startet zeitgleich, mit Zugriff auf eine Datensammlung von über einer Milliarde Wörter.

Plus D mit Kissinger Cables: 1,7 Millionen US-Depeschen warten auf Interessenten.

© Screenshot: WEKA; wikileaks.org/plusd/

Plus D mit Kissinger Cables: 1,7 Millionen US-Depeschen warten auf Interessenten.

Wikileaks veröffentlicht 1,7 Millionen neue US-Depeschen aus den Jahren 1973 bis 1976 unter dem Titel "Kissinger Cables". Die Dokumente beinhalten angeblich Berichte über Unternehmungen, diplomatische Beziehungen und ehemalige Geheimdienstinformationen der USA in Verbindung mit jedem Land auf der Erde. Laut Wikileaks handele es sich um die bedeutendste Einzelsammlung von weltpolitischem Material, die jemals veröffentlicht wurde.

Zum Durchsuchen der Dokumente haben die Wikileaks-Betreiber eine Suchmaschine eingerichtet: die Public Library of United States Diplomacy (kurz: Plus D). Public Library of United States Diplomacy bedeutet frei übersetzt "öffentliche Bibliothek der US-Diplomatie". Es handle sich entsprechend um 1,7 Millionen Dokumente aus den 1970-er Jahren, die bereits freigegeben wurden und nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen. Die meisten von ihnen seien seit jüngerer Zeit in Datenbanken und staatlichen Archiven zugänglich.

Die Dokumente umspannen - wie der Name andeutet - die Aktivitäten der USA während der Amtszeit des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger. Die veröffentlichten US-Depeschen würden unter anderem Beziehungen zu Diktaturen, insbesondere in Lateinamerika und in Griechenland, beinhalten, sagt Wikileaks. Sprecher Kristinn Hrafnsson teilte mit, dass "man Regierungen nicht ihre eigenen Archiven anvertrauen sollte". Angeblich habe sich die US-Landesführung mehrfach dafür eingesetzt, bestimmte der jetzt zugänglichen Dokumente wieder unter Geheimhaltung zu stellen.

Solange dies noch nicht passiert, können Sie unter der Plus D-Webseite von Wikileaks die 1,7 Millionen Dokumente einsehen und nach verschiedenen Suchkriterien filtern. Wie techcrunch.com schreibt, habe sich Wikileaks für den kurzen Namen Plus D entschieden, um Netzdebatten etwa auf Twitter unter dem Sammelbegriff (Hashtag) zu vereinfachen. Wie Forbes berichtet, würden Wikileaks seit 2010 Quellen fehlen, um "tatsächliche" Geheimdokumente zu veröffentlichen. Bis dato hatte die Hacker-Gruppierung Anonymous regelmäßig für neues Material etwa des US-amerikanischen Think-Tanks "Stratfor" oder der syrischen Regierung gesorgt. Die nunmehr neunmonatige Inhaftierung des Wikileaks-Gründers Julian Assange dürfte ihr Übriges getan haben.

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