Digitale Währung

Wie funktionieren Bitcoins?

Die digitale Währung Bitcoin sorgt mit ihren Schwanken vermehrt für Schlagzeilen in den Medien. Doch wie funktionieren Bitcoins eigentlich? Und wie können Unternehmen sie für sich nutzen?

Bitcoin

© Archiv/IntMag

Bitcoin

Wenn der renommierte >>Spiegel<< in seiner gedruckten Form u?ber ein Internetpha?nomen schreibt, dann ist die Pionierphase u?berstanden. Anfang Januar berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin u?ber James Howell, der vor vier Jahren Bitcoins auf einem Rechner sammelte und vor einem halben Jahr versehentlich die alte und scheinbar wertlose Festplatte in den Mu?ll warf. Darauf 7.500 Bitcoins, aktueller Marktwert am 17. Januar: 4,875 Millionen Euro.

Noch vor einem Jahr sah die Bilanz fu?r den Waliser Howell gar nicht so du?ster aus. Bei elf Euro notierte ein Bitcoin, und Howell ha?tte dann nur 82.500 Euro auf der Mu?llhalde versenkt. Die Kurssteigerung 2013 erinnert an die besten Hype-Tage der Dotcom-Blase und selbst eine Investition in Apple-Aktien im Jahr vor dem ersten iPhone - also 2006 - ha?tte bis zum Allzeithoch letztes Jahr nur eine Verzwo?lffachung des Investments bedeutet. Peanuts also im Vergleich zu Bitcoins.

Es gibt sie, die Early Adopter, die mit Bitcoins reich geworden sind. Wer 2009 im Keller einen unnu?tzen Rechner ans Bitcoin-Netzwerk anschloss, um gemeinsam mit den anderen Netzteilnehmern langwierige Rechenaufgaben zu lo?sen, der du?rfte sich u?ber den aktuellen Kurswert von 650 Euro pro Bitcoin freuen. Unterdessen stellt sich die Frage, die sich jeder Investor stellt: Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt zum Verkaufen?

Vermutlich nicht. Bitcoins sind in der Stu?ckzahl auf 21 Millionen begrenzt. Bislang ist rund die Ha?lfte aller Bitcoins in Umlauf. Sollte die Nachfrage weiterhin schneller wachsen als das Angebot, wird der Kurs weiter steigen. Berichte in klassischen Medien fungieren als Hype-Hebel. Und dass die Nachfrage schneller steigt, dafu?r sorgt das System selbst.

Die Geschwindigkeit, mit der neue Bitcoins gescho?pft werden, passt sich automatisch der verfu?gbaren Rechnerleistung im Bitcoin-Netzwerk an und wird immer langsamer. Bitcoins sind von Geburt an deflationa?r aufgebaut. Die Preise der Gu?ter, die fu?r Bitcoins gekauft werden ko?nnen, sinken, weil der Außenwert der Wa?hrung steigt.

Dieses >>Scho?pfen<< nennt man Mining. Vereinfacht ausgedru?ckt tragen Miner dazu bei, die endlose Zeichenkette namens Blockchain, in der alle Transaktionen mit Bitcoins verzeichnet werden, zu kontrollieren und zu erga?nzen. Dafu?r errechnen sie so genannte Hashes - ebenfalls endlose Zeichenketten.

Hat ein Hash eine bestimmte La?nge und Struktur, erha?lt der Miner zur Belohnung Bitcoins. Dies geschieht allerdings extrem selten, sodass Millionen Hashes durchgerechnet werden mu?ssen, um Bitcoins zu bekommen. Das gelingt nur mit spezieller Hardware, teilnehmen aber kann jeder, der sich eine Bitcoin-Clientsoftware herunterla?dt.

Wer heute bei Ebay einen kleinen USB-Stick zum Bitcoin-Mining kauft, wird seiner Investition nicht froh. Selbst ein gehobener Miner mit einem Leistungswert von 600 Giga-Hashes pro Sekunde, schafft im aktuellen System nur 0,17 Bitcoin pro Tag, das entspricht also 110 Euro.

Davon abzuziehen sind die Stromkosten in Ho?he von 2,35 Euro (bei 0,28 Euro pro KWh und 350 Watt Leistung) sowie die anteiligen Anschaffungskosten. Das Gera?t (Butterfly The Monarch) kostet 1.619 Euro und la?uft ho?chstens zwei Jahre wirtschaftlich, bra?uchte also 67 Euro Abschreibung pro Tag. Es bleibt ein Restertrag von rund 40 Euro pro Tag.

Das gilt allerdings nur dann, wenn der Besteller den Monarch mo?glichst schnell bekommt. Das IT-Magazin "Ct" berichtet von Lieferschwierigkeiten aller namhaften Hersteller in diesem Segment. Ein weiteres, recht eindeutiges Signal des Booms. Außerdem ist der Ertrag abha?ngig von der Schwierigkeit der Rechenaufgaben. Sollte der Hype weiter Fahrt aufnehmen, werden diese komplexer und der Tagesertrag des Monarch geringer. Aber natu?rlich ko?nnte ein weiterer Kursanstieg die Bilanz auch scho?ner fa?rben.

Rechenspiel hin, Spekulation her, die Pionierphase ist vorbei. Wer Mining betreiben will, sollte das strategisch planen, entsprechend investieren, Ausdauer, einen großen, ku?hlen Keller und vor allem Kurshoffnung mitbringen. >>Mining lohnt sich in Deutschland aus moneta?ren Gru?nden nicht, in diesem Bereich werden andere La?nder das Rennen machen<<, meint Adrian Hotz, der Veranstalter der ersten Bitcoin-Konferenz in Deutschland.

An dieser Stelle entzu?nden sich bereits die ersten Diskussionen. Was, wenn nur einige wenige Miner die Rechenleistung fu?r effizientes Schu?rfen aufbringen? Droht dann eine Zentralisierung, die es eben diesen wenigen erlaubt, den Kurs zu nutzen, eventuell zu manipulieren? Das wa?re nicht im Sinne der Erfindung, bei der vor allem der Sicherheitsaspekt davon lebt, dass das System allen Teilnehmern >>geho?rt<<.

Jo?rg von Minkwitz, Mitbegru?nder des Berliner Beratungs- und Projektunternehmens Bit & Coins Consulting ficht das nicht an. >>Jeder Marktteilnehmer, der das System verstanden hat, kann von den Zentralisierungstendenzen nicht u?berrascht sein<<, so der studierte O?konom. >>Diese Zentren entstehen aber u?berall in der Welt und konkurrieren miteinander. Das System Bitcoin nimmt davon keinen Schaden.<<

Der schnellere Weg zum Reichtum geht derzeit ohnehin u?ber den Verkauf der Miner-Hardware oder u?ber diverse Dienstleistungen im Umfeld von Bitcoin. Angebote wie der Bitcoin Trading Robot versprechen gro?ßte Gewinne durch den vollautomatischen Handel mit der Digitalwa?hrung.

Freilich muss man sich fu?r 150 Dollar erst ein Konto kaufen. Bitcoin-Bo?rsen verdienen wie klassische Wechselstuben an einer Kursdifferenz zwischen An- und Verkauf. Unternehmen wie Bit & Coins beraten Ha?ndler und Industrieunternehmen auf der Suche nach einer Bitcoin-Strategie.

Es gibt aber auch einen einfachen, sicheren, derzeit in Deutschland aber noch eher gemu?tlichen Weg zum Bitcoin: Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen gegen Bitcoin-Bezahlung. Zahna?rzte, Restaurants, Schmuckha?ndler und Zimmervermieter nehmen hierzulande bereits die Digitalwa?hrung an. Auf der Website Coinmap.org sind fu?r Deutschland rund 150 Anbieter verzeichnet. Selbst der eher biedere Stuttgarter Tennisclub Doggenburg nimmt virtuelle Mu?nzen.

Und die Szene ist gut vernetzt. In jeder gro?ßeren Stadt gibt es Bitcoins-Gruppen, die sich regelma?ßig treffen. Adrian Hotz plant fu?r September sogar die Veranstaltung des ersten World Bitcoin Forum. Als Veranstaltungsort dieses Mega-Events nimmt der Ko?lner E-Commerce-Berater ausgerechnet den ehemaligen Bundestag in Bonn ins Visier - sofern die Sponsoren mitspielen.

Freilich ha?lt sich fu?r Ha?ndler der Einkommensstrom an Bitcoins in u?berschaubaren Grenzen. Jens-Ole Nickel ist ganz neu dabei. Er bietet seit einem Monat Webdesign oder Hosting gegen Bitcoins an. Noch hat neimand angebissen. >>Es liegen daher keine Transaktionen vor, aber zumindest zeigt meine Besucherstatistik Coinmap.org vermehrt als Besucherquelle an.<<

Der Mainzer Antiquita?tenha?ndler Antoine Richard spricht von >>sehr wenigen Transaktionen<<, mo?chte aber keine Zahlen nennen. Jo?rg von Minkwitz hat bereits einige unterschiedliche Online-Shops bei der Einfu?hrung von Bitcoins begleitet. >>Shops im Erotiksegment funktionieren noch nicht so gut, weil die Bezahlwerte eher gering sind und noch zu wenige Frauen mit dieser Wa?hrung bezahlen.<< Gute Gescha?fte machen hingegen die Anbieter technischer Produkte, vor allem dann, wenn sie ganz neu und auffa?llig sind.

Eine sichere Bank ist freilich die Mining-Hardware. Dominik Burda betreibt Cryptominer.de und verkauft dort Rechenknechte fu?r digitales Goldschu?rfen. >>Derzeit kommen ein bis zwei Bitcoin-Bezahlungen pro Tag rein.<< Und Jan Ja?dicke betreibt von Bielefeld aus den Online-Shop Bitstores, der ausschließlich Bitcoins als Zahlungsmittel annimmt. Hier gibt es zum Beispiel ferngesteuerte Drohnen zu erwerben.

Bitstores war zuna?chst als Experiment gestartet, weil Ja?dicke den Mangel an Akzeptanzstellen in Deutschland bedauerlich fand. Seine Bilanz fa?llt a?ußerst wohlwollend aus: >>Seit unserem Start konnten wir schon u?ber 30 Bestellungen verzeichnen, was uns sehr positiv u?berraschte. Der Großteil der Bestellungen bezog sich dabei auf Hardware und Elektronikartikel.<<

In den nichttechnischen Branchen sieht das naturgema?ß noch etwas du?rftiger aus. Sven Liebig betreibt den T-Shirt-Laden Shirtzshop und nimmt pro Woche im Durchschnitt eine Bitcoin-Bestellung entgegen. Und Daniel Griesser vom Goldhuus in Stein am Rhein stellt fest: >>Hier in der Schweiz ist es noch sehr wenig verbreitet und es gibt fast keine Annahmestellen.<<

Jo?rg von Minkwitz und Jens-Ole Nickel sehen den aktuellen Nutzen der Bitcoin-Annahme vor allem in einem Marketingeffekt. Wer das Banner >>Bitcoins accepted here<< auf seiner Domain fu?hrt, gewinnt Traffic vor allem aus Quellen, die sich dediziert mit dem Pha?nomen bescha?ftigen. Zahlreiche Plattformen zeigen wie die Coinmap Listen der Anbieter und je fru?her ein Anbieter dort pra?sent ist, umso sichtbarer ist er fu?r Besucher. Auch in Foren wie Bitcointalk.org werden neue Ha?ndler fro?hlich begru?ßt und bewertet.

Gleichzeitig ist die Bitcoin-Akzeptanz Ausdruck einer Szenezugeho?rigkeit. Modern, digital und ein bisschen anarchisch geben sich die Sammler und Ha?ndler noch immer, obwohl la?ngst professionelle Gescha?ftemacher im gleichen Revier wildern. Dass die Attribute auch gleichzeitig die Startup-Szene in Berlin beschreiben ko?nnten, ist kein Zufall. Die Bundeshauptstadt ist auch Bitcoin-Hauptstadt. In einem kleinen Quartier - dem Bitcoin-Kiez - ist die Wa?hrung sogar namensgebend.

Fu?r von Minkwitz ergibt sich daraus eine sehr spannende Selbstsegmentierung der Zielgruppe. >>Leute, die mit Bitcoins bezahlen, sind u?berdurchschnittlich gebildet, sonst ha?tten sie sich nicht so fru?h mit dem Thema bescha?ftigt. Außerdem sehen wir viele Early Adopter, die auch im Online-Store nach Neuem, Trendigem suchen. Da wir das schon seit eineinhalb Jahren machen, kennen wir die Zielgruppe inzwischen ziemlich gut.<<

Und wer die Zielgruppe verstanden hat, kann sich auch mit einem ganz anderen Produktsortiment dorthin wagen. Mimi Sewalski verkauft auf dem Shopping-Portal Avocadostore Mode und Lifestyle- Produkte aus o?kologisch neutraler und nachhaltiger Produktion. >>Diese Kunden haben Lust auf nachhaltige Alternativen<<, weiß die Hamburgerin. Mehrere Bestellungen pro Woche werden in Bitcoins fakturiert und die entsprechenden Warenko?rbe enthalten zu 60 Prozent Modeartikel.

Dennoch glaubt Sewalski nicht daran, dass Bitcoin andere Zahlungsmittel mittelfristig verdra?ngt. >>Der Mainstream der Kunden hat noch nie von Bitcoins geho?rt.<< Sewalskis Gru?ndungspartner bei Avocadostore ist u?brigens der fru?here Qype-Erfinder Stephan Uhrenbacher.

Was allen Ha?ndlern aktuell Mut macht, sind neben der Kursentwicklung 2013 auch Erfolgsmeldungen, wie die von Overstock, einem echten E-Commerce-Schwergewicht in den USA. Dort, so berichtet das Innovationsmagazin Wired, wurden am ersten Tag der Bitcoin-Akzeptanz bereits 126.000 US-Dollar in der virtuellen Wa?hrung umgesetzt. Das entspricht vier Prozent vom Tagesumsatz.

Spa?testens seitdem Medien wie der "Spiegel" Bitcoins zum Titelthema machen, du?rfte das Thema sukzessive auch beim Mainstream angekommen sein. Wenn die Nutzer dennoch nur zo?gerlich mit Bitcoin bezahlen wollen, so liegt das vielleicht gar nicht an der Unkenntnis, sondern am mangelnden Mehrwert.

Die Abwesenheit von Transaktionskosten - eines der signifikanten Leistungsmerkmale der digitalen Wa?hrung, die ja ohne eine vermittelnde Drittpartei auskommt - spu?rt der Endkunde im Online-Shop kaum. Bei Geek-Produkten ist die Preisvarianz ohnehin hoch, so dass Paypal- oder Kreditkartenprovisionen darin untergehen. Und bei Mainstreamartikeln ko?nnen sich die Ha?ndler bislang noch nicht dazu durchringen, die gesparten Gebu?hren an Kunden weiterzugeben und sich so zum Beispiel in Preissuchmaschinen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Gerade in Produktbereichen mit geringen Margen kann sich die Abwesenheit von Bankgebu?hren spu?rbar auszahlen. notebooksbilliger.de zeigt zu jeder Zahlungsmethode einen anderen Aufschlag auf den Warenkorb. Hier wu?rde Bitcoin im direkten Vergleich gla?nzend abschneiden.

Gleiches gilt natu?rlich auch fu?r Micropayments, also zum Beispiel beim Abruf einzelner kostenpflichtiger Medienartikel. Viele Medienha?user verzichten bislang auf diese Option, weil unter anderem der Fixkostenanteil - vulgo Gebu?hren - fu?r Kleinstbetra?ge manchmal ho?her ist als der Artikelpreis selbst. Hier ko?nnte auch das zweite Argument greifen, na?mlich die Geschwindigkeit der Bezahlung. Vergleichbar wa?re in diesem Segment nur Paypal.

Das dritte wichtige Argument pro Bitcoin, na?mlich die Anonymita?t, ist ein zweischneidiges Schwert. Bitcoin-Zahlungen tauchen auf keiner Kreditkartenrechnung auf. Somit wa?re zwar das Umwechseln eines gro?ßeren Betrags von Euro in Bitcoins nachvollziehbar, die einzelne Bezahlung hingegen eher nicht. >>Das geht in der Blockchain in der Masse der Transaktionen vo?llig unter<<, meint von Minkwitz. Die Blockchain, das ist Bitcoin selbst, na?mlich in Form einer riesigen Zeichenkette, die alle Transaktionen beinhaltet.

An dieser Stelle schalten sich gerne die offiziellen Stellen ein und drohen mit Verboten, weil die Anonymita?t auch fu?r Geldwa?sche oder kriminelle Machenschaften genutzt werden ko?nnte. Die chinesische Regierung verbot den Banken im Dezember, mit Bitcoin-Wechselstuben Geschäfte zu machen, und auch die deutsche und die franzo?sische Zentralbank warnten vor der hohen Volatilität und einem möglichen Totalverlust.

Unterdessen fand in China eine spannende Transformation statt. Die Exchanges erfanden gleich eine Handvoll alternativer Methoden, um aus Bitcoins reales Geld zu machen, unter anderem einen Umweg über Einkaufsgutscheine, die in entsprechenden Online- Stores eingelöst werden können. Das US-Magazin Wired geht davon aus, dass die neue Gesetzgebung die Bitcoin-Szene sogar stärken könnte, weil man die Bitcoin-Wechselstuben eben nicht verboten hat, sondern ihnen einen definierten Raum zuwies.

Tatsächlich ist das Bitcoin-System in Teilen weit weniger anonym, als gerne kolportiert wird. Bei größeren Wechselbeträgen verlangen die Exchanges häufig den Identitätsnachweis, bevor sie auszahlen. Und große Transaktionen innerhalb der Blockchain werden in Foren diskutiert.

>>Die Blockchain ist offen und kann von jedem gelesen werden, der sich damit auskennt, auch von Steuerbeho?rden oder der Polizei<<, erläutert von Minkwitz. Ob nach der Identifikation eines verdächtigen Zahlungsstroms dann auch die Identifikation und Verfolgung des Urhebers gelingt, steht auf einem anderen Blatt, aber das ist bei anderen Währungen kaum anders.

Dass der Umgang mit Bitcoins Risiken birgt, darin sind sich alle einig. Anleger, die Bitcoins horten - und das tun einer US-Studie zufolge um die 60 Prozent - riskieren nicht nur Kurs- sondern auch Datenverluste. Wer sich für Bitcoins entscheidet, tut gut daran, gleichzeitig das Sicherheits- und Backup-System seiner Rechner auf den Prüfstand zu stellen.

Jens-Ole Nickel speichert seinen Bitcoin-Bestand mehrmals täglich auf unterschiedlichen Backup-Medien. >>Die einzige komplett sichere Aufbewahrungsmethode der Online-Währung ist aktuell offline<< sagt Adrian Hotz. >>Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, generiert sich selber Paperwallets und lagert seine Bitcoins physisch an verschiedenen Orten.<<

Bitcoin Wallets, also kleine digitale Geldbörsen, die als App auf Smartphones residieren, bieten Hackern ein verlockendes Ziel. Die Anzahl der Angriffe wird zunehmen. Daher besitzen viele Teilnehmer mehrere Konten und transferieren regelmäßig nur kleinere Beträge in die Wallets, deren Diebstahl zu verschmerzen wäre. Ganz so wie beim echten Bargeld in der realen Geldbörse.

Wer unterdessen Bitcoins bei internetbasierten Diensten platziert, um zum Beispiel von seinem Smartphone handeln zu können, oder wer sich als Online-Händler mit den Anbietern von integrierten Zahlungslo?sungen wie zum Beispiel Bitpay einlässt, der muss eben auch eine gute Portion Vertrauen mitbringen. >>Dieses Vertrauen muss ich aber auch herkömmlichen Zahlungsdienstleistern wie Paypal entgegenbringen<<, konstatiert Jan Jädicke.

Unmittelbare Gewinner der Bitcoin-Idee sind neben den Pionieren vor allem solche Nutzer, die bislang Probleme beim digitalen Bezahlen haben. Entweder sie erhalten zum Beispiel als Studenten oder aufgrund ungu?nstiger Schufa-Einträge keine Kreditkarte. Dann funktioniert Bitcoin wie ein Prepaid-System. Oder sie haben gar kein Bankkonto, was den Erfolg von Bitcoin in La?ndern der Dritten Welt erklärt. Oder sie leiden unter horrenden Gebühren. Das gilt vor allem für Migranten, die ihren Verwandten in der Heimat Geld über Western Union oder Moneygram transferieren. Gebu?hren von zehn Prozent sind da keine Seltenheit.

So anarchisch, wie Bitcoin in der etablierten Finanzwelt gesehen wird, ist das System freilich nicht. Wer bei den deutschen Exchanges wechselt, hat es mit BAFIN-regulierten Institutionen zu tun. Die im Checkout eines Online-Stores angezeigten Wechselkurse lassen sich leicht auf etablierten Finanzwebsites wie Finanzen.net prüfen. Und auch die Europäische Zentralbank wird mittelfristig kaum die Währungshoheit verlieren. Man geht aktuell in Frankfurt von 70.000 täglichen Bitcoin-Transaktionen weltweit aus, im Vergleich zu 25 Millionen Überweisungen allein in Deutschland.

Freilich wird es spannend sein zu beobachten, wie die etablierten Institutionen und Großunternehmen mit dem Thema auf Dauer umgehen. Ebay hat die Integration schon angekündigt, die großen Telekommunikationsunternehmen arbeiten mit Nachdruck an Implementierungen in deren eigene mobile Wallet-Lösungen und die innovative Fidor-Bank hat bereits eine Kooperation mit der deutschen Börse Bitcoin.de verkündet. Wenn alles klappt, können Fidor-Kunden dort auch Bitcoin-Bestände verwalten. Fidor übernimmt eine Gewährleistung, verlangt dafür aber die Identifizierung der Nutzer.

Währenddessen streiten sich die Experten munter weiter. Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele warnt vor dem >>Privatgeld<< Bitcoin, da es hochspekulativ sei und der Wert keinen Fundamentalfaktoren folgt. Auch die europäische Bankenaufsicht EBU warnt vor Bitcoins und der Chefvolkswirt der Commerzbank gibt dem System schlicht keine Zukunft.

Thorsten Polleit dagegen bemüht die volkswirtschaftliche Geldtheorie. Danach ist Währungswettbewerb grundsätzlich eine gute Sache, weil sich die Anbieter Mühe geben müssen, um gute Qualität anzubieten. Polleit ist Chefvolkswirt der Investmentbank Barclays Capital. Ein Problem für die Währung könnte sein, wenn die Konzentration des Bitcoin-Bestandes auf einige wenige Teilnehmer im Netzwerk weiter zunimmt. Der Online-Nachrichtendienst Telepolis zitiert eine Studie, die besagt, dass 28 Prozent des nominellen aktuellen Bitcoinbestands, also 3,5 Millionen Bitcoins in den Wallets von gerade einmal 47 Personen liegt.

Fakt ist: Wer Bitcoins als Wertanlage sammelt, der spekuliert riskant. Bei Plattencrash, Diebstahl des Rechners oder drastischem Kursverlust ist das Ersparte futsch. Aber genau das ist ja der Reiz der Spekulation. Wer vor einer Woche einen Bitcoin sein eigen nannte, hat heute 15 Euro mehr im Wallet. Wer gleichzeitig Apple-Aktien erwarb, verdiente die Ha?lfte. Aber morgen kann das schon wieder ganz anders aussehen.

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