Whistleblower-Affäre

US-Geheimdienste vermuten zweiten Snowden

Die USA fürchten einen weiteren Whistleblower in den eigenen Reihen. Grund hierfür sind enthüllte Dokumente, die nicht von Edward Snowden stammen können.

Die USA vermuten einen weiteren Whistleblower neben Snowden.

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Die USA vermuten einen weiteren Whistleblower neben Snowden.

Gibt es neben Edward Snowden einen weiteren amerikanischen Whistleblower? Nach der NSA-Spionageaffäre, die im Juni 2013 ihren Anfang nahm, gehen US-Geheimdienste von der Existenz eines neuen Informanten aus. Anlass sind Enthüllungen, die detailliert über den Anti-Terror-Kampf der USA berichten.

Diese Liste kann jedoch nicht Teil der Snowden-Dokumente gewesen sein, mutmaßt die US-Regierung: Der bekannte Whistleblower hatte bereits politisches Asyl aufgesucht, als die brisanten Anti-Terror-Listen im August 2013 entstanden.

Das geheime Dokument wurde an die Enthüllungswebseite "The Intercept" weitergeleitet, welche vom Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald betrieben wird. Darin enthalten sind Details zu Datenbanken, in denen US-Behörden Listen von Terrorverdächtigen führen sollen.

Auf der Liste sind mindestens 680.000 Menschen erfasst. Davon sollen jedoch 280.000 Personen keiner als Terrororganisation eingestuften Gruppe zugeordnet sein, was "The Intercept" als Zeichen für die willkürlichen und vagen Kriterien wertet.

Die TSDB (Terror Screening Database) enthält noch eine Erweiterung der Datenbank, die TIDE (Terrorist Identities Datamart Environment) genannt wird. Auf dieser Liste sollen sich etwa eine Million Personen befinden. Besonders gefährliche Verdächtige kommen auf eine No-Fly-Liste, welche die Personen vom Flugverkehr in den USA ausschließt.

Von wem die geheimen Dokumente stammen, ist noch unklar. "The Intercept" beruft sich auf eine nicht näher identifizierte "Geheimdienstquelle", jedoch ist es unwahrscheinlich, dass es sich dabei um Edward Snowden handelt. Bislang hat die Webseite Papiere aus den Snowden-Dokumenten immer als solche gekennzeichnet - diese Kennzeichnung fehlt jedoch bei den Anti-Terror-Listen. Vertreter der Geheimdienste erwägen nun, beim US-Justizministerium eine Bitte um ein Ermittlungsverfahren einzureichen.

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