Matchmaking-Service

Venturate: Partnerbörse für Startups und Investoren

Wie finden Startups ihre Investoren? Ein erfahrendes Business Angel-Team hat dafür eine besondere Lösung entwickelt - nach dem Prinzip von Dating-Plattformen. Der Name des Unterfangens: Venturate.

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>>Ich bin total happy<<, sagt Axel Donath. Was den Mitgründer von Bikesale.de so glücklich gemacht hat, ist eine Partnerbörse - eine neue für Investoren und Startups.

Natürlich nennt Venturate.com seinen Service nicht Partnersuche, sondern neudeutsch >>Matchmaking<<. Doch das Prinzip der neuen Plattform ist das gleiche, das viele Singles von Eheanbahnungsinstituten im Netz kennen: Die potenzielle Braut, also ein Startup, stellt ein hübsches Profil von sich ins Netz, das möglichst kurz, knapp und sexy alle ihre Vorzüge darstellt. Wenn ein potenter Investor dies attraktivfindet und die gemeinsamen Vorlieben zueinander passen, bringt das Portal beide zusammen. Was danach beim ersten Treffen hinter verschlossenen Türen passiert, ist allein Sache der beiden Turteltäubchen. >>Wir konzentrieren uns ganz auf das Matchmaking, mehr nicht<<, sagt Rene Seifert, einer von vier Gründern der Venturate AG.

Tatsächlich scheint es so, als hätte die deutsche Startup-Szene auf die organisierte Kuppelei durch Venturate.com gewartet, die sich an angelsächsischen Vorbildern wie AngelList orientiert. Denn das beantwortet die Frage, die sowohl Startups als Investoren fast pausenlos beschäftigt: Wie finde ich den richtigen Partner, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen? Denn trotz oder gerade wegen der Finanzkrise ist viel Geld im Markt, das auf der Bank keine Zinsen mehr bringt und gerne auf die Konten hoffnungsfroher Jungunternehmer wandern möchte.

>>Investoren, die bisher vielleicht in Aktien oder andere Anlagen investiert haben, stecken ihr Geld nun immer öfter in Unternehmen in der Gründungsphase und haben ein Interesse daran, selbst zum Business Angel zu werden<<, sagt Seifert, den bayerische Radiohörer sofort an seiner markanten Stimme erkennen, auch wenn er schon lange nicht mehr bei Bayern 3 moderiert. Längst ist er eine feste Größe in der internationalen Startup-Szene.

Er arbeitete für das Holtzbrink eLab, lebte mehrere Jahre in Indien, wo er in junge Unternehmen investierte und als Business Angel arbeitete - und jetzt rief er mit dem Mydays-Gründer Alexander Lasslop und weiteren erfahrenen Startup-Experten Venturate ins Leben. So sind mit von der Partie: Andreas Hörr, Gründer von Medikompass, Professor Claudius Schikora, Präsident der Hochschule für angewandtes Management, und Felix Haas, Gründer von Amiando.

Venturate selbst ist ebenfalls mit Venture Capital in sechsstelliger Höhe finanziert: Mehrere Business Angels haben sich für das Modell begeistern können. Dass die Matchmaking-Plattform dabei selbst noch ein echtes Startup ist, merkt man schon, wenn man das junge Unternehmen besucht. Ein kleiner verglaster Büroraum zur Untermiete in einem Bürohaus am Sendlinger Tor in München. Darin ein paar junge Männer in Jeans und Kaputzenshirts, Macbooks, weiße Expedit-Regale und Sitzsäcke - fertig ist die Firmenzentrale.

Das wahre Kapital von Venturate steckt nicht im Büro, sondern in den Köpfen seiner Macher und besteht neben fundiertem Startup-Wissen vor allem aus zahlreichen Kontakten zu Investoren, Business Angels, Inkubatoren und Hochschulen. Alexander Lasslop etwa ist seit dem Verkauf des Erlebnisportals Mydays an ProSiebenSat1 selbst als Business Angel und Investor tätig. Gemeinsam gewannen die Venturate-Gründer gleich zum Start Kooperationspartner wie Holtzbrinck Ventures, Evobis und eben auch das weiterhin eng verbundene ProSiebenSat1.

Das Prinzip Matchmaking scheint bereits zu funktionieren, wie unter anderem das Beispiel von Bikesales.de zeigt. >>Wir hatten die erste Anfrage innerhalb von 24 Stunden<<, freut sich Mitgründer Donath. Danach kamen schnell weitere Angebote, sich an dem Second-Hand-Marktplatz für Fahrräder zu beteiligen. Doch Donath lehnte viele ab. Es knisterte einfach nicht zwischen den potenziellen Partnern. >>Aber ein Einzelinvestor war dabei, mit dem wir dann auch ganz schnell telefoniert und die ersten Details besprochen haben<<, sagt Donath.

Ob aus dem Flirt mehr wird, zeigt sich dann beim ersten realen Date. Das Geheimnis des bereits früh absehbaren Erfolges sei der eigene, europäische Dreh der Plattform, die zunächst in Deutschland startete, aber bald paneuropäisch werden soll, so die Venturate-Macher. >>Europäische Investoren haben andere Bedürfnisse als amerikanische, vor allem beim Datenschutz. Deshalb haben alle Beteiligten die Möglichkeit, sehr lange anonym zu bleiben<<, erklärt Seifert. Ist ein Startup noch in einer frühen Phase, kann es zudem seinen Business-Plan von einem Expertenbeirat bewerten lassen, dem aktuell rund 30 erfahrene Mitglieder angehören. Für eine pauschale Gebühr von 299 Euro geben die Experten dann eine Einschätzung, die sowohl dem Startup als auch potenziellen Investoren helfen kann.

Voraussetzung für die Aufnahme in den >>Expert Circle<< ist Erfahrung mit der frühphasigen Finanzierung von Startups ohne selbst Venture Capitalist zu sein. >>Wir haben einen Verhaltenskodex, den wir sehr ernst nehmen und der auch Interessenkonflikte bei Experten verhindern soll, die selbst Investoren sind<<, erzählt Lasslop. Und auch wenn diese norma- lerweise für 299 Euro morgens nicht mal aufstehen würden, sind sie offensichtlich gerne bei Venturate dabei. >>Das ist die Lust daran, jungen Gründern bei den ersten Schritten zu helfen<<, erklärt Seifert. >>Viele von uns waren selbst einmal in der Situation, dass wir Kapital für eine gute Idee benötigten, aber nicht wussten, an wen wir uns wenden sollen.<< So waren bereits Mitte Februar, einen Monat nach Beginn der Public Beta, 228 Investoren und rund 200 Startups bei Venturate.com registriert. 142 Startups aus dem Bereich Mobile und Internet waren im System zur Brautschau freigeschaltet.

So vielfältig wie die Business-Ideen sind die Geldgeber. >>Wir haben aktuell drei Klassen von Investoren<<, verrät Alexander Lasslop. >>Business Angles mit langjähriger Erfahrung in der Unternehmensführung; Venture Capitalists, die sich freuen, dass wir eine Vorauswahl unter den Startups treffen; und mittelständische Unternehmen, die ebenfalls investieren wollen.<< Mindestens 25.000 Euro muss ein Investor mitbringen, um ein Startup bei Venturate unterstützen zu können. Mit Peanuts gibt sich das Team nicht ab. >>Wir wollen ganz klar keine Crowdfunding-Plattform sein<<, sagt Seifert. >>Und wir wollen auch nicht die Privatleute, die für eine Investition in ein Startup ihre Rente aufs Spiel setzen.<<

Ähnlich professionell sieht die Zielgruppe bei den Startups aus. Zwar kann sich jeder, der meint, eine gute Idee zu haben, registrieren. Doch über die Zulassung entscheiden dann die Experten von Venturate. >>Wir wollen eine Vorauswahl treffen für die Investoren, die sonst 4.000 Business-Pläne im Jahr durchforsten müssen, um sich dann vielleicht für vier zu entscheiden<<, sagt Seifert.

Dennoch hält sich der Aufwandfür die jungen Unternehmer in Grenzen. >>Ich dachte, dass ich im Aufnahmeformular meinen Business-Plan bis ins Detail erklären muss. Das war aber nicht so<<, erzählt Bikesales.de-Gründer Donath. >>Stattdessen wurden gezielt alle relevanten Infos füreinen frühen Pitch abgefragt.<<

Diese Vorgehensweise macht aus Sicht von Venturate auch Sinn. >>Der Investor erhält auf unserer Plattform alle relevanten Informationen, die ihm sagen, ob ein Startup interessant für ihn sein könnte - aber keine Namen oder Kontaktdetails<<, sagt Seifert. >>Entscheidet sich der Investor für eine Kontaktaufnahme, muss erst der Gründer zustimmen, bevor es zum Datenaustausch kommt.<<

Ein Vorgehen, das dem Interesse vieler Gründer entgegenkommt. >>Wenn wir unseren Business-Plan mit allen Daten hätten offenlegen müssen, hätte auch immer die Gefahr bestanden, dass wir nur ›Food for Thought‹ liefern<<, sagt Donath. So aber blieb das junge Startup Herr des Verfahrens, konnte entscheiden, mit wem es in konkretere Gespräche über eine Investition einsteigen mochte - und musste keine Geschäftsgeheimnisse preisgeben. Genauso haben es sich die Venturate-Macher vorgestellt.

Sie wollen dabei helfen, eine neue Startup-Kultur in Deutschland zu etablieren, wie sie nach amerikanischem Vorbild gerade erst langsam heranwächst. Nicht nur in Berlin, sondern auch in München und anderen deutschen Metropolen. >>Das Silicon Valley ist so einzigartig, weil die erfolgreichen Unternehmer immer wieder Geld in junge Startups stecken und so die nächste Generation heranziehen<<, sagt Lasslop. Deshalb sei auch der Aspekt der Business Angels, die Startups nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihrem Wissen unterstützen, so wichtig - nur so wird Geld zu echtem >>Smart Money<<, intelligentem Investment. >>Gründen ist eine Sache des Herzbluts und macht nicht immer nur Spaß<<, sagt Laslopp.

>>Als Gründer muss man gegen sehr viel Gegenwind ankämpfen und es gibt immer wieder Leute, die einem sagen, was nicht geht. Eine Unterstützung durch erfahrene Business Angels ist in solchen Phasen unbezahlbar.<< So hat Venturate eine Mission: Zeigen, dass es eben doch geht, den Traum vom eigenen Startup zu erfüllen - auch wenn man mal scheitert. >>Es ist doch schade, dass man beim Scheitern einer Idee in Deutschland immer gefragt wird: Was hast Du falsch gemacht?<<, sagt Laslopp. In den USA werde man nur gefragt: >>Was hast Du daraus gelernt?<< Seifert pflichtet ihm bei: >>In den USA bekommt man auch nach dem dritten Scheitern noch Geld.<<

Bleibt die Frage, wie sich Venturate selbst finanziert und künftig Gewinn erwirtschaften will. Mit 299 Euro Gebühr für den Business-Plan-Check wird sicher kein Investor glücklich. >>Tatsächlich wollten wir ursprünglich mit Venturate gar kein Geld verdienen, sondern es als Stiftung aufziehen<<, gesteht Alexander Lasslop. Doch inzwischen denken sie an ein Erlösmodell. Sich durch Provisionen an den Deals der Geldgeber und der Startups beteiligen, wie es andere Plattformen machen, möchten sie aber nicht. Stattdessen überlegen sie, auf besondere Services, wie etwa einen Premium-Account zu setzen. >>Zahlen sollen aber auf jeden Fall nur die Investoren, denn die Startups suchen ja Geld<<, sagt Rene Seifert.

Für alle Unternehmensgründer, die sich nun überlegen, ein Profil auf Venturate.com zu anzulegen, haben die beiden Macher ein paar Tipps: >>Je mehr ein Startup bieten kann, umso besser für ein Investment. Investoren lieben es zum Beispiel, wenn bereits erste Investoren an Bord sind. Ein gutes Team und ein sauberer Business-Plan sind ebenfalls Pflicht<<, sagt Seifert. >>Ansonsten ist es wie im echten Leben<<, fügt Lasslop hinzu: >>Auch Venturate wird es nicht schaffen, ein schlechtes Venture zu einem guten Investor zu bringen.<<

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