Betriebssysteme

UniOS: Die Revolution fällt aus

Maik Mixdorf, Schüler aus Lünen hatte sie versprochen: die Revolution im Markt der Betriebssysteme. UniOS sollte nichts weniger als die Programme von Windows, Linux und Mac OS X nativ ausführen können. Nun, kurz vor der Betaphase ist die Blase geplatzt. Die Revolution fällt ersatzlos aus.

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Ausgelöst durch einen Artikel im Lüner Anzeiger und einen Bericht bei einem RTL-Nachrichtenmagazin startete vor 6 Wochen ein Hype um das universelle Betriebssystem UniOS, dass Maik Mixdorf, Schüler am Gymnasium in Lünen, und einige seiner Freunde uns versprachen.

Wer auch nur ein wenig Einblick in die Innereien eines Betriebssystems hat, wusste gleich, dass dort eine Luftnummer kolportiert wird. 52 Millionen Zeilen Code wollten Mike und seine Freunde in 3 Jahren für UniOS geschrieben haben. Alleine diese Angabe macht stutzig; rechnet man sie herunter, kommt man auf über 3000 Zeilen pro Tag. Aber damit nicht genug, auch ein NT-Kernel sei reengineered worden. Das ist eine Aufgabe für ein eingespieltes Entwickler-Team. Auch die Coder von ReactOS versuchen sich seit einem Jahrzehnt daran und sind noch in der frühen Alpha-Phase.

Unter diesem Kernel sollten Programme aus den Betriebssystemwelten Windows, Linux und Mac OS X ohne Virtualisierung lauffähig sein. Das würde nicht nur einen universellen Kernel erfordern, sondern auch ein Umschreiben von Unmengen an Systembibliotheken.

Kritik war nicht gerne gesehen bei den Jungs aus Lünen. Auf ihrer Facebook-Seite wurden kritische Äußerungen sofort entfernt. Nun sollte in 2 Wochen die Beta-Phase beginnen. Somit war es unabdingbar, dass die Fachpresse an die Tür klopft und gerne erste Blicke auf das Wunderwerk werfen würde. Den kritischen Fragen der Kollegen, die am elterlichen Küchentisch empfangen wurden, konnte das Konstrukt nun nur wenige Tage standhalten. In Windeseile zerbröckelten die großspurigen Versprechungen zu heißer Luft. Übrig blieb im Endeffekt fast nichts. Die Vermutungen, ein modifiziertes Linux inclusive Wine zur Einbindung von Windows-Programmen könnte als Unterbau verwendet werden, stellten sich auch als falsch heraus. Dies wäre zumindest ein - wenn auch wenig spektakulärer - Ansatz gewesen. 

Am gestrigen Dienstag führte Maik einigen Kritikern sein Betriebssystem noch einmal vor und erklärte, es sei ein angepasstes Windows XP mit andLinux Aufsatz. Hier kommt jetzt doch noch Linux ins Spiel, denn andLinux ist ein Ubuntu-System, das unter Windows 2000-Systemen ein komplettes Linux virtualisiert. Wie man damit Mac OS X Programme lauffähig bekommt, ist immer noch unklar.

Im Endeffekt bleibt nur die Frage: Zu welchem Zweck wurde der Aufwand betrieben? Eine Wette? Ein Experiment des Studiengangs Medienforschung? Langeweile? Vielleicht erfahren wir es in den nächsten Tagen noch, bevor dieser Unsinn in der Versenkung verschwindet und das Sommerloch sich wieder schliesst.

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