Betriebssystem

uniOS - das eierlegende Wollmichsau-OS

In den letzten Tagen geistert ein vermeintlich omnipotentes neues Betriebssystem durch diverse Medien bis hin zum RTL Nachrichtenmagazin. uniOS, so der Name, das im Dezember erscheinen soll, kann angeblich die Programme aller anderen Betriebssysteme ausführen und soll sicher gegen Viren und Hacker sein.

uniOS Logo

© uniOS

uniOS Logo

Beim Lesen der Meldung des Lüner Anzeiger schaut man unwilkürlich auf das Datum - aber nein - der 1. April liegt schon geraume Zeit hinter uns. Also gehen wir einmal davon aus, es ist ernst gemeint.

Was steht nun an Fakten in der Meldung? Das neue Betriebssystem soll besser sein als alle anderen zuvor. Hacker haben keine Chance, das System lahmzulegen. Man kann damit gamen. Das selbstentwickelte 'Media Place' kann alle Formate öffnen.

Angeblich sollen die Entwickler 52 Millionen Zeilen Code geschrieben haben, inklusive eines eigenen Kernels. Das ist eine sehr große Zahl für ein kleines Team. Der letzte Satz der Meldung lautet: "Die ganze Funktionsliste ist so lang wie die Bibel." 

Dem kann man nur zustimmen, nachdem man das Facebook-Profil der Handvoll Entwickler gesehen hat. Zumindest werden nicht weniger Wunder als in der Bibel versprochen. 

Die Liste der Features wirft eine Menge Fragen auf. Wie startet man z. B. native Programme der Betriebssysteme Windows, Mac OS und Linux, ohne dass diese Systeme im Hintergrund laufen oder irgendwie virtualisiert werden? Eine Aussage wie: "Dabei läuft weder Microsoft Windows noch Apple Mac OS X im Hintergrund - ebenfalls findet keine Virtualisierung statt der genannten Betriebssysteme." lässt auf ein Linux-Grundsystem schliessen.  Das passt aber dann nicht mit den angeblichen Gaming-Fähigkeiten samt Direct X 11 zusammen.

Unweigerlich taucht aus der Vergangenheit die Erinnerung an das auf BeOS basierende Zeta auf, das in einem Homeshopping-TV-Kanal als das Beste seit der Erfindung von geschnitten Brot beworben wurde. Im Endeffekt konnte Zeta die zugesicherten Eigenschaften nicht erfüllen.

Dem Vertrieb von uniOS ist in jedem Fall anzuraten, die angepriesenen Eigenschaften ein wenig seriöser darzulegen und mit mehr Fakten zu untermauern. Wenn uniOS kann, was es verspricht, so ist, anders als in der Meldung vermutet, die erste Million bestimmt nicht weit.  Auch wenn das neue Betriebssystem mit seinen Eigenschaften schwer zu glauben ist, lassen wir uns gerne eines Besseren belehren. Diese eierlegende Wollmilchsau wäre zu schön, um wahr zu sein.