Paramount, Binge-Watching und Co.

5 aktuelle TV- und Streaming-Trends im Juli 2015

Videostreaming boomt in Deutschland und weltweit mehr denn je. Die neuen cloudbasierten Angebote sorgen für riesige Veränderungen: ob im Nutzerverhalten, bei neuen Angeboten der Filmstudios, bei den TV-Herstellern und - oh Wunder - sogar bei Finanzbehörden. video hat für Sie die fünf heißesten Trends des Monats aufgeschnappt.

Paramount

© Twin Design / Shutterstock.com

Das Filmstudio Paramount will Testweise das Kinoauswertungsfenster kippen und Filme schneller digital anbieten Ob sich das System etabliert?

1. Paramount bringt Filme zeitgleich ins Kino und als Download

Paramount testet ein neues Auswertungsfenster und könnte bei Erfolg eine Revolution in der Filmbranche einleiten. Das Hollywoodstudio will die Filme "Paranormal Activity: The Ghost Dimension" und "Scouts Guide to the Zombie Apocalypse" in den USA nur 17 Tage nach ihrem Kinostart als digitale Home-Entertainment-Version anbieten. Das berichtet das "Home Media Magazine".

Damit die Kinos mitmachen, hat das Studio mit den US-amerikanischen Kinoketten AMC and Cineplex ein sogenanntes Revenue-Sharing vereinbart. Die Ketten erhalten innerhalb der ersten 90 Tage nach Kinostart einen nicht näher bezifferten Anteil am digitalen Verkauf der Filme. Möglicherweise steigen auch noch weitere Kinoketten in den Test ein. Laut Paramount dient dieser Versuch dazu, den Wünschen der Filmfans nach früherem digitalem Zugriff auf Neuheiten entgegenzukommen und der Piraterie im Netz entgegenzutreten. In Hollywood gilt es jedoch als offenes Geheimnis, dass Streaming-Marktführer Netflix bereits an Plänen tüftelt, wonach Filme zeitgleich zum Kinostart über die Video-on-Demand-Plattform verfügbar gemacht werden sollen.

In den Schubladen der Filmstudios existieren solche Pläne schon seit DVD-Zeiten. Doch bislang kam man an der starken Filmtheaterlobby nicht vorbei. Ob andere Studios Paramount folgen und ob die Filme neben der Digitalauswertung dann auch auf Blu-ray oder DVD erhältlich sein werden, darüber schweigt sich Paramount bislang aus.

2. Deutschland streamt - am liebsten kostenlos

Mehr als drei Viertel aller Internetnutzer in Deutschland über 14 Jahre, also gut 42 Millionen Bundesbürger, schauen Videos per Stream, ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Vor allem jüngere Internetnutzer "streamen" gerne. Von den 14- bis 29-Jährigen sowie den 30- bis 49-Jährigen nutzen demnach 91 Prozent Videostreams. Aber auch unter den Älteren ist Video-Streaming mittlerweile weit verbreitet: 60 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und mehr als ein Viertel (28 Prozent) der über 64-jährigen Internetnutzer schaut Videos per Stream. Der Anteil derer, die Filme downloaden, ist dagegen gering: Nur noch jeder vierte Internetnutzer lädt sich Bitkom zufolge Videos zum Anschauen herunter.

Lesetipp: Wer streamt was? Die besten Streaming-Suchmaschinen (PC Magazin)

Am beliebtesten sind Videoportale wie YouTube, Clipfish oder Vimeo. Sechs von zehn Internetnutzern (60 Prozent) sehen sich dort kostenlos Videos an. Etwas mehr als jeder Zweite (54 Prozent) nutzt die Online-Mediatheken von Fernsehsendern. Gut jeder dritte Internetnutzer (36 Prozent) verfolgt das aktuelle Fernsehprogramm direkt per Livestream. Bereits 22 Prozent rufen Serien oder Spielfilme auf On-Demand-Portalen ab, die in der Regel kostenpflichtig sind.

3. 500 Millionen Stunden Binge-Watching pro Woche

Junge US-Amerikaner sind extreme Serienjunkies. Und Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon Instant Video haben das Fernsehverhalten der US-Amerikaner stark verändert. Das ergab eine Studie der Video-on-Demand-Datensammler von Conviva aus Kalifornien. Mehr als 115 Mio. VoD-Abonnenten in den USA schauen sich TV-Serien an. Insgesamt glotzen diese Fans rund 500 Millionen Stunden per Woche.

Der Social-Media-Begriff dafür lautet Binge-Watching. Er steht für das Ansehen mehrerer Episoden am Stück. Befragt wurden für die Studie 750 US-Amerikaner  im Alter von 27 bis 34 Jahren. Sie gaben an, zum Teil bis zu viereinhalb Stunden am Stück Serien anzuschauen. Insgesamt verbringen die US-Bürger im Schnitt neun Stunden pro Woche mit Online-Videos. Binge-Watcher sind übrigens auch extrem ungeduldig: 42 Prozent sehen sich gleich nach einer anderen Serie um, wenn es keine neuen Folgen oder Staffeln der bisher gesehenen Serie gibt.

Nach Angaben des US-Werbevermarkters Alphonso hat Netflix im ersten Halbjahr 2015 in den USA derweil einen neuen Meilenstein gesetzt. Der VoD-Streamingservice hatte demnach bereits einen Anteil von satten 28 Prozent am gesamten Fernsehkonsum in den Staaten. Die weiteren sogenannten Over-The-Top-Dienste (OTT) wie Amazon Prime Instant Video, Hulu Plus, CBS All Access, HBO Now, PlayStation Vue and Sling TV kamen auf einen gemeinsamen Anteil von 17 Prozent. Klassisches lineares Fernsehen ging dagegen um 15 Prozent zurück.

4. Smart-TVs beliebter und so billig wie nie

Derzeit sind in Deutschland rund 18 Millionen Smart-TVs als Hauptgerät im Einsatz. Das besagt eine Studie der gfu Consumer & Home Electronics, die im Mai von Value_A Marketing Intelligence durchgeführt wurde. Fünf Prozent davon sind jedoch nicht mit dem Internet verbunden, ", weil es Befürchtungen, gibt, dass Daten missbraucht werden", erklärte guf-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp auf einer gfu-Veranstaltung in Berlin. Der Großteil der Smart-TV-Nutzer ist jedoch scheinbar zufrieden. 98 Prozent der Smart TV-Benutzer würden Freunden und Verwandten bei einer Neuanschaffung zum Kauf eines Smart TVs raten.

Doch kein Wunder, sind doch gerade Smart-TVs derzeit billiger denn je. Das Vergleichsportal guenstiger.de beobachtete von Februar bis Juli die 50 beliebtesten Fernseher mit  WiFi-Funktion. Das Ergebnis: Im Schnitt sind die Preise der Geräte um achtbare 14 Prozent gesunken. Bei einzelnen Flatscreens seien sogar Ersparnisse bis zu 44 Prozent möglich.

Als Beispiel für den Preisverfalls nannte günstiger.de insbesondere drei Modelle: Der Samsung UE40JU6550 kostet derzeit 649 Euro und wurde damit in den letzten vier Monaten um ganze 44 Prozent günstiger. Damals mussten für den Curved UHD-TV noch mindestens 1.149 Euro bezahlt werden. Ebenfalls sparen könne man beim Samsung UE40J6250. Der 40-Zoll-Full-HD-TV liege derzeit bei 405 Euro, während er vor drei Monaten noch mit 660 Euro zu Buche schlug. Der Toshiba 47M7463DG erweist sich ebenfalls als Schnäppchen. Aktuell ist der Fernseher für 599 statt 899 Euro zu haben.

5. Chicago erhebt Steuer auf Netflix und Co.

Die US-Metropole Chicago wird ab 1. September eine Steuer auf Cloud-basierte Streamingdienste für Musik und Video wie Netflix, Amazon Prime Instant Video, oder Hulu Plus erheben. Die neun Prozent Unterhaltungssteuer, die bislang für Ballsportplätze und Theater galt, wird damit künftig auch "elektronisch gelieferten Zeitvertreib" umfassen.

Während Streaming-Nutzer sich schon jetzt über die Steuer beklagen, macht sie ökonomisch durchaus Sinn. Schließlich verliert etwa der stationäre Handel im Vergleich zum Onlineverkauf immer mehr an Bedeutung. Das Vorgehen ist in den USA nicht ungewöhnlich. So sind zum Beispiel auf einer Rechnung von Medienkonzern Time Warner Cable in New York schon heute 15 verschiedene Gebühren und Steuern aufgelistet. Chicago verspricht sich mit der neuen Cloud-Steuer jährliche Einnahmen von zwölf Millionen Dollar.

ZDF Mediathek

© ZDF / Screenshot: Andreas Stumptner

Die Deutschen streamen zunehmend gerne. Am liebsten über kostenlose Dienste wie YouTube oder die TV-Mediatheken.
Netflix

© Netflix / Screenshot: Andreas Stumptner

VoD-Dienste wie Netflix fördern das Binge-Watching, also das reihenweise Ansehen von Serienstaffeln.
Samsung UE40JU6550

© Samsung

Schnäppchen: Der Smart-TV Samsung UE40JU6550 wurde in den letzten vier Monaten um 44 Prozent günstiger.

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