Trotz Megaupload-Aus

Filmindustrie muss 2012 mit rückläufigen Filmumsätzen kämpfen

Raubkopierer, Filmpiraten, Filesharer und mehr: Die Filmindustrie gibt jenen gerne die Schuld, wenn Umsätze nicht die gewünschten Ausmaße erreichen. Ein vermeintlicher Wendepunkt war das Aus von Megaupload im Jahr 2011. In einer aktuellen Studie zeigt sich nun: Pustekuchen!

Das erwartet Besucher von megaupload.com.

© Screenshot, megaupload.com

Das erwartet Besucher von megaupload.com.

Das Aus von Megaupload - das 2011 geschlossene Download-Portal von Kim Schmitz - sollte die Filmindustrie wiederbeleben und laut diversen Stimmen für stärkere Umsätze sorgen. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass die Schließung einer der bis dato beliebtesten Filesharing-Plattformen womöglich genau das Gegenteil bewirkt hat. So sollen die analysierten Einspielergebnisse von 1.344 Filmen aus 49 Ländern der vergangenen fünf Jahre offenbart haben, dass die Einnahmen an den Kinokassen seit Januar 2012 rückläufig sind.

Die Studie mit dem Titel "Piracy and Movie Revenues:Evidence from Megaupload" kommt von Christian Peukert von der Ludwig-Maximilians-Universität (Institute for Strategy, Technology and Organization) in München und von Jörg Clausen von der Copenhagen Business School (Department of Innovation and Organized Economics) in Dänemark. Die Autoren verglichen die Umsätze von Filmen vor der Megaupload-Schließung mit entsprechenden Zahlen anderer Filme nach der Schließung.

Quintessenz sei: Die Schließung von Megaupload hat der Filmindustrie nicht geholfen. Ganz im Gegenteil: Zwar kämen gewaltig beworbene Blockbuster weiterhin auf ihre zu erwartenden Einnahmen an den Kassen, doch bei kleineren Filmen ließe sich ein klarer Abwärtstrend erkennen. Die These aus der genannten Studie ist, dass gerade Filme unter dem Megaupload-Aus leiden, die nicht mit einem großen Werbebudget bekannt gemacht werden.

Ratgeber: Anonym surfen und downloaden

Im Umkehrschluss hieße das, dass Filesharing positive Effekte - zumindest für kleinere Filme - auf die Industrie haben kann. Konkret geschehe dies durch Mundpropaganda. Beispiel: Es schaut sich ein sogenannter "Raubkopierer" online einen aktuellen Kinofilm an, der von den großen Lichtspielhäusern kaum beworben wird. Vor oder bei einem späteren Besuch an der Kinokasse, bei dem etwa in einer Gruppe ein Film ausgewählt werden soll, fällt der Name eines filmischen Außenseiters. Überzeugt der "Raubkopierer" seine Bekannten nun von seinem Fundstück, könnten sich Einnahmen für die Filmemacher ergeben, die es ohne die Möglichkeiten des von der Industrie häufig gebrandmarkten Internets nicht gegeben hätte.

Mehr zum Thema

Popcorn Time Webseite
Illegales Filesharing

Anwälte weisen auf eine Abmahnwelle im Zusammenhang mit der Video-Plattform Popcorn Time hin. Nutzer des vermeintlichen Streaming-Portals erhalten…
Symbolbild: Recht
Redtube-Abmahnung

Die Redtube-Abmahnungen werden für Ex-Anwalt Urmann zu einem immer größeren Bumerang. Ein Gericht verurteilte den Abmahnanwalt zu Schadensersatz.
Symbolbild: Filesharing
BitTorrent-Gerichtsurteil

Ein US-Gericht wies die Klage von "Manny Film" ob des illegalen BitTorrent-Downloads von "Manny" ab. Eine IP reiche nicht aus, um Filesharer zu…
Symbolbild: Filesharing
Kopfgeld, Überwachung & Co.

Wie der Antipiraterie-Verband FACT in UK Jagd auf Filmpiraten macht: Neben Kopfgeld gibt es auch Überwachung in Kinosälen und auf Facebook.
netload.in: Screenshot des Nachfolgers
Nach Rapidshare

Der One-Click-Hoster Netload.in ist offline: per einstweiliger Verfügung, nachdem die Betreiber nicht ausreichend auf gemeldete Raubkopien…