Tipps zur Telekom-Drosselung

EU-Kommissarin rät DSL-Kunden zum Widerstand

Die EU wird dem Telekom-Vorhaben, DSL-Flatrates zu drosseln, nicht dazwischenfunken. Es sei ihr Recht, Preise und Leistungen selbst zu bestimmen. Stattdessen gibt die EU-Kommissarin Kroes den Tipp, sich zu wehren.

Glasfaser

© Telekom

EU-Kommissarin Kroes zur Telekom-Drosselung: Der Kunde könne sich einfach von der Telekom abwenden.

EU-Kommissarin Neeli Kroes (71) äußert sich zum Vorhaben der Telekom, DSL-Flatrates nach Überschreiten eines festgeschriebenen Datenvolumens zu drosseln. Kroes sieht demnach keinen Grund, eingreifen zu müssen. Die Telekom habe als eigenständiges Unternehmen das Recht, den Umfang von Leistungen zu bestimmten Preisen selbst festzulegen. Die Politikerin gibt Nutzern jedoch den Tipp zur Gegenwehr.

Die EU wird also nicht in den Wettbewerb eingreifen, doch "die Kunden können es tun! Millionen Menschen wollen ungedrosselten Zugang zum Internet haben und sie müssen wissen was sie bekommen und was sie nicht bekommen. Die Kunden sollten mit den Füßen abstimmen, wenn ihr Anbieter diesen Wunsch nicht erfüllt.", sagte Kroes der Bild-Zeitung. Das heißt ganz einfach, dass sich eingeschränkt fühlende Nutzer nach alternativen Anbietern umsehen sollen.

Hier gibt es jedoch ein Problem. Bislang kann niemand absehen, welche Anbieter kurz- bis mittelfristig ähnliche DSL-Vertragsklauseln umsetzen werden. Vodafone (Arcor) war im Gespräch, mitzuziehen, dementierte dies jedoch zeitnah via Twitter. Nichtsdestotrotz: Da Festnetzanbieter in der Regel die Telefon-Leitungen der Telekom nutzen und dafür zahlen müssen, wird sich wahrscheinlich keine Firma erlauben können, sogenannten "Heavy-Usern" auf eigene Kosten den benötigten Traffic bereitzustellen - zumindest nicht, ohne vergleichbare, neue Tarifstrukturen einzuführen.

Eine Alternative wären nun Kabelanbieter. Unitymedia KabelBW teilte etwa mit, dass eine Drosselung nicht zur Debatte steht. Vielmehr arbeite die Firma derzeit daran, noch schnelleres Kabel-Internet anbieten zu können. Das Problem hierbei: Nicht überall ist Kabel verfügbar. Die Telekom wehrt sich indes und begründet die neuen DSL-Flatrate-Tarife mit steigenden Kosten im Netzausbau. Zumal seien die neuen Tarife fairer, da der Durchschnittsnutzer derzeit den "Heavy-User" finanziere. Nur drei Prozent der Telekom-Kunden würden derzeit für insgesamt 30 Prozent des Gesamt-Traffics verantwortlich sein. Lesen Sie auch unseren Artikel zu den kritischen Reaktionen der Bundesregierung zur Telekom-Drosselung. Gegenstand der Kritik ist dabei der Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität.

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