Gegen fremde Lauscher

Telekom plant innerdeutsches Internet

Die Sicherheit im deutschen Internet soll sich erhöhen. Als Reaktion auf die NSA-Affäre treibt die Deutsche Telekom jetzt den Ausbau eines "deutschen Internets" voran. Die Daten sollen in den regionalen Grenzen bleiben.

Die Telekom will das Internet abhörsicher vor der NSA & Co. machen.

© © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Die Telekom will das Internet abhörsicher vor der NSA & Co. machen.

Die Deutsche Telekom versucht derzeit ein innerdeutsches Internet auf die Beine zu stellen. Begründet wird dies mit der NSA-Spionageaffäre. Derzeit laufen nach Angaben eines Telekom-Sprechers "Gespräche mit diversen möglichen Partnern". Um ein solches Projekt umzusetzen, wird die Unterstützung aller regional tätigen Netzbetreiber benötigt.

Ziel ist, dass der Datenverkehr zwischen Punkten in Deutschland oder Europa die jeweiligen regionalen Grenzen nicht überschreiten soll. Es wurde - in Anlehnung an das Abkommen über den freien Grenzverkehr für Personen - der Begriff "Schengen-Routing" für den Datenverkehr geprägt. Großbritannien bleibt bei diesem Projekt ausgeschlossen. Dies ist als Reaktion auf die enge Zusammenarbeit des britischen Geheimdienstes GHCQ  mit der NSA zu sehen.

Derzeit können beim Routing Datenpakete über verschiedene Kontinente fließen. Welche Routen jeweils gewählt werden, wird von technischen und kommerziellen Gesichtspunkten bestimmt. Die Gespräche der Netzbetreiber über eine einheitliche nationale Lösung  scheinen sich bereits um Preise und Rahmenbedingungen für die gegenseitige Nutzen der Leitungen zu handeln. Auch die technischen Vorbereitungen sind nach Angaben des Konzerns bereits angelaufen.

Es versteht sich fast von selbst, dass die Deutsche Telekom bei ihren Plänen auf die politische Unterstützung der Bundesregierung hofft. Diese erfolgte auch schon, unter anderem durch eine Gesetzesinitiative von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der einen regionalen E-Mail-Verkehr vorgeschrieben haben möchte.

Experten sehen in diesen Entwicklungen allerdings neue Probleme. So bedeute die zunehmende Ausbreitung nationaler Lösungen eine "Balkanisierung des Internets". Die Internet Society betont ausdrücklich, dass das Internets nur dank Offenheit, Transparenz und Neutralität seinen heutige Bedeutung erlangt habe. Die  Re-Territorialisierung könne das "Ende des freien Internets einleiten und die Fortentwicklung einer freien und demokratischen Gesellschaft behindern."

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