Tado bekommt neue Konkurrenz

Deutscher Nest-Konkurrent zur Übernahme: "Das hilft uns eher"

Google kauft für 3,2 Milliarden Dollar den Thermostathersteller Nest Labs. Dieser will mit der Finanzstärke des Such-Konzerns globale Märkte angehen, darunter auch Europa. Dort wird Nest auf einen Konkurrenten aus München treffen: Tado. Das Startup beschäftigt bereits 30 Mitarbeiter und arbeitet monatlich eine vierstellige Zahl von Bestellungen seines Systems ab.

Christian Deilmann

© IntMag

Christian Deilmann

Hat bei Tado nun das große Zittern begonnen? Wir fragten nach bei Mit-Gründer und CEO Christian Deilmann.

Herr Deilmann, wie haben Sie von der Nest-Übernahme erfahren?

Ich saß gestern auf dem Sofa und hab es auf Twitter und den ganzen anderen Social Media-Kanälen gelesen. Ich konnte gar nicht glauben, dass Nest in dieser Phase schon verkauft. Vor allem, weil es vor zwei Wochen ja noch die Meldung über eine große Finanzierungsrunde gegeben hatte. Deshalb war ich davon ausgegangen, dass Nest irgendwann an die Börse gehen würde. Auch, weil es kaum ein Unternehmen gibt, dass bei solch einer Bewertung eine Übernahme bezahlen könnte.

Ist die Bewertung gerechtfertigt?

Ich bin davon überzeugt, dass der ganze Markt, der die Intelligenz des Internets in die physikalische Welt bringt, weit größer ist, als wir uns bisher ausmalen. Deshalb halte ich die Bewertung für gerechtfertigt. Betrachtet auf Umsatzmultiples und verglichen mit klassischen Thermostatherstellern kann man natürlich Zweifel bekommen.

Was unterscheitet Nest von Tado?

Zwei Kerngedanken, die wir von Tag eins an verfolgen: Zum einen bauen wir unser Produkt um das Smartphone herum, weil dieses das zentrale Gerät im Leben eines Menschen ist. Wir glauben nicht, dass man sich einen Screen an die Wand heften muss. Ich kann zum smartphone greifen und muss nicht zum Thermostat rennen. Gleichzeitig nutzen wir das Smartphone als Sensor um zu wissen, wann der letzte eine Wohnung verlassen hat. Der zweite Kerngedanke ist, dass wir die volle Intelligenz des Internet of Things nutzen wollen, von Signalen des Smartphones bis zu Wetterprognosen. Nest will dagegen ein lernender Thermostat sein, der sich Stück für Stück den Gewohnheiten der Nutzer anpasst. Nest setzt also auf Lernfähigkeit aufgrund von Statistiken, wir setzen auf Echtzeitsignale.

Sie setzen auf das Smartphone, Nest auf einen optisch wunderschönen Thermostat, den man demonstrativ in der Wohnung vorzeigen kann. Ist dieser demonstrative Konsum nicht ein reizvoller Kaufgrund?

Letzte Woche war ich auf der CES. Da ist das Thema ein Stück weiter. Viele Haushalte sollen nach Meinung der Aussteller zugekleistert werden mit Displays für unterschiedliche Use Cases. Ich glaube nicht, dass man für alles ein Display braucht. Wenn ich ein Tablet an die Wand nageln will, kann ich das. Aber letztlich läuft das Internet of Things auf den entsprechenden Endgeräten,  sei es Handys oder Tablet. Wir wollen uns nicht auf schwarze Scheiben konzentrieren, die sich Kunden an die Wand nageln müssen.

Ändert die Nest-Übernahme etwas für Ihr Geschäft?

Nein. Grundsätzlich steht der Markt derart am Anfang, dass wir unter 0,1Prozent des Möglichen erreicht habem. Nest hat gute Arbeit geleistet, ein Produkt zu kreieren, das von den Menschen akzeptiert wird. Mit der Kraft von Google wird es dafür sorgen, dass die Produkte noch alltäglicher werden. Das hilft uns eher.

Nest ist derzeit in Deutschland noch nicht aktiv. Wird das Unternehmen jetzt zum gefährlichsten Konkurrenten für Tado?

In Deutschland auf keinen Fall. Technisch ist unser Geschäft sehr komplex. Wir haben drei Jahre Arbeit investiert mit einem Team, das im Markt präsent ist. Da haben wir für Kontinentaleuropa einen großen Vorsprung. In Großbritannien ist die Heizungslandschaft einfacher, da kann es schneller gehen. Dort werden wir bald auf Nest treffen.

tado

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