Porträt

Deutschlands ungewöhnlichster CTO

Seine erste Firma gründete er mit 18, im Studium gründete er eine Bar. Er repariert alte Uhren und schraubt an Drohnen, die er durch das Büro fliegen lässt, während er sich eine Tasse vom besten Bürokaffee gönnt, den es in Berlin gibt - Stratos Technikchef Rene Wienholtz ist einer der ungewöhnlichsten Manager der Republik.

Rene Wienholtz

© IntMag

Rene Wienholtz

Es gab eine Zeit, in der das Gesicht von  René Wienholtz auf allen Flyern der Strato AG prangte. Jede Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln konnte dazu führen, dass Kunden ihn erkannten und prompt mit ihm persönlich über Produkte und Leistungen des Unternehmens sprechen wollten.

Dabei ist Wienholtz eigentlich ganz froh darüber, dass man seine Firma kennt, er als Technikvorstand aber jetzt schon zwölfeinhalb Jahre lang verhältnismäßig ruhig im Hintergrund arbeiten kann. Anders als am Anfang seiner beruflichen Laufbahn, als er in einem Berliner Szenebezirk mit Freunden eine Bar aufmachte, die er selbst im Nachhinein als zu hochklassig bezeichnet. >>Heute wäre es überhaupt kein Problem, an der gleichen Stelle eine erfolgreiche Bar zu betreiben, zumal der Stadtteil sich inzwischen gewandelt hat<<, sagt Wienholtz. >>Unser Publikum damals waren Studenten, Schüler und Künstler, die waren eher an großen bunten Cocktail-Kübeln für fünf Mark interessiert. Ich hatte durch einen Job in einer recht edlen Bar vorher das Handwerk erlernt, auch heute habe ich noch gute Kontakte in die Berliner Barszene, aber wir waren damals einfach viel zu früh dran mit dieser Idee einer wirklich hochklassigen Bar.<<

Geblieben sind ihm aus dieser Zeit die Leidenschaft für den Genuss, eine Spürnase als Gourmet und ein Händchen für perfekten Kaffee, was diesen ausmacht und wie man ihn herstellt. René Wienholtz: >>Wir haben ausgezeichneten Bürokaffee hier bei Strato, auch wenn man ihn nicht mit dem vergleichen kann, was man in einem italienischen Kaffeeladen oder bei mir daheim bekommen kann. Aber wahrscheinlich ist er doch zu 99 Prozent besser als das Gebräu, das in den meisten Berliner Betrieben ausgeschenkt wird. Wir verfügen über hervorragende Automaten mit einer hohen Durchflussrate, die eine verlässliche Qualität liefern. Ich habe auch schon überlegt, mir zusätzlich in meinem eigenen Büro eine professionelle Kaffeemaschine hinzustellen, also einen Siebträger, aber das wäre dann wirklich wie mit Kanonen auf Spatzen geschossen - und die Leute würden wohl immer bei mir vor der Tür stehen und sich einen Kaffee ziehen wollen."

Glauben Sie nicht, dass Kaffeemaschinen der einzige Teil seines Lebens sind, bei dem Wienholtz Wert auf Details legt. Genauso ausladend wie über Espresso kann er auch über historische Uhren erzählen - denn die restauriert er ebenfalls: >>Schon als Kind hat mich Mikromechanik total fasziniert. Damals habe ich alte Wecker auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, das führte zwar nicht immer zu dem gewünschten Ergebnis, aber es machte mir trotzdem Freude. Später als Erwachsenem fiel mir dann eine alte Uhr aus dem Familienbesitz in die Hände und ich habe mich mit dem Thema ausgiebiger beschäftigt. Das war zu einer Zeit, als es die ersten richtig guten Foren dazu online gab und ich habe mir sukzessive ein paar Werkzeuge besorgt und einfach angefangen. Mal habe ich ein Uhrwerk auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, mal einen Uhrmacher gefragt oder einen Kurs besucht und dann irgendwann festgestellt: Das macht nicht nur unheimlich Spaß wie irgendein netter Zeitvertreib - das ist richtig lukrativ." Der Wert einer solchen Uhr kann sich schon mal verdrei- oder vierfachen.

Bemerkenswerte Hobbys - leidet darunter der Job? Wienholtz glaubt nicht, denn er sieht sich als jemand, der keine halben Sachen macht. Hat er noch nie, wird er nicht.

Aber schon immer lief vieles in seinem Leben parallel. Bereits mit 18 gründete er seine erste eigene Firma und entwickelte Algorithmen für fotorealistische Bildberechnungen. Dann folgte das Wirtschaftsinformatik-Studium an der HTW Berlin. In dieser Zeit engagierte er sich in der Berliner Startup Academy, um sein eigenes Wissen als Unternehmensgründer weiterzugeben.

Erwähnten wir, dass Wienholtz auch noch begeisterter Hobbykoch ist? Oder Spielzeuge wie Modellbauhubschrauber selbst zusammenschraubt? Sein Team bei Strato muss jederzeit damit rechnen, dass ein Helikopter durchs Büro fliegt: >>Immer wenn ich den Excel-Koller kriege, drehe ich eine Runde mit dem Heli oder einer Drohne. Das fördert die Hand-Augen-Koordination, man kann hervorragend abschalten und fühlt sich danach wieder frisch. Ob ich einen geräucherten Cocktail entwerfe, eine neue Bar ausprobiere oder eine Lieblingsuhr restauriere: Ich bin ein Mensch, der sich mit ganz unterschiedlichen Sachen beschäftigt, und denke, dass man sich die Welt besser erklären kann, wenn man verschiedene Dinge ausprobiert.<<

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