Sky sendet in 4K

UHD-TV: So lief die Live-Übertragung des DFB-Pokalfinales

Sky Deutschland setzt auf Innovation: Am Samstag konnten die Zuschauer in dreizehn Sky-Sportsbars das Pokalfinale live in der höheren UHD-Qualität erleben. Zudem feierte mit dem FreeD-System eine neue Produktionstechnik Premiere, die Zeitlupen-Wiedergaben mit 360-Grad-Rundum-Blick liefert. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Sky Deutschland treibt die UHDTV-Technik weiter voran. Der Bezahlsender übertrug die DFB-Pokalfinal-Partie VfL Wolfsburg gegen Borussia Dortmund öffentlich mit der vierfachen HD-Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten. In den Genuss der schärferen Bilder kamen Zuschauer in dreizehn Sky-Sportsbars in Deutschland, davon alleine fünf in Berlin. Weitere Sportsbars waren in Dortmund, Frankfurt, München, Stuttgart oder Wolfsburg platziert. Samsung sponserte die UHD-Flachbildschirme für die Sportsbars, die mit 65- und 78-Zoll-Displays ausgestattet wurden (umgerechnet 165 und 198 cm Bildschirmdiagonale).

"Das war die achte UHD-Testproduktion", erläuterte Alessandro Reitano, Director Sports Production bei Sky, "doch die erste, die öffentlich live übertragen wurde." Im Berliner Olympia-Stadion waren dafür elf native UHD-Kameras im Einsatz - so viele, wie bei keiner der bisherigen Sky-UHD-Produktion zuvor.

Vier davon, so Reitano, waren erstmals richtige Broadcast-Systemkameras vom Typ Sony HDC-4300. Diese Kameras seien in mehrerer Hinsicht besser für die Broadcast-Produktion geeignet, und damit auch eine der Voraussetzungen, um beispielsweise Fußballspiele regelmäßig in UHD produzieren zu können. Zum einen lassen sich die Kameras mit ihren drei 2/3-Zoll-Sensoren leichter mit Broadcast-Objektiven bestücken. "Mit den Systemkameras ist es einfacher, geeignete Optiken zu verwenden", erläuterte Reitano.

So wurde im Pokalfinale erstmals der Prototyp einer Canon-4K-Sportoptik mit 95-facher Vergrößerung verwendet. "Das ist wichtig, damit wir die Bildsprache der HD-Produktionen beibehalten können", sagte Reitano. Denn für die Nahaufnahmen sind im Fußballstation natürlich mächtige Teleobjektive erforderlich.

Bislang wurden UHD-Produktionen überwiegend mit den großformatigen Sony PMW-F55-Kameras umgesetzt, die in erster Linie für die Spielfilmproduktion konstruiert wurden. Auch diesmal kamen mehrere F55-Kameras zum Einsatz, daneben eine weitere UHD-Broadcastkamera des Herstellers Grass Valley. Fünf der UHD-Kameras waren mit HD-Optiken bestückt, die restlichen sechs UHD-Kameras waren allesamt mit nativen 4K-Optiken ausgerüstet.

Ein weiterer Vorteil der Systemkameras: Mit ihren Highspeed-Aufnahmen ermöglichen sie auch sehr langsame Zeitlupen-Wiedergaben. Die achtfachen Super-Slomos, die sich mit den HDC 4300 generieren ließen, seien keineswegs Standard, sagte Reitano.

Momentan läuft die Produktion von HD- und UHD über zwei getrennte Produktionsketten. "Die HD-Produktion noch vertraglich vorgeschrieben", so Reitano zum Hintergrund. Mit den neuen Systemkameras stehe nun erst die Technik zur Verfügung, um die gewohnte Bildsprache beizubehalten und das Mastersignal in UHD zu produzieren. "Daraus könnte man dann auch das HD-Signal generieren", sage Reitano. Die Produktionskette sei somit geschlossen. 

Mit der FreeD-Technik gab es zudem eine Deutschland-Premiere. Das System der Firma Replay-Technologies berechnet Zeitlupen-Wiederholungen mit 360-Grad-Rundum-Blick. "Das war ein absoluter Wow-Effekt", kommentierte Reitano die FreeD-Wiedergabe. "Die Mühe hat sich gelohnt", sagte Reitano mit Blick auf den beträchtlichen Aufwand, den die Produktionsteams dafür bewältigen mussten. 32 ultrahochauflösende Kameras der Firma jAi wurden dafür am Stadiondach angebracht. Diese mussten präzise kalibriert werden, so Reitano, und auch die dahinter stehende Signalverarbeitung sei äußerst komplex: Jedes Kamerasignal wird auf einem eigenen Server aufgezeichnet, ein zentraler Hochleistungsrechner mit Intel-Prozessoren berechnet daraus die 360-Grad-Bilder. "Das war schon ein großes Rack, das dafür im Technikcontainer untergebracht war", kommentierte Reitano.

Das dahinter stehende Prinzip des Image Based Modelling sei nicht neu, sagte Reitano. "Neu war es jedoch, so viele Kameras einzusetzen." Denn die höhere Anzahl an Kameras ermöglicht auch mehr unterschiedliche Blickwinkel. Die Auflösung der Rundum-Bilder ist sichtbar geringer als UHD-TV, die Anmutung nicht fotorealistisch. "Es sieht ein bisschen verfremdet aus", sagte Reitano, "aber im Unterschied zu anderen Systemen nicht künstlich."

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"Wir haben lange verhandelt und das System mit viel Aufwand nach Deutschland geholt", sagte Reitano. Momentan sind zwei FreeD-Systeme in deutschen Stadien angebracht - neben dem Olympia-Station in Berlin noch in der Volkswaren-Arena in Wolfsburg. Ob Sky das System fest einkauft, stehe allerdings noch nicht fest. "Das entscheiden wir erst nach dem Champions-League-Finale nächsten Samstag", sagte Reitano.

Das unkomprimierte UHD-Originalsignal wurde vom Stadion mit 12 Gbit/s per Glasfaser nach München übermittelt. Dort wurde es im Sendezentrum von SES Astra mit dem HEVC-Codec encodiert und mit 35 Mbit/s über die Astra-Satelliten gesendet. Eine beträchtliche Datenrate - denn damit schöpft ein UHD-Programm die gesamten Ressourcen eines Satellitentransponders aus. Aktuell lassen sich darüber etwa acht HDTV-Programme senden.

Der UHD-Produktions-Workflow sei alltagstauglich, sagte Reitano. Auch die Übertragung über die Astra-Satelliten habe gut funktioniert. "Doch die Distribution zum Kunden ist noch nicht geschlossen", so Reitano. Zum einen sei die Datenrate mit 35 Mbit/s noch zu hoch für einen Regelbetrieb. Zudem fehlten noch einige Standards für die UHD-Übertragung.

"Es gibt noch keinen Termin für einen Serienbetrieb", sagte Reitano. Einzelevents ließen sich aber künftig auf diesem Weg in die beteiligten Sportbars übertragen. "Die Voraussetzungen dafür, das Produkt in den Markt zu bringen, sind erfüllt", so Reitano. Das UEFA Champions-League-Finale am kommenden Samstag überträgt Sky jedenfalls wieder in UHD aus Berlin - das hat der Bezahlsender bereits angekündigt. 

Zum Starttermin eines UHD-Regelbetriebs teilte Sky mit: "Bei sämtlichen Tests hatten wir das Ziel vor Augen, uns Schritt für Schritt einem Regelbetrieb zu nähern. Für eine regelmäßige Ultra-HD-Ausstrahlung fehlen momentan allerdings noch die entsprechenden Empfangsgeräte und Set-Top-Boxen beim Konsumenten. Es ist vor allem wichtig und entscheidend, dass sowohl die Kunden als auch wir vom Produkt Ultra HD überzeugt sind. Erst dann nennen wir einen Zeitpunkt für eine Ultra-HD-Ausstrahlung."

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Im Olympia-Stadion in Berlin waren elf UHD-Kameras im Einsatz.
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Hinter den Kulissen: Ein Blick in den Control Room der Live-Übertragung von Sky.

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