RTL-Show und Social Media

Twitter sagt Ausgang des Dschungelcamps voraus

Mit Rekordquoten geht die 2014er Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" zu Ende. Vor dem Finale der RTL-Show zeigt sich: Auch in Deutschland lässt sich der Verlauf einer solchen Sendung via Twitter vorausahnen - wohingegen Google als Prognoseinstrument hier nicht funktioniert.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus

© RTL; Archiv/IntMag

Ich bin ein Star, holt mich hier raus

Ganz Deutschland guckt "Ich bin ein Star, holt mich hier raus". Also, zumindest ganz Twitter-Deutschland. Selten zuvor sorgte eine TV-Sendung, die nicht aus dem Bereich des Sports kam, für eine solche Flut von Tweets wie das Dschungelcamp 2014.

In den vergangenen 14 Tagen wurden 300.000 Nachrichten mit dem Hashtag #ibes abgegeben, ermittelte der Messdienst Fanpage Karma. Hinzu kommen noch Tweets mit dem Alternativbegriff #Dschungelcamp sowie Hashtag-freie Nachrichten.

Deutlich erkennbar ist die einkehrende Ruhe im Camp mit dem Auszug der Kandidaten in der zweiten Woche. Je weniger einzelne Reibereien sich zwischen den Start ergeben, desto weniger Anlass zum tweeten gibt es - da hilft es auch nicht, dass die Schwere der Konflikte zunahm.

Deutlich erkennbar ist auch die Entwicklung einzelner Mitspieler im Laufe der Zeit. So regen Larissa Marolts regelmäßige Durchdreher inzwischen nicht mehr für Nachrichtenwellen. Mola Adebisi dagegen machte nur durch sein unterdurchschnittliche Bereitschaft zur Teilnahme an den Dschungelprüfungen von sich reden.

Erkärbar wird auch die Überraschung der vergangenen Tage: Tanja Schumann wurde in den ersten Tagen kaum erwähnt, doch schon ab dem 23. Januar stieg das Volumen bei ihr Stück für Stück an. Ihre dauernde Missmutigkeit sorgte dann auch für ein kleines Meme: #dontfreetanja geisterte durch den Twitter-Raum. Viele Nutzer dieses Hashtags ärgerten sich vor allem über Schumanns Wunsch, rausgewählt zu werden, um noch Urlaub mit ihrem Mann machen zu können.

Die Sentimentanalyse aller Kandidaten zeigt klar, dass Twitter die Entwicklung im australischen Dschungel nicht nur kommentiert, sondern die Zuschauerentscheidungen vorhersagt. So wurde die dauerdschungelgeprüfte Larissa Marolt in den ersten Tagen extrem negativ beschrieben, erst mit Beginn der Abwahlphase ändert sich dies.

Die Auszüge von Adebisi, Gabby de Almeida Rinne und Marco Angelini deuten sich ebenfalls klar durch Sentiment-Ausschläge nach unten an.

Damit eignet sich Twitter besser als Prognoseinstrument für "Ich bin ein Star" als Google. Der Verlauf der Suchanfragen nach den Kandidaten zeigt eher, dass besonders zu Beginn der Staffel so mancher Star eher ein Sternchen war. so war vor allem Melanie Müller für viele ein unbeschriebenes Blatt: Sie wurde schon Tage vor dem Staffel-Start stark gegoogelt.

Bei allen Kandidaten nahm das Suchvolumen nach den ersten Sendetagen ab, doch blieb es bei Müller überdurchschnittlich. Dies dürfte mit ihrer Vergangenheit zusammenhängen: Sie wird vor allem im Zusammenhang mit ihrem Pornodarsteller-Namen Scarlett Young gesucht. Sex searches. Auffällig auch: Während die anderen Finalisten von Nutzern aus ganz Deutschland gesucht wurden, war das Interesse an Jochen Bendel in Ostdeutschland massiv geringer.

Auffällig auch: Während die anderen Finalisten von Nutzern aus ganz Deutschland gesucht wurden, war das Interesse an Jochen Bendel in Ostdeutschland massiv geringer.

Dass Google zur Prognose hier nicht taugt, erscheint logisch. Die Entscheidung für oder gegen einzelne Kandidaten basiert auf deren Verhalten, Hintergrundinformationen sind nicht nötig. Das unterscheidet die Situation von der Debatte um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst: Wer sich aufgrund von dessen Verschwendungssucht zum Kirchenaustritt entschließt, will sich kundig machen. Und er hat keine Hotline parat, sondern muss sich über den bürokratischen Verlauf eines Kirchenaustritts kundig machen. Deshalb war Google in diesem Moment ein zuverlässiger Frühindikator für die folgende Austrittswelle.

Und wer gewinnt nun heute Abend? Nimmt man die Twitter-Sentiment-Analyse, dürfte Melanie Müller das Rennen machen: Über sie werden die meisten Positiv-Tweets geschrieben. Rang zwei belegt Larissa Marolt, Bendel hatte zwischenzeitlich ein Tief, von dem er sich nicht wieder erholt hat.

Doch das ist nur die Stimmung vor der Finalsendung - und noch sind drei Prüfungen zu bestehen. Weitere Details der Auswertung  zum Dschungelcamp gibt es im Firmenblog von Fanpage Karma.

Nachtrag vom 02.02.14

Twitter hatte Recht. Nicht nur, dass Melanie Müller Dschungelkönigin wurde - die exakte Platzierung der Finalisten war in der Sentimentanalyse ablesbar.

Dies hat maßgebliche Implikationen für das digitale Marketing. Denn zum ersten Mal zeigt sich hier, was bisher so nur in den USA erkennbar war: Twitter ist ein Frühindikator für die Stimmungslage in werberelevanten Zielgruppen. Natürlich bildet der Kurznachrichtendienst nicht die komplette deutsche Bevölkerung ab, weshalb er auch als Gradmesser für die politische Stimmungslage nur sehr eingeschränkt zu gebrauchen ist. Doch zeigt das "Ich bin ein Star"-Ergebnis, dass die Stimmung auf Twitter deckungsgleich mit der Stimmung der TV-Zuschauer in Formaten mit Top-Einschaltquoten ist.

Dies ist vor allem interessant für große Werbetreibende aus Branchen wie Konsumgüter, Lebensmittel und Auto. Denn sie sind die wichtigsten Werbekunden der TV-Sender. Es deutet sich auch an, dass Twitter mit seiner Strategie richtig liegen könnte, seine Funktion als Second Screen zu betonen.

Diese beiden Entwicklungen dürften dem Sales-Geschäftsführer helfen, den Twitter gerade für den deutschen Markt sucht, wenn er seinen Posten antritt.

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© Twitter: @ZeroZombielady

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