RedTube-Abmahnung & IP-Tracking

Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Streaming-Abmahner

Die bislang ungeklärte Frage, wie die Abmahnkanzlei Urmann + Collegen an die IP-Nummern der Porno-Streaming-Nutzer gekommen ist, wird im Netz heftig diskutiert. Ob dabei wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist, beschäftigt jetzt auch die Kölner Staatsanwaltschaft.

RedTube-Abmahnung & IP-Tracking: Es scheint sich eine Wende anzudeuten.

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RedTube-Abmahnung & IP-Tracking: Es scheint sich eine Wende anzudeuten.

Wende im Fall der RedTube-Abmahnung: Der genaue Weg, wie der  Berliner Anwalt Daniel Sebastian an die IP-Adressen der Porno-Streaming-User gelangte, ist weiterhin ungeklärt. Sebastian hatte die IP-Adressen von über 10.000 Nutzern beim Landgericht Köln eingereicht. Hierdurch wurde das Auskunftsersuchen gegenüber der Telekom begründet. Wir berichteten, dass die Formulierung der Anträge möglicherweise bewusst dem Gericht eine Verwechselung von Streaming-Portal und Tauschbörse nahelegen sollte. 

Um die Ermittlung der IP-Adressen zu erläutern, wurde dem Gericht ein Gutachten vorgelegt, dass recht schwammig von einer angeblich verwendeten Ermittlungssoftware "GLADII 1.1.3" sprach, die laut Gutachten "technisch auf üblichen Internet-Technologien" beruhe, "welche beim Einsatz in dem verwendeten Test-Szenario keine Bedenken hinsichtlich etwaigen Gesetzesverstößen erkennen ließ".

Wie der Anwalt Thomas Urmann, der die Abmahnungen verschickte, vor der Presse erklärte, sei es ein "Geschäftsgeheimnis der Ermittlungsfirma", wie diese Software im Detail funktioniert. Das scheint die Staatsanwaltschaft Köln nunmehr zu Ermittlungen von Amts wegen zu veranlassen, wie die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Werdermann / von Rüden mitteilt.

Viele der abgemahnten Nutzer arbeiten inzwischen selbst daran, die Wege der Porno-Schnüffler zu ermitteln. Auswertungen von Browser-Verläufen (IP-Logging, Chronik oder History) haben oft ergeben, dass die in den Abmahnungen genannten Zeitpunkte nicht stimmen. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Abmahn-Industrie die angeblichen Urheberrechtsverletzungen selber produziert haben könnte.

So gibt es Browser-Verläufe mit Umleitungen der Browser-Aufrufe auf die Porno-Inhalte mit den angeblich urheberrechtlich relevanten Inhalten. Auch wurden viele User unbemerkt über die Seite trafficholder.com, welche Surfer gegen Bezahlung auf andere als die von ihm gewünschten Inhalte lenkt, auf die Seite movfile.net geleitet, die dann retdube.net aufrief, und von dort, mit einer Film-Identifikationsnummer versehen, zum eigentlichen Ziel Redtube.com geschickt wurden.

Außerdem scheinen die Rechte an den abgemahnten Videos erst relativ kurz vor der Abmahnaktion ihren Besitzer gewechselt zu haben. Auch movfile.net und retdube.net wurden erst zwei Tage vor Beginn der Abmahnaktion anonym registriert. Kurz darauf stiegen die Zugriffszahlen auf die Filme enorm an. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.

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