Redtube-Abmahnungen

Hausdurchsuchungen wegen Beihilfe und verschwundenen 600.000 Euro

Im Fall um die Redtube-Abmahnungen scheint kein Ende in Sicht. Die Staatsanwaltschaft Köln ordnet Hausdurchsuchungen u.a. wegen verschwundenen 600.000 Euro an.

XXX auf dem Bildschirm

© jwblinn - Fotolia.com

Der Fall Redtube-Abmahnungen kommt nicht zur Ruhe.

Ende 2013 sorgten die sogenannten Redtube-Abmahnungen für Aufruhr, über ein Jahr später ist der Spuk für Betroffene noch nicht vorbei. Wie "Die Welt" erfahren hat, ordnete die Staatsanwaltschaft Köln Hausdurchsuchungen gegen verschiedene Personen an. Bei diesen handelt es sich jedoch nicht um die letztlichen Drahtzieher hinter den Abmahnungen, sondern um Beihelfer und andere Beschuldigte, die falsche Versicherungen an Eides statt abgaben.

Die jetzt Beschuldigten waren maßgeblich daran beteiligt, dass der Fall um die Redtube-Abmahnungen so ausartete. 45.000 Abmahnungen waren geplant, von denen 36.000 tatsächlich verschickt wurden. Bevor der Verdacht um die Rechtswidrigkeit der Abmahnungen im Netz und in den Medien die Runde machte, überwiesen viele Opfer die verlangten 250 Euro Abmahngebühr. Ein großer Teil von rund 600.000 Euro soll in den ersten Tagen auf ein Konto einer Privatbank geflossen sein, der Gesamtbetrag entspricht über 2.400 Nutzern. Anschließend wurde das Geld in die Schweiz transferiert. Laut "Welt" versuchte die Bank, das Konto zu sperren, das war jedoch wegen Handlungen der jetzt Beschuldigten nicht möglich.

Lesetipp: Abgemahnt - was tun?

Dazu kommen Ermittlungen gegen einen IT-Experten, der geholfen haben soll, an die fragwürdigen Nutzerdaten zu kommen, die die Basis für den Empfängerstamm der Redtube-Abmahnungen stellen. Ob die Ermittler jemals die Drahtzieher dingfest machen und die Opfer jemals ihr Geld wiedersehen, bleibt abzuwarten. Es dürfte jedoch schwierig sein, das Geld nachzuverfolgen, nachdem es in die Schweiz gelangte.

Was sind die Redtube-Abmahnungen?

Ende 2013 sorgte die Anwaltskanzlei Urmann + Collegen für Aufsehen, als mehrere Zehntausende, Redtube-Abmahnungen getaufte Schreiben an Nutzer verschickt wurden. Darin forderte eine durch die Kanzlei vertretene Produktionsfirma Schadensersatz für das illegale Streamen von Pornovideos auf dem Portal Redtube. Nachdem der Fall auftauchte, kam es zu immer mehr Ungereimtheiten und Widersprüchen seitens der Kläger, die letztlich dazu führten, dass die Redtube-Abmahnungen haltlos waren.

So ist die Seite der Kläger beispielsweise durch die Nutzung fragwürdiger Programme und Gutachten an IP-Adressen angeblich betroffener Streamer gelangt, die daraufhin abgemahnt wurden. Die Funktionsweise dieser Programme war weder technisch noch datenschutzrechtlich unbedenklich. Zwischenzeitlich traten auch Zweifel an der tatsächlichen Rechteinhaberschaft der klagenden Produktionsfirma auf. Am Ende erschien der verantwortliche Abmahnanwalt nicht einmal zu den entscheidenden Verfahren und musste schließlich Insolvenz für seine eigene Wurstfabrik anmelden und sich in diesem Zusammenhang auch wegen Betrug verantworten. Darüber hinaus verlor er auch seine Anwaltszulassung.

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