Vom Abmahner zum Abtaucher

Redtube-Abmahnfirma ersetzt den Chef

Die Schweizer "The Archive AG", die mit ihrem Rechte-Management die Abmahnung von über 10.000 Redtube-Besuchern ermöglichte, zieht offensichtlich die Verantwortlichen aus der Schusslinie. Der neue Chef ist ein in Finanzkreisen völlig Unbekannter.

Redtube-Fall: Der bisherige Chef der Abmahnfirma ist abgetreten.

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Redtube-Fall: Der bisherige Chef der Abmahnfirma ist abgetreten.

The Archive - Auftraggeber der Redtube-Abmahnungen, der als Rechteinhaber die Massenabmahnungen der Streaming-Nutzer veranlasste, zieht sich offensichtlich zurück. Dem Unternehmen "The Archive AG" mit Sitz in Zürich stand bis zum 27. Dezember 2013 der in Zürich lebende Deutsche Philipp Wiik vor. Er hatte die Anwaltskanzlei Urmann + Collegen zu den Redtube-Abmahnungen beauftragt. Nachdem er von seinem Posten zurückgetreten war, drohte der Firma - da kein Verantwortlicher vorhanden - die Schließung.

Jetzt hat die "Archive AG" einen neuen Chef namens Nounagnon Sedjro Crespin Djengue aus Benin, und einen neuen Firmensitz in Weisslingen. Der neue Chef wird jetzt erklären müssen, ob die "Archive AG" tatsächlich die Verwertungsrechte der Pornofilme besitzt, wegen denen sich über 10.000 Nutzer laut The Archive verantworten müssen.

Wie einige Medien berichten, wurde der Weg, den die Rechte der Filme nahmen, bereits Ende vergangenen Jahres aufgeklärt. Danach wurden die Filme von der amerikanischen Firma Combat Zone in den USA gedreht. Die spanische Firma Serrato Consultores S.L. soll angeblich die weltweiten Verwertungsrechte erworben haben, die sie dann die Berliner Firma Hausner Productions weiter gegeben hat, von der sie an die Schweizer Archive AG gingen. Allerdings besteht der dringende Verdacht, dass die Filme auf diesem Wege lediglich umgelabelt wurden, da sie von der Herstellerfirma weiterhin unter ihren Originaltiteln vermarktet werden. Wie es heißt, ermitteln die Schweizer Behörden bereits gegen die Archive AG.

Lesetipp: Regierung und Abmahnanwälte im Streaming-Clinch

Rechtsanwalt Urmann sieht sich als Versender der Abmahnungen allerdings nicht der Gefahr eventueller Regressansprüche ausgesetzt. Er teilte vor der Presse mit, dass die Abgemahnten allenfalls "Schadensersatzanspruch gegen The Archive" hätten, falls sich herausstellt, dass "mit der Rechtekette etwas nicht in Ordnung ist".

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