Interview

Ralf Benzmüller - Leiter G Data Security Labs

Ralf Benzmüller äußert sich im Interview über die rasende Vebreitung von mobilen Viren und anderen Bedrohungen.

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Business&IT: Wie groß ist die Bedrohung für Smartphone-Nutzer wirklich?

Ralf Benzmüller: Früher hatten sich Cyber- kriminelle in puncto Schadcode-Entwicklung und Online-Attacken bevorzugt auf Windows- Betriebssysteme eingeschossen, mittlerweile ist auch Android in den Fokus der Täter gerückt.

In den vergangenen zwölf Monaten verzeichneten wir eine kontinuierlich ansteigende Anzahl von mobilen Schädlingen. Im letzten Jahr beobachteten wir einen Anstieg um das Achtfache und auch 2012 nimmt die Zahl der Android-Schädlinge weiterhin stetig zu.

Worin bestehen die Risiken?

Ralf Benzmüller: Die Verbreitung von Schadcode für Android erfolgt primär durch manipulierte Apps. Diese werden üblicherweise über unseriöse Märkte verteilt. Trotz aller Vorkehrungen gelingt es Kriminellen immer wieder, ihre Schaddateien auch in populären und legitimen App-Marktplätzen wie Google play einzustellen. Die Kriminellen haben es hier besonders auf persönliche Daten abgesehen, wie E-Mail-Kontakte, Passwörter oder Informationen zu Shopping-Portalen. Ein anderes Ziel der Betrüger besteht darin, Geld mit dem Versand von SMS an Premiumdienste zu verdienen.

Special: Business liegen im Trend

Ein oft unterschätztes Risiko birgt der Verlust eines Smartphones oder Tablets. Denn wenn ein Mobilgerät in die falschen Hände gelangt, haben Unbefugte Zugriff auf persönliche Daten. Hier sollte man auf Sicherheitslösungen setzten, die einen Passwortschutz für Apps und eine Fernlöschfunktion anbieten.

Werden die tatsächlichen Gefahren nicht übertrieben?

Ralf Benzmüller: Für Cyberkriminelle sind Smartphones und Tablets aufgrund ihrer weiten Verbreitung mittlerweile ein lohnendes Angriffsziel. Die Anzahl der mobilen Schädlinge ist aktuell zwar noch nicht vergleichbar mit dem Aufkommen von Schadprogrammen für Windows, sie steigt aber gerade für Android kontinuierlich an. Einige Nutzer verkennen das Gefahrenpotenzial, wodurch die Täter oft leichtes Spiel haben.

Was sollte man neben dem Einsatz einer Schutz-App noch beachten?

Ralf Benzmüller: Nutzer sollten die Sicherheitseinstellungen überprüfen und wenn nötig abändern. So sollte etwa die Kennwort- Abfrage beim Lösen der Tastensperre aktiviert sein.

Standard-Passwörter sollten durch individuelle ersetzt werden, Betriebssystem und Apps mit Updates immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden.

Und Apps sollte man nur aus vertrauenswürdigen Quellen wie Google play oder den App Stores der Hersteller beziehen. Bei der Auswahl helfen Kommentare und Bewertungen anderer Nutzer in den App-Märkten.

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